Keine Einigung in Sicht
Verdi-Kasse reicht für langen Arbeitskampf

Die Gewerkschaft Verdi richtet sich im öffentlichen Dienst auf einen langen Arbeitskampf ein. Nach dem Zeitplan der Gewerkschaft soll der Ausstand in der kommenden Woche deutlich über Baden-Württemberg hinaus ausgedehnt werden.

BERLIN. „Wir sind gewappnet, diese Auseinandersetzung auf Wochen hinaus zu schüren“, sagte Alfred Wohlfart, Verhandlungsführer der Gewerkschaft im Vorreiterbezirk Baden-Württemberg. Damit trat er Eindrücken entgegen, in dem Konflikt um die Arbeitgeberforderung nach Einführung der 40-Stunden-Woche bahne sich womöglich eine Einigung auf halber Strecke an. „Ich nehme die Streikausgaben in Kauf, wir haben einen langen Atem“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske.

In der Tat muss sich die Gewerkschaft offenbar keine Sorgen machen, dass sie in absehbarer Zeit wegen der Streikkosten zum Einlenken genötigt sein könnte. Zwar sind Verdis finanzielle Reserven nach allen bekannten Daten deutlich geringer als die der IG Metall. Deren Kasse ist wiederholt auf etwa zwei Mrd. Euro geschätzt worden. Auch Verdi, 2001 durch Fusion von fünf Einzelgewerkschaften gegründet, könnte sich aber nach aktuellen Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) einen langen Arbeitskampf ohne ernste Engpässe leisten.

IW-Tarifexperte Hagen Lesch hat dies in einer Beispielrechnung für das Handelsblatt verdeutlicht. Danach müsste die Gewerkschaft in einem vierwöchigen Dauerstreik von 10 000 Kommunal-Bediensteten in Baden-Württemberg etwa elf Mill. Euro an Streikunterstützung aufbringen. Dem liegt ein Satz von knapp 55 Euro je Streikteilnehmer und Tag zu Grunde. Dem von Verdi verwalteten Streikfonds sind dagegen nach IW-Schätzung seit 1996 zwischen 116 und 154 Mill. Euro zugeflossen.

Die geplante Ausweitung des Arbeitskampfs auf andere Regionen würde den Konflikt für Verdi zwar messbar verteuern. Doch selbst ein 20-tägiger Dauerstreik von 25 000 Beschäftigten der Länder würde nach den Berechnungen mit Kosten von rund 30 Mill. Euro noch weit innerhalb der mutmaßlichen finanziellen Grenzen bleiben. Dabei ist laut Lesch berücksichtigt, dass Landesbeschäftigte wegen ihrer in der Tendenz höheren Tarifverdienste mit 61 Euro pro Tag mehr Streikgeld erhalten als etwa die kommunalen Müllwerker.

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