Katholische Kirche
Harte Zeiten für Benedikts Betrieb

Schrumpfen, sparen, umbauen: Die katholische Kirche kämpft mit dem Mitgliederschwund. Noch fließen Milliarden aus der Kirchensteuer, doch die wirtschaftliche Perspektive ist nicht rosig.

Für Papst Benedikt XVI. ist sein erster offizieller Staatsbesuch in Deutschland eine religiöse Reise. Doch wenn er durch die deutschen Bistümer fährt, wird er auch die katholische Kirche als Wirtschaftsfaktor wahrnehmen.

Mit rund 650 000 Mitarbeitern ist sie einer der größten Arbeitgeber Deutschlands. Sie betreibt 900 Schulen, 9400 Kindergärten, außerdem Krankenhäuser, Hotels, Banken und Verlage wie beispielsweise den Weltbild-Verlag.
Welche Umsätze sie damit erzielt, lässt sich wegen der zersplitterten Struktur des Unternehmens Kirche nur schwer abschätzen. Sicher ist: Im vergangenen Jahr hat die katholische Kirche in Deutschland 4,794 Milliarden Euro an Kirchensteuern eingenommen. Dazu kommen staatliche Zuschüsse, weil die Kirche ja auch öffentliche Aufgaben übernimmt. Der Kirchenkritiker Carsten Frerk hat die Subventionen für die beiden christlichen Kirchen in Deutschland in seinem "Violettbuch Kirchenfinanzen" auf 19,9 Milliarden Euro geschätzt - eine Summe, die die Kirchen als unseriös zurückweisen.

Die wirtschaftliche Perspektive sieht jedoch alles andere als rosig aus. So mussten die Katholiken im vergangenen Jahr erstmals mehr Austritte (180 000) verzeichnen als Taufen. Das war nicht zuletzt eine Folge der Missbrauchsskandale. Das schlägt auf die Kirchensteuereinnahmen durch. Zwar werden sie nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft in den kommenden zwei Jahren wegen starker Zuwächse bei der Einkommensteuer noch leicht ansteigen. Doch danach wirkt sich die sinkende Mitgliederzahl aus. Je Mitglied und Jahr, so das Institut, fehlen dann im langjährigen Durchschnitt rund 150 Euro.

Entsprechend hart ist jetzt schon der Sparkurs: Einrichtungen werden geschlossen, Stellen abgebaut, Pfarreien zusammengelegt. Das trifft besonders die ländlichen Flächenbistümer. Das Bistum Trier beispielsweise, wo die Kirchensteuereinnahmen 2010 um 14 Prozent eingebrochen sind, hat ein Sparprogramm aufgelegt, das die Kosten bis 2016 um 30 Millionen Euro reduzieren soll.

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
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