Kassem aus Syrien
„Deutschland ist ein Paradies“

Kassem Al-Doleme ist Anfang Juli vor dem Krieg in Syrien geflohen. Dort studierte er Internationales Recht. In Deutschland will er seinen Master machen und so schnell wie möglich arbeiten – trotz schlafloser Nächte.

Ich heiße Kassem Al-Doleme, bin 27 Jahre alt und bin Anfang Juli nach Deutschland geflohen. In meiner Heimatstadt Al-Hasakah im Nordosten Syriens waren die Kämpfe zwischen dem IS und kurdischen Truppen so heftig geworden, dass ich nicht mehr sicher war. Ich war 25 Tage unterwegs. Über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich bin ich nach Deutschland gekommen. In Passau wurden wir von der Polizei willkommen geheißen, das war in den anderen Ländern nicht so. Die Deutschen haben uns sogar etwas zu essen gegeben.

In meiner Heimatstadt habe ich an der Al-Furat-Universität Internationales Recht studiert. Meinen Professor dort habe ich immer bewundert, ich möchte deshalb auch einmal Professor werden. Deshalb würde ich hier in Deutschland gerne weiterstudieren und meinen Master in Internationalem Recht machen. Wenn alles gut geht, kann ich vielleicht schon im kommenden Jahr im Wintersemester damit anfangen. Klar, bis dahin muss ich erst einmal richtig Deutsch lernen.

Ich kann oft nachts nicht schlafen, weil das Asylverfahren hier so lange dauert. Alle sind hier sehr freundlich und hilfsbereit, aber die Bürokratie ist chaotisch. Ich möchte so schnell wie möglich arbeiten dürfen und diesem Land, das mir geholfen hat, etwas zurückgeben. Ich könnte zum Beispiel als Dolmetscher arbeiten. Viele Flüchtlinge können ja kein Englisch, da könnte ich vielleicht nützlich sein.

Neulich war ich in Neuss auf dem Schützenfest, weil ich die Sitten und Gebräuche der Deutschen spannend finde. Das war sehr lustig. Ich war auch schon mal bei einem Gottesdienst in der Kirche, weil mich die Religion der Menschen hier interessiert. Ich will Deutschland einfach gründlich kennenlernen. Für mich ist dieses Land wie das Paradies.

Den Kontakt zu meiner Familie in Syrien halte ich über Whatsapp, wenn sie denn mal Internet haben. Aber das ist immer seltener der Fall. Meine Familie vermisse ich aber kaum, denn ich habe hier ja eine neue Familie gefunden: Mister Ulli und seine Frau Verena (Ulli Dackweiler ist Vorsitzender des Vereins „Meerbusch hilft“, der unter anderem auch Kassem betreut).

Aufgezeichnet von Martin Tofern

Martin Tofern
Martin Tofern
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