Kaufprämie für E-Autos ab Mai
Unionsfraktion probt den Aufstand

Die Bundesregierung und die Auto-Bosse haben eine Kaufprämie von 4000 Euro für Elektroautos vereinbart. Doch Kanzlerin Angela Merkel droht nun heftiger Gegenwind im Bundestag – vor allem die eigenen Leute sind alarmiert.
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BerlinDie Bundesregierung hat sich mit den Spitzen der Autoindustrie auf eine Kaufprämie von 4000 Euro und andere Fördermaßnahmen für Elektro-Autos verständigt. Ziel sei es, auf dem Heimatmarkt zu zeigen, dass man diese Antriebsform beherrsche und „massenmarktfähig“ mache, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Mittwoch in Berlin. Mit den vereinbarten Fördermaßnahmen hoffe man, die Zahl der E-Autos in Deutschland über die Schwelle von 500.000 zu heben.

Dies wäre immer noch weit entfernt von dem ursprünglichen Ziel von einer Million Fahrzeugen bis 2020, aber das Zehnfache des aktuellen Bestandes. Die Bundesregierung erwarte zugleich, dass die Autoindustrie die Herausforderung „offensiv annimmt“. In Deutschland müsse mehr geforscht und die industrielle Fertigung der Batterien nach Deutschland zurückgeholt werden, forderte Gabriel.

Trotz der Einigung ist die Prämie hoch umstritten. Im Bundestag ist vor allem in Angela Merkels Unionsfraktion die Ablehnung einer Kaufprämie groß. Der mächtige Fraktionsvorsitzende Volker Kauder (CDU) redete schon mal Klartext: „Es gibt erhebliche Vorbehalte in unserer Bundestagsfraktion gegen eine Kaufprämie. Darüber werden wir sicher noch zu sprechen haben“. Und er betonte: „Am Ende entscheidet der Deutsche Bundestag – vor allem, wenn es um Haushaltsmittel geht“, drohte er der Kanzlerin mit einer Abstimmungsniederlage.

Die geplanten Kaufprämien für Elektroautos sollen bereits ab dem kommenden Monat gezahlt werden. Der Start sei ab dem Tag des Kabinettsbeschlusses geplant, der im Mai sein solle, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Mittwoch. Die Förderung hat eine befristete Laufzeit bis höchstens 2019, die Mittel würden aber hoffentlich lange vorher aufgebraucht sein. Das Konzept umfasst direkte Kaufzuschüsse von 4000 Euro für reine Elektro- und 3000 Euro für Plug-in-Hybridautos – getragen zur Hälfte von Bund und Industrie – sowie Infrastruktur-Investitionen.

Wenn das Volumen von insgesamt 1,2 Milliarden Euro abgefragt sei, ende die Prämie. „Wer zuerst kommt, bekommt die Förderung“, sagte Schäuble. Er machte deutlich, dass Kunden nur dann eine Prämie erhalten, wenn ihr Hersteller sich an der vereinbarten hälftigen Finanzierung beteiligt. Daimler, VW und BMW sagten dies laut Bundesregierung bereits zu.

Neben Kauder machten allerdings noch weitere Abgeordnete während der Fraktionssitzung ihrem Unmut Luft. „Direkte Kaufprämien sind kein Modell für die Zukunft, das wissen wir spätestens seit der Solarförderung, die vor allem chinesischen Herstellern genutzt hat“, sagte der CDU-Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann dem Handelsblatt. Unionsvize Gitta Connemann hält ebenfalls nichts von der Prämie: „Eine Abwrackprämie für Elektroautos wäre nichts anderes als eine Abwrackprämie 2.0: Ökologischer und ökonomischer Unsinn“.

In der SPD-Fraktion gibt es dagegen bisher eine Mehrheit für die Kaufprämie: „Wir wissen natürlich um die Bedeutung der Automobilindustrie für die Beschäftigung in Deutschland“, hatte SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil vor dem Autogipfel dem Handelsblatt gesagt. Umso wichtiger sei es, dass die Industrie bei den Zukunftsthemen Digitalisierung und neue Anriebe voran komme. „Wir erwarten ein klares Bekenntnis der Industrie, Technologieentwicklung und Produktion der Batterien wieder nach Deutschland zu holen und sich an einer Kaufprämie zu beteiligen.“

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  • @ Herr Schorr
    Danke zunächst, dass Sie zwischen Elektro- und Akku-Antrieb unterscheiden! Ich dachte schon, ich wäre der Einzige hier, der diesen Unterschied überhaupt kennt.

    Sie wollen die Autos also wie einen Transrapid antreiben? Und das zudem auch noch als Hybrid? Physikalisch wäre das durchaus möglich.

    Denken wir mal nach: Der Transrapid konnte nicht gebaut worden wegen ...ähhh... Kosten. Was also bei einer geraden Strecke zu teuer war, soll jetzt auf dem gesamten Straßennetz in D bezahlbar sein. An welche Kaufprämie haben Sie denn so gedacht?

  • Bei den meisten ist es ein Bauchgefühl: Auch eine Kaufprämie wird nicht wirklich den Durchbruch der Elektromobilität schaffen. GRUND: Elektromobilität und Batterietechnologie sind zwei paar Stiefel. Elektromobilität ist wirtschaftlich, praktisch und erfolgreich, wenn sie die Vorgaben der Physik berücksichtigt.
    So wie es uns die Bahnen vorleben:
    1. Stromerzeugung und Verbrauch erfolgen gleichzeitig.
    2. Transport und Zulieferung des Stroms erfolgt extern genau zu dem Punkt an dem sich das Elektrofahrzeug gerade befindet.
    3. Dort wird aus Strom sofort nach Übergang ins Fahrzeug Radantrieb, Klimatisierung und Beleuchtung.
    AUF DIE STRAßENELEKTROMOBILITÄT ÜBERTRAGEN BEDEUTET DIES:
    a. die Stromzufuhr erfolgt wegen der sehr unterschiedlichen Höhen der Fahrzeuge nicht von oben, sondern von unten aus der Fahrbahn heraus.
    b. auch nicht per mechanischen Kontakt, (Stromabnehmer + Fahrdraht) sondern über einen Luftspalt. Dies ist möglich per Induktion. (Ähnlich dem Transrapid).

    Als Übergangstechnoloige und für Straßen in denen sich wegen zu wenig Verkehr ein "Power Net" nicht rechnet, wird die Versorgung aus dem Netz ergänzt durch Stromvorrat an Bord:
    a. 150 kWh und damit Reichweite von ca. 400 km macht möglich: 35 Liter Sprit, Motor und Generator, Systemgewicht 250 kg, (siehe Ampera), oder
    b. 8 kWh und damit Reichweite von ca. 50 km, durch Li-Ionenakku, Gewicht 200 kg, (siehe Ampera)

  • Jeder, der einen Diesel fährt, sollte sich bei diesem Thema besser schön zurückhalten, oder anders ausgedrückt: die Schnauze halten!
    Nichts ist in den letzten Jahrzehnten im Automobilbau so sehr staatlich subventioniert worden wie eben diese mobilen Russfabriken, die nach Rudolf Diesel benannt sind. Jedenfalls in Deutschland. In den Ländern, in denen man das dem Markt überlassen hat, spielen sie (logischerweise) keine Rolle.
    Den völlig praxisuntauglichen Akku-Antrieb macht das allerdings auch nicht besser. Deshalb mein Rat: Sportwagen fahren! Auswahl gibt es genug.

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