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27.06.2008 
Patientenbefragung

Kassenpatienten warten mehr als doppelt so lange

Gesetzlich Versicherte müssen laut einer aktuellen Patientenbefragung mehr als doppelt so lange auf einen Termin beim Arzt warten wie Privatpatienten – auch bei akuten Beschwerden.

Der BKK Bundesverband will  in der Studie keinen Beleg für eine Zwei-Klassen-Medizin sehen. Foto: dpaLupe

Der BKK Bundesverband will in der Studie keinen Beleg für eine Zwei-Klassen-Medizin sehen. Foto: dpa

HB BERLIN. Nach einer wissenschaftlichen Studie vor einigen Monaten belegt die längeren Wartezeiten nun auch eine Befragung von Patienten, die der BKK-Bundesverband am Freitag in Berlin vorlegte. Selbst bei akuten Beschwerden mussten gesetzlich Versicherte, die um einen Termin baten, im Schnitt acht Tage warten, Privatversicherte nur drei Tage.

Verbandschef Wolfgang Schmeinck sieht in der Studie dennoch keinen Beleg für eine Zwei-Klassen-Medizin. Denn die Befragung von 6 013 Bürgern über 14 Jahren habe auch ergeben, dass bei akuten Beschwerden der überwiegende Teil aller Patienten – ob gesetzlich oder privat versichert – am selben Tag behandelt worden sei.

Unter den gesetzlich Versicherten mit akuten Beschwerden versuchten 40 Prozent gar nicht erst, einen Termin auszumachen, sondern gingen direkt in die Praxis. Immerhin weitere 29 Prozent erhielten auf Nachfrage einen Termin am selben Tag.

Bei jenen, die angaben, trotz der Dringlichkeit im Schnitt acht Tage auf einen Termin gewartet zu haben, stelle sich die Frage, was unter akuten Beschwerden zu verstehen sei, hieß es aus dem BKK-Verband.

Auch Schmeinck räumte aber eklatante Unterschiede bei der Terminvergabe bei nicht akuten Problemen ein. Privatpatienten kommen dann im Schnitt nach zwölf Tagen dran, gesetzlich Versicherte hingegen erst nach 26 Tagen. Auch berichten deutlich mehr GKV- als PKV-Versicherte, dass sie überhaupt keinen Termin bekommen konnten. Unter den Kassenpatienten ist das jedem siebten schon einmal passiert, unter den Privatpatienten nur jedem elften.

Schmeinck zog das Fazit: „Hier besteht, das ist sowohl uns, als auch den Vertretern der Kassenärztlichen Bundesvereinigung klar, noch erheblicher Optimierungsbedarf.“ KBV-Chef Andreas Köhler sagte, man akzeptiere die Situation nicht und versuche, die Organisation in den Praxen zu verbessern. Doch betonte er auch, Service-Unterschiede seien selbstverständlich, weil Privatversicherte einer Arztpraxis mehr Ertrag brächten.

Sind die Patienten erst mal in der Praxis, gibt es bei den Wartezeiten nur noch geringe Unterschiede. Im Durchschnitt warten Kassenpatienten nach eigenen Angaben 29 Minuten, bevor der Arzt sie drannimmt. Bei Privatpatienten sind es sieben Minuten weniger.

Am längsten sitzen muss man bei Chirurgen, nämlich im Durchschnitt 42 Minuten, Orthopäden mit 37 Minuten sowie Internisten und Hals-Nasen-Ohren-Ärzten mit je 35 Minuten.

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