Kaufprämie für E-Autos Kanzlerin trifft Chefs von VW, Daimler und BMW

Die Industrie drängt auf ein „stimmiges Gesamtpaket“, doch in der Regierungskoalition bleibt eine Kaufprämie für Elektro-Autos weiter umstritten. Vor allem Finanzminister Wolfgang Schäuble ist gegen die Pläne.
Kommt sie oder kommt sie nicht, die Kaufprämie für E-Autos? Quelle: dpa
Elektroauto

Kommt sie oder kommt sie nicht, die Kaufprämie für E-Autos?

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BerlinDie Bundesregierung tut sich weiter schwer mit der Entscheidung über eine Kaufprämie für Elektro-Autos. Regierungssprecher Steffen Seibert dämpfte am Montag Erwartungen, nach denen schon beim Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Chefs von Volkswagen, Daimler und BMW am Dienstag Klarheit darüber geschaffen werden könnte.

„Das ist kein Abend, an dem konkrete Beschlüsse gefasst werden“, so Seibert. VW-Boss Matthias Müller drängte auf ein „stimmiges Gesamtpaket“ von Politik und Autoindustrie, um Elektroautos in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen. Staatliche Subventionen, zu denen eine Kaufprämie zählen würde, erwähnte er bei einer Konferenz in Hamburg allerdings nicht.

In der schwarz-roten Regierungskoalition in Berlin ist das Thema weiterhin umstritten. Ein solcher Anreiz könnte den Befürwortern zufolge dafür sorgen, dass das Ziel von einer Million Elektro-Fahrzeugen auf deutschen Straßen bis 2020 doch noch erreicht wird. Derzeit sind es erst knapp 50.000.

Die Verbindungen zwischen Politik und Autoindustrie sind in Deutschland traditionell besonders eng, hängen doch viele Arbeitsplätze vom Erfolg der Konzerne ab. In der Weltwirtschaftskrise 2009 hatte die Bundesregierung eine Abwrackprämie in Höhe von 2500 Euro gewährt, wenn ein altes durch ein neues Fahrzeug ersetzt wurde.

Populäre Elektroautos sind leider teuer
Renault Twizy, bis 18 PS, bis 100 km Reichweite
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Genau genommen ist der Renault Twizy kein Elektroauto, in der Zulassungsstatistik läuft er als Quad. Dennoch kann er als preisgünstiger Einstieg in die Elektro-Welt herhalten. Dabei zeigt sich der kleine Elektroflitzer erstaunlich wertstabil: Neu ist er ab 7.000 Euro zu haben, die Gebraucht-Preise liegen in einem Ranking des Vergleichportals AutoUncle.de bei 6.850 Euro. Dafür gibt es einen Twizy des Jahrgangs 2012, der im Schnitt bereits 9.500 Kilometer gefahren ist. Für das Ranking haben die Gebrauchtwagen-Experten die Internet-Inserate von 1.589 in Deutschland zum Verkauf angeboteten Elektroautos untersucht. Einzige Voraussetzung neben dem Elektro-Antrieb: Von jedem Modell mussten mindestens 20 Inserate vorliegen, um Exoten auszuschließen.

Mitsubishi EV, Peugeot iOn und Citroën C-Zero
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Eine weitere Erkenntnis der AutoUncle-Studie: Elektroautos sind am häufigsten weiß lackiert – über die Hälfte der aktuell zum Verkauf stehenden Elektroautos sind in neutralem Weiß gehalten. Wie auch dieser Citroën C-Zero mit 67 PS und maximal 150 km Reichweite. Das Trio Mitsubishi EV, Peugeot iOn und Citroën C-Zero läuft baugleich in Japan vom Band. Als Gebrauchtwagen unterscheiden Sie sich aber deutlich: Von 11.995 Euro für den C-Zero (7.226 Kilometer) über 13.945 Euro für den iOn mit 14.722 Kilometern bis zum Mitsubishi für glatte 16.000 Euro (17.578 Kilometer) ist die Bandbreite groß. Wer nicht an eine Marke gebunden ist, kann hier einige tausend Euro sparen.

