0 Bewertungen
17.10.2005 
Barmer-Chef Fiedler fordert gesetzliche Regelung

Kassen schlagen Alarm wegen Arznei-Kosten

von Peter Thelen

Der Streit um steigende Arzneimittelausgaben der Krankenkassen schlägt immer höhere Wellen. Am Wochenende forderte der Chef der Barmer Ersatzkasse, Eckart Fiedler, SPD und Union auf, bereits in ihren Koalitionsverhandlungen schnelle politische Maßnahmen gegen ein weiteres Ausufern der Kosten zu beschließen.

BERLIN. Konkret forderte Fiedler im Gespräch mit dem Handelsblatt eine gesetzliche Regelung, nach der künftig nur noch solche Medikamente von den Kassen bezahlt werden dürfen, deren Preis nachweislich in angemessenem Verhältnis zu ihrem Nutzen steht.

Bis September sind die Arzneikosten pro Monat um durchschnittlich fast 20 Prozent gestiegen. Dies bedeute, dass die Kassen in diesem Jahr allein für Medikamente knapp vier Mrd. Euro mehr ausgeben müssten als 2004, so Fiedler. „Wird diese Entwicklung nicht gestoppt, werden 2006 nach den bisherigen Schätzungen weitere 1,5 Mrd. Euro hinzukommen“, warnte er.

Bisher hatte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) darauf gesetzt, dass Kassen und Ärzteverbände das Problem selbst lösen. Nachdem dies der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Krankenkassen kaum gelungen ist, denkt aber auch sie über Konsequenzen nach. Notfalls müsse der Gesetzgeber „neue strukturelle Lösungen“ suchen, drohte sie am Freitag als Reaktion auf Ergebnisse des neuen Arzneiverordnungsreports. Die Analyse des Pharmakologen Ulrich Schwabe erkennt bei Arzneien weiterhin Wirtschaftlichkeitsreserven von fast drei Mrd. Euro pro Jahr. Ärzte und Kassen hatten sich in der vergangenen Woche auf eine Rahmenvereinbarung geeinigt, der zufolge die Ärzte 2006 rund 900 Mill. Euro bei den Arzneiausgaben einsparen sollen. Diese Einigung sei zwar „begrüßenswert“, so Barmer-Chef Fiedler. Zugleich aber zeige sie, „dass eine deutliche Lücke offen bleibt, die nur der Gesetzgeber schließen kann“.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar