Katholische Kirche entfacht Diskussion
Rau kritisiert Suspension von Priester Hasenhüttl

Die Maßregelung des katholischen Geistlichen schlägt weiter hohe politische Wellen.

dpa TRIER/BERLIN. Bundespräsident Johannes Rau hat die Suspension des katholischen Priesters Gotthold Hasenhüttl (69) wegen einer gemeinsamen Abendmahlsfeier mit Protestanten kritisiert. „Der ökumenische Kirchentag war gerade von den jungen Leuten her ein Zeichen dafür, dass sich Institutionen verändern“, sagte Rau am Freitag in Berlin im Sommerinterview der ZDF-Sendung „Berlin Direkt“. „Um so schrecklicher ist für mich die Maßregelung eines Priesters, die ich als evangelischer Christ nicht verstehen kann, ohne da der katholischen Kirche ins Wort fallen zu wollen.“

Hasenhüttl war am Donnerstag vom katholischen Bischof von Trier, Reinhard Marx, suspendiert worden, nachdem er bei einem Gottesdienst am Rande des ersten Ökumenischen Kirchentags in Berlin Ende Mai auch an Protestanten die Kommunion ausgeteilt hatte. Dies ist nach katholischem Kirchenrecht verboten und nur in Notlagen erlaubt. Reue und eine Verpflichtung, sich künftig an Ordnung und Gehorsam zu halten, lehnte Hasenhüttl erneut ab.

Auch der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch- Lutherischen Kirche Deutschlands (velkd), Johannes Friedrich, kritisierte die Suspension. Er halte den Schritt für „unverhältnismäßig und überzogen“, sagte Bayerns Landesbischof. Stattdessen hätte er positive ökumenische Signale erhofft. Hilfreicher und glaubwürdiger wäre es gewesen, wenn die katholische Kirche gangbare ökumenische Wege als Alternative aufgezeigt hätte. Auf die Dauer reiche es nicht aus, den Menschen immer nur zu sagen, was nicht gehe und was sie nicht dürften.

Bischof Marx lehnte am Freitag die Beschwerde Hasenhüttls gegen seine vorläufige Amtsenthebung ab. Marx habe die Einwände Hasenhüttls geprüft und abgewiesen, teilte die Diözese Trier am Freitag mit. Der Priester sagte nach dieser Entscheidung auf dpa- Anfrage, er werde sich nun an den Vatikan wenden. Während einer Überprüfung in Rom würde die Suspension vorübergehend außer Kraft gesetzt, bestätigte das Bistum.

Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner begründete die vorläufige Amtsenthebung Hasenhüttls mit einem „Verstoß gegen die Grundordnung der Kirche“. Marx habe deshalb keine andere Wahl gehabt, als Hasenhüttl zu suspendieren, sagte Meisner nach einer in Köln veröffentlichten Erklärung. „Mit dem Gottesdienst in der Berliner Gethsemane-Kirche hat Professor Hasenhüttl bewusst und provozierend die kirchliche Ordnung verletzt, den ökumenischen Bemühungen in Deutschland geschadet und das auf dem Weg zur Einheit bereits Erreichte gefährdet“, sagte Meisner.

In seiner Ablehnung der Beschwerde schrieb Marx dem Priester: „Solange Sie in einer illoyalen Einstellung gegenüber der Kirche, dem Papst und dem Bischofsamt verharren und noch öffentlich kundtun, immer wieder so zu handeln, wie Sie es beim Gottesdienst in Berlin am 29. Mai getan haben, wird das Ärgernis nicht behoben werden können.“ Eine Suspension ist nach Informationen der Diözese nichts Endgültiges. Unterschreibt der 69-Jährige eine ihm von Marx vorgelegte „Reue-Erklärung“, wird die Strafe aufgehoben. Vor Wochen war bereits Pfarrer Bernhard Kroll aus Großhabersdorf (Franken) wegen eines ähnlichen Falles beurlaubt worden.

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