Kaum Engagement
Elite-Unis warten auf große Spender

Das Interesse der Unternehmen an den neuen Elite-Unis ist groß, vor allem an den Absolventen. Doch nur wenige Firmen engagieren sich auch finanziell – und das auch nur bei technischen Hochschulen. Von rosigen Sponsoren-Zeiten à la USA „sind wir noch weit entfernt“, sagt der Rektor der Elite-Uni Karlsruhe, Horst Hippler.

BERLIN. Im Oktober 2006 wurden die TU München (TUM) , die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und die Uni Karlsruhe (TH) im Rahmen eines Exzellenzwettbewerbs zu Spitzen-Unis gekürt. Sie erhalten nun fünf Jahre lang bis zu 40 Mill. Euro jährlich zusätzlich von Bund und Ländern. Die Förderung soll die Hochschulen mittelfristig in die Lage versetzen, in der internationalen Spitzenliga mitzuspielen. Im Herbst läuft die zweite Runde des Wettbewerbs, in der erneut acht Universitäten um den Titel „Elite-Uni“ ringen.

Die deutsche Wirtschaft steckt, anders als die US-amerikanische, traditionell wenig Geld in staatliche Unis. Unmittelbar nach der Kür der ersten drei Elite-Unis keimten jedoch große Hoffnungen: Der Telekommunikationskonzern Vodafone bot den Gewinnern an, für einen zweistelligen Millionenbetrag Ausrüstung zur Verfügung zu stellen. Womöglich kommen auch die Elite-Unis der zweiten Runde in den Genuss der unentgeltlichen Telekom-Ausrüstung – Vodafone sei noch unentschlossen, so eine Sprecherin.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) gab sich damals „überzeugt, dass andere Unternehmen dem Beispiel folgen werden“. Schließlich wollten Bund und Länder mit der Exzellenzinitiative „auch die Voraussetzung schaffen, private Förderung von Spitzenforschung in Deutschland anzuspornen“. Doch bisher ist Vodafone der einzige Partner, der alle drei Elite-Unis unterstützt.

Der TU München ist es jedoch gelungen, darüber hinaus weitere Förderer ins Boot zu holen. Das Engagement der Wirtschaft „hat sich ruckartig nach vorne bewegt“, berichtet TU-Präsident Wolfgang Herrmann. So finanziert BMW mit zehn Mill. Euro das neue Forschungszentrum, das den Kern der Elite-Uni TUM bildet – „und das ohne Auflagen“. Die Wacker Chemie AG stiftet ein Institut für sechs Mill. Euro. Dazu kommen diverse neue Stiftungslehrstühle, die im Schnitt etwa 2,5 Mill. Euro wert sind.

Sogar Bill Gates werde sich womöglich an der bayrischen Elite-TU engagieren, sagt Herrmann, die Gespräche laufen. Dennoch: „Das Elite-Siegel hat zwar viel Bewegung gebracht – aber der große Sprung bei den Stiftungen fehlt noch“, so der TU-Präsident.

Das findet auch sein Kollege Hippler von der Uni Karlsruhe. Zwar sei das Interesse der Unternehmen deutlich größer geworden. So konnte auch er diverse neue Stiftungslehrstühle verbuchen, darunter vom Automobilzulieferer Harman-Becker, von EnBW und Daimler-Chrysler. Mit SAP sind gemeinsame Forschungsgruppen geplant. „Da könnte aber noch viel mehr hinterherkommen“, hofft Hippler: „Unternehmen wollen eine Gegenleistung für ihren Obulus“, vor allem geldwerte Forschung. „Spenden sammeln ist aber noch sehr schwierig.“

Auch die Vodafone-Aktion traf bei den Unis anfangs nicht auf ungeteilte Begeisterung. Dass das Unternehmen die Partnerschaft „als Marketingargument“ ohne vorherige Absprache mit den Hochschulen verkündete, „fanden wir nicht so gut“.

Im Gegensatz zu den technischen Unis mit ihrer traditionell engen Bindung zur Wirtschaft hat sich das Elite-Siegel für LMU-Präsident Bernd Huber bisher, abgesehen von Vodafone, so gut wie gar nicht ausgezahlt. Der Chef der mit 47 000 Studenten größten Elite-Uni warnt daher vor überzogenen Erwartungen: „Wir stehen hier in Deutschland noch ganz am Anfang.“

Seite 1:

Elite-Unis warten auf große Spender

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%