Keine Bedenken bei der Geldannahme
Wienand gibt Erhalt von Geldern im Kölner Korruptions-Prozess zu

Der frühere SPD-Bundespolitiker Karl Wienand hat eingeräumt, im Zuge der Kölner Affäre um Korruption beim Bau einer Müllverbrennungsanlage knapp drei Millionen Mark erhalten zu haben.

HB KÖLN. Wienands Anwalt Rudolf Karras erklärte am Freitag vor dem Kölner Landgericht, sein Mandant habe bis zu 2,7 Millionen Mark im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe für den Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage Anfang der Neunziger Jahre erhalten. Der frühere Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion hatte seinem Anwalt zufolge keine Bedenken, das Geld anzunehmen. Es habe sich schließlich um eine zuvor vereinbarte Provision gehandelt, die sein damals als Unternehmensberater tätiger Mandant für die Vermittlung des Auftrages ausgehandelt hätte.

Die Staatsanwaltschaft sieht Wienand als zentrale Figur in der Korruptions-Affäre. Sie wirft dem 77-Jährigen Beihilfe zur Bestechung und Untreue im besonders schweren Fall vor. Von den insgesamt rund 21,6 Millionen Mark (rund elf Millionen Euro) Bestechungsgeldern habe Wienand 4,2 Millionen Mark erhalten. Karras sagte, Wienand könne sich daran erinnern, Mitte der Neunziger in mehreren Tranchen Geld erhalten zu haben. Die genaue Summe könne er nicht mehr beziffern. Wienands zweiter Anwalt Hans J. Hauschild sagte im Anschluss an die Verhandlung, die Einlassung seines Mandanten könne als Teilgeständnis gewertet werden. Der Vorsitzende Richter Martin Baur hatte zuvor gesagt, ein Geständnis könne zu einer Bewährungsstrafe führen. Der Ex-Manager Ulrich Eisermann der städtischen Abfallverwertungsgesellschaft AVG, die den Auftrag zum Bau des Müllofens vergeben hatte und der Chef der mit dem Bau beauftragten Firma Steinmüller, Sigfrid Michelfelder, sind wegen der Korruptionsaffäre bereits verurteilt worden. Demnach ist erwiesen, dass Eisermann als Chef der AVG von Michelfelder bestochen wurde. Gegen das Urteil wurde Revision eingelegt.

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