0 Bewertungen
01.08.2006 

Die Politik habe im Gegenteil bereits in der Vergangenheit die Tatsache, dass sie Entscheidungen des Ausschusses bereits heute genehmigen muss, genutzt, den Leistungskatalog auszuweiten. So habe das Gesundheitsministerium erst vor wenigen Wochen den Beschluss des Ausschusses kassiert, die künstliche Ernährung aus dem Leistungskatalog der Kassen zu streichen.

Mit der letzten Gesundheitsreform habe die Politik zwar alle rezeptfreien Medikamente aus dem Leistungskatalog herausgenommen. Danach habe sie jedoch auf Druck der öffentlichen Meinung den Bundesausschuss gezwungen, umfangreiche Ausnahmeregelungen zu erlassen. In beiden Fällen habe das Ministerium sich sachfremdem öffentlichen Druck gebeugt, sagte Hess.

Pfeiffer hält es auch nicht für ausgeschlossen, dass es in Zukunft zu sachlich nicht gerechtfertigten Leistungskürzungen kommen könnte. „Nach den Plänen der Bundesregierung soll in Zukunft ein Teil der Gesundheitsausgaben über Steuern finanziert werden. Da liegt es doch auf der Hand, dass der Finanzminister ein großes Interesse haben wird, den Steueranteil klein zu halten.“ Damit aber bestehe die Gefahr, dass künftig Innovationen allein aus fiskalischen Gründen nicht in den Leistungskatalog aufgenommen werden.

„Der große Vorzug des heutigen Bundesausschusses ist es, dass er in Streitfragen einen Interessenausgleich aller an der Gesundheitsversorgung beteiligten Gruppen herbei führt“, sagte Hess. „In Zukunft wird es diesen Ausgleich nicht mehr geben.“ Dies bedeute aber, dass Entscheidungen des Ausschusses deutlich stärker als heute vor den Gerichten angefochten werden.

Eine Verstaatlichung von Entscheidungen der Selbstverwaltung sei nicht von vornherein abzulehnen, sagte Pfeiffer. Allerdings habe die Regierung bislang nicht bewiesen, dass sie die Prozesse im Gesundheitswesen besser steuern könne als die Selbstverwaltung. Als Beispiel führte sie die Gebührenordnung für Privatpatienten an. „Auf ihre Reform durch den staatlichen Verordnungsgeber warten die privaten Krankenkassen seit über 20 Jahren.“

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar