Keine Kompromisse

Bahn vergibt neue Millionenaufträge

Gegner und Befürworter diskutieren noch, die Deutsche Bahn schafft Fakten: Der Konzern beharrt auf seinem Baurecht und hat neue Aufträge in Höhe von mehr als 700 Millionen Euro vergeben.
Update: 30.07.2011 - 15:20 Uhr 11 Kommentare

Geißler legt Kompromissvorschlag für Stuttgart 21 vor

Berlin, StuttgartDie Deutsche Bahn schafft beim umstrittenen Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 trotz des neuen Kompromissvorschlags von Schlichter Heiner Geißler weiter Fakten. Der Konzern habe am Samstag Aufträge im Volumen von mehr als 700 Millionen Euro vergeben, sagte Infrastrukturvorstand Volker Kefer der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Damit seien 25 Prozent des Gesamtbauvolumens vergeben. „Um zu verdeutlichen, wie ernst es uns ist: Die Vergabe ist erfolgt“, bekräftigte Kefer. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer äußerte sich zudem skeptisch zu Geißlers Kompromissvorschlag, der eine Kombination des bestehenden Kopfbahnhofs mit einem verkleinerten Tiefbahnhof vorsieht.

Der Bau der ersten Tunnelbauwerke wurde an eine Bietergemeinschaft unter Federführung der österreichischen Porr-Gruppe vergeben. Das Unternehmen soll den 9,5 Kilometer langen Fildertunnel bauen, der den geplanten Tiefbahnhof mit dem Flughafen verbindet. Zudem erhielt sie den Zuschlag für den Bau der Tunnel nach Ober- und Untertürkheim.

Die Bahn will die für November geplante Volksabstimmung über Stuttgart 21 nicht abwarten und beharrt auf ihrem Baurecht. „Wir werden natürlich weiterbauen“, sagte Kefer. „Wir werden völlig unaufgeregt dieses Projekt fortführen, so wie es notwendig, sinnvoll und richtig ist.“ Damit droht eine weitere Verschärfung des Konflikts, der durch die Schlichtung von Geißler eigentlich befriedet werden sollte. Doch auch der von einem Schweizer Beratungsunternehmen überprüfte Stresstest brachte bei der Präsentation der Ergebnisse am Freitag keine Annäherung.

Zu dem von Geißler vorgelegten Kompromissvorschlag sagte Ramsauer, eine Kombination aus Kopf- und Tiefbahnhof sei wirklich neu. Es handle sich um eine uralte Variante, die vor vielen Jahren schon einmal verworfen worden sei, sagte der CSU-Politiker der „Passauer Neuen Presse“. Nach dem bestandenen Stresstest appellierte der Minister an alle Beteiligten: „Jeder ist aufgefordert, seiner vertraglich vereinbarten Projektförderungspflicht nachzukommen und das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 voranzutreiben.“ Das gelte für das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart, die Deutsche Bahn, den Regionalverband und die Flughafengesellschaft gleichermaßen. „Die gemeinsam festgelegten Spielregeln müssen eingehalten werden“, forderte Ramsauer. „Von einem neuen Stresstest halte ich nichts.“

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11 Kommentare zu "Keine Kompromisse: Bahn vergibt neue Millionenaufträge für Stuttgart 21"

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  • Ich gehöre zur Mehrheit der Bundesbürger, die mit dem PKW fahren und denen die Bahn egal ist. Wer nicht im Raum Stuttgart lebt, dürfte der Bahnhof auch egal sein. Doch als Autofahrer würde ich gerne schlaglochfreie Fahrbahnen und weniger verrottete Schulen haben. Soweit zu den "demokratischen" Mehrheitsverhältnissen.
    Vier Mal bin ich mit der Bahn gefahren und hatte damit nur Ärger und teuer war es obendrein.
    Massenverkehrsmittel sind hauptsächlich für kleine Einkommen gedacht. Bahnkunden legen wert auf pünktliche Ankunftszeiten, weniger Zumutungen und vor allem wollen sie billig reisen. Auch würden Bahnkunden lieber weniger Steuern bezahlen. Ein Schickimicki-Vorzeigebahnhof steht wohl bei den wenigsten auf der Agenda.

