Kein Dialog
IG Metall lehnt Bonus-Vertrag als „Unsinn“ ab

In der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie ist sechs Wochen nach Beginn der Verhandlungen kein Ansatz für einen Dialog zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern erkennbar. Einen Vorstoß des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall für eine tarifvertragliche Bonusregelung zu Gunsten von mehr Beschäftigung lehnt die IG Metall rundweg ab.

FRANKFURT/M. „Das ist nicht nur kontraproduktiv, es ist schlichter Unsinn“, sagte ihr Vorsitzender Jürgen Peters in Frankfurt. Zugleich erneuerte er seinen Vorwurf, die Arbeitgeber verschleppten die Tarifverhandlungen.

Am Vortag hatte Gesamtmetall-Vize Otmar Zwiebelhofer erstmals Details eines Bonustarifvertrags skizziert, wie ihn sich die Arbeitgeber vorstellen. Danach würden Betriebe, die mehr Personal einstellen, durch fest definierte Arbeitszeitverlängerungen „belohnt“: Für jedes Prozent Personalaufbau soll die Wochenarbeitszeit der Gesamtbelegschaft bei konstantem Lohn um zehn Minuten steigen, so die Gesamtmetall-Idee. Damit lasse sich zeigen, dass längere Arbeitszeiten nicht zum Abbau, sondern zum Aufbau von Stellen führten.

Die IG Metall, die vor allem fünf Prozent mehr Lohn erreichen will, sieht darin nicht einmal eine Gesprächsbasis. Zum einen würde so ausgerechnet für jene Firmen die 35- Stunden-Woche in Frage gestellt, die wegen guter Auftragslage ohnehin mehr Personal benötigten – und das zu Lasten der übrigen Unternehmen, argumentierte Peters. Zum anderen erlaube das Pforzheimer Tarifabkommen von 2004 schon maßgeschneiderte Lösungen. Danach können Betriebe vom Flächentarif abweichen, sofern dies Investitionen sichert oder Stellen schafft. Bedingung ist aber jeweils eine betriebsbezogene Vereinbarung mit Zustimmung der Tarifparteien. Dagegen läuft der neue Arbeitgebervorschlag auf einen Automatismus hinaus, den die Firmen ohne weitere Verabredung mit Gewerkschaft oder Betriebsrat anwenden könnten.

Peters warnte die Arbeitgeber davor, auch die bevorstehenden dritten Verhandlungsrunden in den Tarifbezirken ohne Lohnangebot verstreichen zu lassen. „Dann wird bei unseren Mitgliedern die Nervosität wachsen“, sagte er mit Blick auf das näher rückende Ende der Friedenspflicht. Nach den Regeln der Branche dürfen die Metaller ab 29. März streiken. dc

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