
Halifax/KanadaDieser Karl-Theodor zu Guttenberg kennt mit Europa keine Gnade: Nicht mit dem europäischen Krisenmanagement rund um den Euro, nicht mit dem Sicherheitskonzept der Europäer, nicht mit den Führungsqualitäten der europäischen Regierungschefs. Bei seinem Comeback auf die öffentliche Bühne verteilt der ehemalige Verteidigungsminister seine Kritik in aller Großzügigkeit. Und er macht es fernab der Europas: Nördlich des 43. Breitengrads in Halifax, Neuschottland, Kanada.
Guttenberg, der seit ein paar Monaten im Bundesstaat Connecticut, nordöstlich New Yorks lebt, hat sich das Sicherheitsforum von Halifax ausgesucht, um wieder bei seinen Lieblingsthemen mitzureden. Die heißen Verteidigung und Wirtschaft. Und auf beiden Gebieten gibt es derzeit reichlich Ansatzpunkte um zu schelten und dafür mit Applaus bedacht zu werden. Die Gesprächsrunde, in der Guttenberg als Experte auftritt, beginnt mit Untergangsszenarien. Ein Einspielfilmchen zeigt die „Occupy Wall Street“-Bewegung und wie sich der Zorn in bürgerkriegsähnlichen Protesten entlädt. Die Moderatorin spricht vom Ende des amerikanischen Empires, vom verlorenen Jahrzehnt und vom Aus für den Westen. Zwar sind all diese Einlassungen in Fragen gekleidet, doch was bleibt ist: Alarmierender kann die Weltlage kaum sein.
Guttenberg sitzt derweil ganz links auf dem Panel, in schwarzem Anzug, mit hellblauer Krawatte und auch einer neuen Frisur, die ihn jünger macht - und hört zu. Der Mann, dessen politischer Aufstieg Anfang des Jahres von einer abgeschriebenen Doktorarbeit gestoppt wurde, hat da seine Botschaften gedanklich schon klar vorformuliert. Als er an die Reihe kommt, feuert er sie ab: Schlimm steht es um die Eurozone, sagt Guttenberg, aber es kann noch schlimmer kommen. Warum? „Die Deutschen haben keine Ahnung davon, wie der Euro, wie Europäische Union funktioniert“, sagt der 39-Jährige. Zu tun habe das mit der Unfähigkeit der politischen Führung in Deutschland, den Menschen zu erklären, was derzeit auf dem Spiel steht. „Es gibt keinerlei intellektuellen Ansatz darüber, wie die Europäische Union in der Zukunft aussehen soll“, klagt der CSU-Politiker. „Wir stolpern konzeptionslos von einer Krise zur nächsten“. Als Guttenberg das sagt, nickt der Brite auf dem Podium. Selten hat man von einem Deutschen eine derartige Fundamentalkritik zu hören bekommen.
The Plagiator is back - "Hasta la vista, baby"... Wohl kaum...
Das es sich beim Fall "Guttenberg" nicht "nur" um die Fälschung des höchsten akademischen Titels, den Deutschland zu vergeben hat, handelt ist eine Seite.
Aber das sein erneutes Auftauchen mit der gleichen Ignoranz und Arroganz wie sein Abtauchen (inszeniert) daherkommt, lässt wohl nur den Schluss zu: Dieser Herr hat nichts dazu gelernt, ja er ist 100% lernresistent... Er ist nicht nur vorerst gescheitert !
Es ist seltsam, im Kabinett Merkel ist er mir nicht durch derart (nicht ganze falsche) Fundamentalkritik aufgefallen. Bleibt zu hoffen, dass diese Äußerungen die typischen späten Einsichten eines Politikers a.D. sind. Aber da er außer Politiker nichts Vernünftiges gelernt hat, ist das wohl Wunschdenken.
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