Kehrseite des Konjunkturbooms

Arbeitskraft wird zum Mangelfaktor

Zeitenwende am Arbeitsmarkt: Die Zahl der Arbeitslosen sinkt unter drei Millionen. Nach Jahrzehnten ausufernder Arbeitslosigkeit wird die Arbeit knapp. Die Kehrseite des deutschen Jobwunders: Die Unternehmen haben zunehmend Probleme, offene Stellen zu besetzen. Es droht ein Fachkräftemangel.
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Ökonom Gustav Horn: Reserven des Arbeitsmarktes mobilisieren Quelle: dpa

Ökonom Gustav Horn: Reserven des Arbeitsmarktes mobilisieren

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BERLIN/NÜRNBERG. Nachdem Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) schon gestern mit der frohen Botschaft vor die Presse getreten war, folgte ihr heute der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, in Nürnberg. Er wiederholte die positiven Zahlen: Im Oktober waren im Schnitt 2,945 Millionen Menschen erwerbslos, die Zahl der Arbeitslosen sank erstmals seit gut zwei Jahren wieder unter die Drei-Millionen-Marke. Zugleich erreichte sie nach BA-Angaben den niedrigsten Oktoberstand seit 1992. Gegenüber dem Vormonat nahm sie um 86 000 ab. Auf Jahressicht waren laut BA 283 000 Menschen weniger arbeitslos und die Arbeitslosenquote ging gegenüber September um 0,2 Punkte auf 7,0 Prozent zurück. Weise sagte: "Die Arbeitslosigkeit sinkt, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und Erwerbstätigkeit wachsen weiter kräftig, und die Nachfrage nach Arbeitskräften ist hoch."

Damit deutete er aber auch einen wunden Punkt an. Denn das deutsche Jobwunder hat eine Kehrseite: Die Unternehmen haben zunehmend Probleme, offene Stellen zu besetzen. Das Problem des Fachkräftemangels wird sich dramatisch verschärfen, warnen Verbände und Ökonomen. Die Folge: Die Löhne werden steigen, die Unternehmensgewinne sinken.

„Die Arbeitslosenquote könnte in diesem Aufschwung auf fünf Prozent sinken“, sagt Carsten-Patrick Meier, Chef von Kiel Economics. Gustav Horn, Chef des gewerkschaftsnahen Wirtschaftsforschungsinstituts IMK, hält ein Ende der „Ära von der Umverteilung von Arbeit zum Kapital“ für möglich. Wenn die deutsche Wirtschaft dauerhaft mit etwa 1,5 bis zwei Prozent pro Jahr wachsen sollte, müssten die Reserven des Arbeitsmarkts mobilisiert werden.

Wo gestern die Bänder stillstanden und nur Kurzarbeit Massenentlassungen verhinderte, werden heute Sonderschichten gefahren. Die deutsche Wirtschaft hat sich nach dem Einbruch im Jahr 2009 im Rekordtempo erholt. Für 2010 prognostiziert die Bundesregierung ein Wachstum von 3,4 Prozent. Schon in diesem Jahr verdienen viele deutsche Unternehmen mehr als auf dem Höhepunkt des Booms vor zwei Jahren. Mindestens neun der 30 Dax-Konzerne dürften Rekordgewinne einfahren.

Das weckt Begehrlichkeiten. Beispiel Daimler. „Die für nächstes Jahr vereinbarte Erhöhung der Grundentgelte um 2,7 Prozent muss nach unserem Willen nicht erst am 1. April 2011, sondern schon am 1. Februar 2011 erfolgen“, fordert Konzernbetriebsratschef Erich Klemm. Der Autozulieferkonzern Bosch hatte bereits angekündigt, die Lohnerhöhung für seine rund 85 000 Tarif-Mitarbeiter vorzuziehen.

Der Sportwagenhersteller Porsche hatte für das Ende Juli zu Ende gegangene Geschäftsjahr die Belegschaft bereits finanziell belohnt. Die knapp 10 0000 Mitarbeiter erhielten eine Sonderzahlung von 2100 Euro.

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20 Kommentare zu "Kehrseite des Konjunkturbooms: Arbeitskraft wird zum Mangelfaktor"

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  • jammerts doch einem immer die hucke voll. ich gründe ab jetzt die 1. Große Leiharbeitergewerkschaft. Mal schauen, ob ich genug Mitgliedsbeiträge zusammenbekomme, um mich im Geld wälzen zu können;-) *grunz* Wer auf die Gewrkschaften wartet, hat doch schon verloren und die klugen Leute wandern zurecht ab, denn die wissen nur allzu gut, was hier in Deutschland in ein paar Jahren los sein wird. Also: laufts auch so schnell wie möglich hier raus. Der Radikalismus wird schnell und hart um sich greifen.