Renault Fluence, 95 PS, 185 km Reichweite
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Trotz der Limousinen-Form taugt der Fluence kaum als Familienauto, der Kofferraum ist zum Großteil mit Akkus gefüllt. Deshalb hat sich der Fluence auch nie so recht durchgesetzt – entsprechend sehen die Gebrauchtwagenpreise aus. Statt des Neupreises von 25.950 Euro wird ein Fluence des Jahrgangs 2012 mit 9.850 Kilometern für gerade einmal 14.980 Euro gehandelt. Übrigens: Nur sechs Prozent der Elektroauto-Angebote kommen von Privatverkäufer, der Großteil von Händlern.

Renault Kangoo ZE
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Für einen neuen Kangoo ZE verlangt Renault 22.660 Euro zuzüglich der monatlichen Kosten für die Batterie. Gebraucht gibt es den Elektro-Lieferwagen mit 44 kW Leistung bereits ab 17.895 Euro. Für diesen Preis hat der Kastenwagen aus dem Jahr 2012 im Schnitt 6.550 Kilometer auf der Uhr. Er kommt maximal 170 km weit mit einer Batterieladung.

Smart Fortwo ED mit 75 PS und 145 km max. Reichweite
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Neu kostet ein Smart Fortwo electric drive 18.910 Euro – mindestens, denn die Aufpreisliste ist lang. Gebraucht kostet ein Elektro-Smart des Jahrgangs 2014 nicht viel weniger: AutoUncle listet den kleinen Zweisitzer mit 17.990 Euro bei 4.565 Kilometern Laufleistung. Da der Wagen fast neuwertig ist, liegen auch die Preise noch fast auf Neuwagen-Niveau. Die Gebrauchten dürften aber etwas besser ausgestattet sein als ein "nackter" Neuwagen.

Renault Zoë mit 120 PS und 210 km theoret. Reichweite
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Beim Renault Zoë ist zu beachten: Er kann nur per Adapter an einer Haushaltssteckdose geladen werden, eine (teure) Wallbox ist eigentlich Pflicht. Hat man aber eine Ladesäule gefunden, gehört der Zoë zu den Schnellladern. Verglichen mit anderen Elektroautos ist sein Wertverlust relativ groß: Statt zum Neupreis von 21.700 Euro werden gebrauchte 2014er-Modelle mit 5.900 Kilometern für 19.028 Euro gehandelt. Aber Vorsicht: Beim Zoë fallen monatliche Zusatzkosten für die Batterie an.

VW E-Up mit 82 PS und 160 km max. Reichweite
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Größer als beim Renault Zoë ist die Differenz zwischen Neuwagen- und Angebotspreis beim VW E-Up. Mit durchschnittlich 4.696 Euro haben die angebotenen e-Ups eine ähnliche Laufleistung wie der Smart, sind aber aus dem Jahr 2013. Mit 21.950 Euro im Internet unterbietet der Elektro-VW den Neuwagenpreis von 26.900 Euro deutlich.

Damals sei es, so das Bundesfinanzministerium am Montag, darum gegangen, die Konjunktur mit staatlichen Hilfen wieder in Schwung zu bringen. Das sei mit der heutigen Lage nicht vergleichbar.

Finanzminister Wolfgang Schäuble und Verkehrsminister Alexander Dobrindt gehören zu den prominentesten Gegnern einer Kaufprämie. Aus Schäubles Sicht ist es nicht die Aufgabe des Staates, den Autobauern beim Absatz ihrer Produkte zu helfen. Merkel hat sich noch nicht festgelegt.

In ihrer CDU gibt es unterschiedliche Meinungen. Generalsekretär Peter Tauber sagte, es könnte angebracht sein, über einen Zusatzbeitrag der Politik zur Förderung der umweltfreundlichen Elektromobilität nachzudenken. „Aber die Frage, ob sie das durch Prämien oder andere Unterstützung leisten kann, ist für die Union noch nicht abschließend beantwortet.“ Für den Vize-Fraktionschef der Union, Ralph Brinkhaus, wäre es dagegen ein „ordnungspolitischer Sündenfall.“

Die SPD mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und die von CSU-Chef Horst Seehofer geführte bayerische Landesregierung plädieren dagegen für eine Kaufprämie. Beide Parteien wollen allerdings, dass die Branche sich an den Kaufanreizen beteiligt, direkt oder indirekt.

In Norwegen haben staatliche Förderungen dafür gesorgt, dass der E-Auto-Anteil bereits deutlich höher liegt. Zu den auch dort umstrittenen Maßnahmen gehören Steuervergünstigungen, der Erlass von Maut- und Parkgebühren, kostenlose Aufladestationen sowie die Nutzung von Busspuren.

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