Kartellamt sieht Verdacht als erhärtet
Apothekern droht Strafe wegen Boykottaufruf

Wegen verbotener Boykottaufrufe gegen den Pharmagroßhändler Gehe drohen mehreren Apothekerverbänden in Deutschland Bußgelder bis zu einer Million Euro. Agenturberichten zufolge hat das Bundeskartellamt der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände sowie einigen Landesapothekerverbänden so genannte Beschuldigungsschreiben zugestellt.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Mehreren deutschen Apothekerverbänden drohen Geldstrafen des Bundeskartellamts. Hintergrund sind angebliche Boykott-Aufrufe gegen einen Pharmagroßhändler, der den Apotheken Konkurrenz macht. "Unser Anfangsverdacht gegen die Apothekerverbände hat sich erhärtet", sagte eine Sprecherin des Bundeskartellamts am Donnerstag und bestätigte damit einen Vorabbericht der Tageszeitung "Die Welt". Die Wettbewerbshüter hätten deshalb so genannte Beschuldigungsschreiben an drei Landesapothekerverbände sowie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) geschickt. Unter anderem habe die ABDA in der Verbandszeitschrift ihren Mitgliedern einen Boykott des zu Celesio gehörenden Großhändlers Gehe nahegelegt. "Wir glauben, dass die Vorwürfe haltlos sind", sagte dagegen ein ABDA-Sprecher.

Die Verbände - neben dem ABDA die Landesverbände in Berlin, Thüringen und Baden-Württemberg - können nun zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Können sie den Verdacht, gegen geltendes Kartellrecht verstoßen zu haben, nicht ausräumen, drohen ihnen Geldstrafen von maximal einer Million Euro. Das Kartellamt hatte im Sommer 2007 Büros von insgesamt fünf Landesapothekerverbänden durchsucht, die zum Boykott von Gehe aufgerufen haben sollen. Dabei waren auch Dokumente sichergestellt worden.

Apotheker und ihre Verbände hatten offen Unmut geäußert, weil Celesio den Arzneimittel-Versandhändler DocMorris gekauft hatte, womit der Lieferant in direkte Konkurrenz zu den stationären Apotheken trat. Celesio hatte Umsatzeinbußen und den Verlust von Marktanteilen in Folge der Übernahme eingeräumt. Das Unternehmen ist europaweit als Pharmagroßhändler aktiv und hat bereits in sieben Ländern in Europa eigene Apotheken.

In Deutschland ist Kapitalgesellschaften der Besitz von Apotheken bislang verboten, auch der Besitz von mehreren Filialen ist streng reglementiert. Diese Regeln werden allerdings vom Europäischen Gerichtshof überprüft, sie sind der EU-Kommission wegen Einschränkung des Wettbewerbs seit langem ein Dorn im Auge. Mit einer Entscheidung des Gerichts wird Anfang kommenden Jahres gerechnet.

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