Kauder könnte bei Wahlsieg Kanzleramtschef werden
Jung als „General“ der CDU im Gespräch

In Berlin verdichten sich die Hinweise, dass der Chef der hessischen CDU-Landtagsfraktion, Franz Josef Jung, nach einem Wahlsieg neuer Generalsekretär der Bundespartei wird.

sig/sce BERLIN. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unionskreisen würde Amtsinhaber Volker Kauder dann als Chef ins Kanzleramt einziehen. Mit Jung könnte somit ein enger Vertrauter des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch eine zentrale Stelle in der CDU übernehmen, heißt es. Jung führt die hessische Landesliste bei der Bundestagswahl an.

CDU-Parteichefin und Kanzlerkandidatin Angela Merkel hüllt sich derzeit über Personalien in Schweigen. Bekannt ist lediglich, dass Merkel im August ihr Wahlkampfteam vorstellen will. Ein Schattenkabinett wird es nicht geben. Auch CSU-Chef Edmund Stoiber hatte im Bundestagswahlkampf 2002 lediglich ein Kompetenzteam vorgestellt, dem die CDU-Chefin angehörte. Als wahrscheinlich gilt allerdings, dass die Unionspolitiker Wolfgang Schäuble (Außen), Peter Müller (Arbeit), Günther Beckstein (Innen), Annette Schavan (Bildung und Forschung), Ursula von der Leyen (Gesundheit), vielleicht sogar Roland Koch mit dem Thema Finanzen dem Kompetenzteam angehören werden. Letzteres würde dann auch zeigen, dass die Besetzung des Wahlkampfteams nicht zwingend mit einem Posten im Bundeskabinett verbunden sein muss. Koch hat jedenfalls bisher alle Spekulationen über einen Wechsel nach Berlin strikt und eindeutig zurückgewiesen.

Die Personalspekulationen in der Union drehen sich vor allem um die Frage, ob der bayerische Ministerpräsident einem Kabinett unter Merkel angehören wird und wenn ja, welches Ressort er übernehmen könnte. Noch am Montag wich Stoiber bei der Präsentation des Wahlprogramms der Union allen Fragen aus und erklärte erneut, sein Wirken in München sei wegen des Einflusses im Bundesrat einer Tätigkeit im Bundeskabinett gleichrangig. Zu entscheiden sei nach einem Wahlsieg, ob er die Unionspolitik am besten im Bundesrat oder in der Bundesregierung unterstützen könne.

Wie in der Union hinter vorgehaltener Hand verlautete, stellt sich aber immer öfter bei den Parteivorderen die Frage, welches Ressort Stoiber denn übernehmen könnte. Über das Außenministerium scheint die FDP nicht mehr verhandlungsbereit zu sein. Als Finanzminister könnte er das gleiche politische Schicksal erleiden, wie einst Theo Waigel. Der CSU-Politiker bemühte sich in Bonn die Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen, sah sich aber unentwegt dem Beschuss aus München ausgesetzt - und zwar von Stoiber. Ein extra für den Bayern zugeschnittenes Arbeits- und Wirtschaftsministerium sei da noch die wahrscheinlichste Lösung, hört man häufig. Immer öfter aber ist die Variante im Gespräch, Stoiber könne sich wie Franz Josef Strauß unter Helmut Kohl für den "schönsten Posten der Welt" entscheiden und in München bleiben.

Abzuwarten bleibt, ob Merkel einen Experten aus der Wirtschaft in ihr Team holt. Stoiber hatte 2002 den früheren Jenoptik-Chef Lothar Späth präsentiert. Bundeskanzler Gerhard Schröder war 1998 mit dem Unternehmer Jost Stollmann in den Wahlkampf gezogen.

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