  • Der Fachkräftemangel ist in erster Linie mal die Schuld der Unternehmen selbst und einer völlig verkorksten bildungpolitik! Die Unternehmen haben lieber Leute entlassen oder garnicht erst ausgebildet, um so Kosten zu senken und ihre Aktionäre glücklich zu machen. Die Produktionsfaktoren (Arbeit, boden, Kapital) wurden zugunsten des Kapitals verschoben. Arbeit wurde reduziert, boden wurde gekauft und Kapital wurde aufgebaut... Die bildungspolitik hat auch eine Mitschuld, denn wie kann es sein, dass Leute die Schulen verlassen (also auch versetzt wurden!), die weder richtig lesen noch schreiben können. Von Rechnen will ich garnicht reden. Da gibt es doch Parallelen zu den Energiekonzernen, die jahrelang nicht in die infrastruktur investiert haben und nun sitzen wir auf Leistungssystemen, die dem heutigen Durchfluss nicht mehr gewachsen sind.
    Klar, die demographische Entwicklung tut das übrige, aber das wissen wir ja nicht erst seit heute, oder? Aber frei nach der Devise "irgendwer wirds schon richten..." passierte nichts! Die "Greencard" war ein schlechter Witz, denn wieso sollte jemand nach Deutschland kommen, wenn es ihm woanders wesentlich besser gehen könnte?

  • Zur information:

    Alleinerziehende erhalten sehr selten die Chance auf einen Arbeitsplatz, selbst wenn sie Qualifziert und hochmotiviert sind.

    der Grund lautet vom "potenzellen Arbeitgebern" wenn das Kind krank ist, fehlt sie natürlich am Arbeitsplatz.

    Es wird auch nicht nach Lösungen gesucht (vom Arbeitgeber, sondern nur Forderungen erhoben)

    ich finde es schade!!!

    Es ist keine Lösung die Menschen in Hartz 4, Weitbildungskurse oder Sozialhilfe zu "parken" sondern umdenken.

    auch "Kapitalisten" haben Firmenkindergärten, Krankenhäuser oder billigen Wohnraum geschaffen und es waren keine "Menschenfreunde" sondern Menschen mit Weiblick. ( z. b. Carl Zeiss, Adam Smith, jeder auf seiner Art)

  • Dieses Land und die EU in ihrer Gesamtheit stecken in einer Krise die sich gewaschen hat.
    Es ist eine Krise des Systems Kapitalismus der Neuzeit, der mit Kapitalismus und Markt nichts mehr zu tun hat. Der Slogan lautet "An der Quelle saß der Knabe". Die, die im System drin sind werden dick und fett und leben getreu dem Motto "was stört mich fremdes Elend".
    Das Ganze ist so gewollt.
    Die, die Gesellschaft lenken und steuern bzw. verwalten sitzen mit ihrem fetten Ar... im Sessel und erzählen dem Niedriglohner jeden Tag Märchen in der Hoffnung, dass geht noch lange so weiter.
    Die die draußen sind, leiden noch nicht genug. Deshalb kann das noch Jahre so weiter laufen.
    Man nehme nur den Ackermann´schen Satz der Decklung von Gehältern bei 500.000 - "da laufen ihm die Leute weg".
    Da kann ich nur sagen - laß sie laufen.
    Reisende sollte man nicht aufhalten.
    Deine bank ist eh nur noch eine Zockerbude.
    Hier läuft ein Ding auf die Gesellschaft zu, dass ahnen nur die Wenigsten in ihren schlechtesten Träumen. Da kann man nur noch beten, wenn sich das alles endlädt. Das System ist gescheitert und liegt schon längst unheilbar auf der intensivstation.
    Oder glaubt noch einer, die Staatsverschuldung fällt uns nicht auf die Füße ?
    Die offene Frage lautete nur - WANN !
    immer Moment werden die Leute mit positiven Meldungen bei Laune gehalten.
    ich denke das Thema Finazen sieht schlimmer aus, wie wir es ahnen. der Exportboom wird doch durch uns alle bezahlt. Die Abnehmer der deutschen waren sind doch bis auf wenige Ausnahmen mausetot (USA;Gb usw.)
    Wir produzieren und verschenken.
    100 bis 200 Mrd Exportüberschuß p.a sind ungedeckte Forderungen.

  • Eben [13], daran haben die Gewerkschaften kein interesse. Weil sie schützen ihr eigenes klientel von Stammbelegschaften und nicht das der Leiharbeiter auf deren Kosten sie profitieren und die sie selber aus den Unternehmen ständig mit Mobbingattacken vertreiben, z.b. durch ihre hochbezahlten Sekretärinnen.
    Fallbeispiel Zetsche: Sekretärin Schrempp erhält 600 000 Euro Abfindung. Die Leiharbeiter leiden unter diesen Sekretärinnen welche blumen erhalten.
    S. dazu auch artikel Untertürkheim Stuttgarter Zeitung. Sorry ich hatte das hier bereits alles vor Jahren schon bis ins Detail hineingeschrieben diese beiträge wurden jedoch gelöscht und zensiert.

