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20.03.2006 
Einbürgerungsdebatte

„Keine Bildung, sondern Bildungshuberei“

Der Migrationsforscher Dieter Oberndörfer hat die von der Union angestrebten bundeseinheitlichen Einbürgerungstests als untauglich kritisiert. Den vom Land Hessen vorgelegten Fragenkatalog wertete der stellvertretende Vorsitzende des Rates für Migration als zufällig und spitzfindig: „Das Wissensquiz hat mit Bildung wenig zu tun, viel aber mit angesäuerter bürgerlicher Bildungshuberei.“

dpa BERLIN. Der Migrationsforscher Dieter Oberndörfer hat die von der Union angestrebten bundeseinheitlichen Einbürgerungstests als untauglich kritisiert. Den vom Land Hessen vorgelegten Fragenkatalog wertete der stellvertretende Vorsitzende des Rates für Migration als zufällig und spitzfindig: „Das Wissensquiz hat mit Bildung wenig zu tun, viel aber mit angesäuerter bürgerlicher Bildungshuberei.“

Der hessische Test fragt unter anderem nach der Reformation, der Erfindung Johannes Gutenbergs und dem Ereignis des 20. Juli 1944. Die Prüflinge sollen drei deutsche Mittelgebirge nennen, sagen, was dem deutschen Wissenschaftler Otto Hahn 1938 gelungen sei und welches Motiv ein Rügen-Bild Caspar David Friedrichs zeige. „Kenntnisse der Geschichte und Kultur Deutschlands verbürgen laut Oberndorf jedoch keine positive Identifikation mit Deutschland. „Hervorragende Kenner der deutschen Geschichte und Kultur waren erbitterte Feinde Deutschlands“, so Oberndörfer. Millionen deutscher Bürger, wenn nicht sogar deren Mehrheit, würden zudem bei der Beantwortung der meisten Fragen des Katalogs scheitern. „Sie können dennoch gute Bürger sein, Recht und Gesetz achten und sich Verdienste um die Gemeinschaft erwerben.“

Die Integration von Zuwandern erfolge, „wenn sie Deutschland schätzen lernen und sich mit ihm identifizieren und wenn wir ihre Leistungen anerkennen.“ Einbürgerung fördere Integration, da sie Gleichberechtigung und Mitwirkung ermögliche. „Nachdem zuletzt die konkrete inhaltliche Definition einer für alle Deutschen verbindlichen Leitkultur gescheitert ist, kehrt sie jetzt durch die Hintertür des Fragenkatalogs zurück. “ Einbürgerungswilligen Ausländern werde signalisiert, sie müssten erst einmal Germanistik, Geschichte und Verfassungsrecht studieren.

Als legitim bezeichnete Oberndörfer eine Überprüfung durch den Verfassungsschutz. Auch ein bei der Einbürgerung zu leistender Eid auf die Verfassung sei zu begrüßen.

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