  • ich sehe in allen Kommentaren zu diesem Thema einen gewissen Gleichklang. Dann frage ich mich aber wieso gehen die Menshen für oder gegen Stuttgart21, gegen Castorentransporte und für Abschaltung der AKW´s auf die Straßen und nicht für menschenwürdige bezahlung und Mindestlöhne. Dafür kommt kein Hund hinter seinem Ofen vor. Woran liegt denn das. Fehlt da ein Netzwerk für den Aufruf zum Generalstreik. Oder warten alle auf ein Zeichn der Gewerkschaften?
    Wenn man die Gewerkschaftsbosse so hört, wird da wohl die nächste Zeit sich gar nichts tun. Die leben doch gut von den beiträgen ihrer Mitglieder. Genau wie die Oberschicht in den Parteien jeder couleur.

  • „Die Unternehmen haben zunehmend Probleme, offene Stellen zu besetzen“. Das ist nur die halbe Wahrheit. Richtig wäre, die Unternehmen haben zunehmend Probleme, offene Stellen mit qualifizierten Arbeitern zu besetzen, die mit Niedrigstlöhnen abgespeist werden können.

    Jedes Jahr wandern Hunderttausende hoch qualifizierter Facharbeiter, Techniker und ingenieure ins Ausland ab, weil sie dort entsprechend ihrer Leistung bezahlt werden. Da liegt doch das Problem.

    Und Dumpinglöhne sind doch erforderlich, damit unsere Unternehmen mehr exportieren können. Die Löhne in der bundesrepublik haben sich seit 1995 nicht mehr verändert, in anderen europäischen Ländern hatten wir in dieser Zeit Lohnerhöhungen von teilweise 50% und mehr.

  • Nehmen wir doch einfach mal den aktuellen Arbeitsmarktbericht zur Hand -->
    http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Monatsbericht-Arbeits-Ausbildungsmarkt-Deutschland/Monatsberichte/Generische-Publikationen/Monatsbericht-201010.pdf
    Seite:51
    ALGi-Empfänger: 825.870
    ALGii-Empfänger: 4.766.592
    Sozialgeld-Empfänger: 1.783.484
    Teilnehmer an Maßnahmen ausgewählter Arbeitsmarktpolitik: 1.481.600
    Seite:56 - bestand an Kurzarbeitern, neueste öffentliche Angabe von April : 631.314
    Zahl der an private Arbeitsvermittler ausgelagerte und damit in der Statistik nicht erfasste Arbeitlose: unbekannt

  • Hier wird wieder einer sowieso gutverdienenden und wohlstandsverwöhnten Stammbelegschaft vorgegauckelt es gehe aufwärts, während in der gleichen industrie die Leiharbeiter verheizt werden. Es gibt knapp eine million davon. Doch unsere Stammbelegschaftseliten wissen angeblich nichts davon.

    in Unternehmen sind Leiharbeiter der letzte Dreck. Sie werden ausgebeutet und anschließend mit zahlreichen mobbingattacken in die Arbeitslosigkeit getrieben. Dafür erhalten die Mobbingtrweiber dann Prämien und werden belohnt. So wird die Elite motiviert, weil sie ja angeblich so leistungsfähig und viel intelligenter ist. Gewalt und skrupellose Ausbeutung wird belohnt in Deutschland. Die Eliten schmücken sich dann damit, wie toll sie sind.

  • Diese veröffentlichten stat. Arbeitslosenzahlen sind jedes mal eine Lachnummer und ein Verarschen der Öffentlichkeit! in Wirklichkeit werden es 10 Millionen sein, aber die wahren Zahlen trauen sich die Politiker nicht zu veröffentlichen!
    Je trickreicher diese Zahlen gerechnet werden, umso größer ihr scheinbarer Erfolg für beschäftigung!!
    Oder sind 1 € Jobber, Harz4 Empfänger usw. etwa keine Arbeitslosen und die vielen arbeitslosen beamten die auch in keiner Statistik auftauchen, weil eine beamter nicht arbeitslos werden kann selbst dann nicht, wenn er jahrelang absolut nichts zu tun hat, wie die Zigtausenden bei der Telekom und in allen Ämtern, die bei vollem Gehalt durchgeschleppt werden müssen, weil unkündbar! Oder der vom "Westen" finanzierte aufgeblähte behördenapparat mit unsinnigen Stellen für beamte und Angestellte im "Osten"!
    tt

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