    So komme ich nun auf eine Minderheit von Großprotzen aus Politik und Wirtschaft, die allenfalls den Bahnhof zur protzigen Einweihung betreten werden und in keiner Weise an den Sparhaushalt dachten und ständig falsche Prioritäten setzen; bis zum Untergang!!!

  • Die ganzen linken Genossen, einschließlich ihrer "fachwissenden" Mitläufer, hatten schon immer Schwierigkeiten mit Mehrheitsentscheidungen.
    Notfalls mit Gewalt gegen Demokratie.

  • Verschüttete Milch

    Die DB schafft Tatsachen. Damit bringt sich die DB dem Tag der Wahrheit näher. Make or break wie der Engländer so schön sagt. Die Projekt-Kritiker und auch die Politik (solange die Grünen im Landtag sitzen) werden genau hinschauen wie sich die Geschichte entwickelt. Es dürfte der DB sehr schwer fallen Terminverzug und Kostenüberschreitung vor der Öffentlichkeit zu vertuschen. Mal sehen wie gut Kefer und Grube den Dauerstress des S21 Baus vertragen. Manchem Optimisten ist sein Optimismus schon im Halse stecken geblieben.

  • Schön, dass Sie sich so viele Gedanken über mich machen!

    Ich verrate Ihnen meinen Trick: ich saufe und rauche nicht - dadurch habe ich Zeit zu demonstrieren.
    Und ich tue auch abends was für meine "Arbeit".

    Mein Trick wird bei Ihnen also nicht funktionieren.

  • Ich gehe davon aus Sie sind arbeitslos und leben auf Kosten der Steuerzahler. Sonst ist die Zeit zu protestieren nicht zu erklären.

  • Gerne können Sie 'funktionsfähige' Züge haben. Ab 2013 zum Beispiel. Aber dann ohne Bahnhöfe und die notwendige Schieneninfrastruktur.

  • In 2007 gab es über 60 000 gültige Unterschriften - alleine aus Stuttgart - gegen dieses Projekt.

    Schon damals hätte es zu einem Volksentscheid kommen müssen - denn Stuttgar 21 betrifft die Menschen in Stuttgart und Baden-Württemberg direkt und über einen (sehr) langen Zeitraum. Bereits in 2007 waren also viele Menschen gegen Stuttgart 21 und damit gegen die Regierung Oettinger. Das Problem ist nur, dass in Baden-Württemberg alle 5 bzw. 6 Jahre gewählt wird und keiner
    in 2005 das Projekt Stuttgart 21 gewählt hat, sondern nur die CDU.


    So wie die Befürworter von Stuttgart 21 argumentieren, war der Holocaust also auch demokratisch legitimiert. Denn damals hat dagegen keiner demonstriert, so dass die Strassen in Feuer standen. Also war diese menschenverachtende Schweinerei im Nachhinein demokratisch legitimiert. Und das ist der Punkt!
    Man schaue sich nur die Personen Oettinger und Mappus an - dann weiß man was Sache ist und wieso diese beiden wie Hunde verjagt wurden. Wie gesagt, die Baden-Württemberger haben 2005 die CDU gewählt und nicht Oettinger.

    Und ausserdem begannen die Demonstrationen gegen Stuttgart 21 bereits 2009 und nicht etwa erst heute.
    D.h. 4 Jahre lang wurde die Demokratie ignoriert und jetzt tun alle Verantwortlichen so, als ob sie die Demokratie erfunden hätten.

    Und ausserdem ist ein zentraler Bestandteil der Demokratie ein verantwortungsvoller Umgang mit Eigentum. Es kann aber im Fall von S21 von Verantwortung keine Rede sein, weil die Deutsche Bahn bis heute keine fundierte Kalkulation vorgelegt hat. Es kann doch nicht sein, dass der Bund dem Bauherr (Deutsche Bahn) vorrechnen muss, was das ganze kosten wird. Es kann doch nicht sein, dass die Deutsche Bahn ein Projekt plant, dessen Kosten in den Sternen stehen - machen Sie das mal als Selbstständiger! Sie werden von ihren Kunden für Verrückt erklärt.

  • Die Entscheidung für den Bahnhof ist schon getroffen worden, als die meisten ICEs noch nicht gebaut wurden. Für Unternehmen ist es wichtig ein ganzheitliches Investitionsprogramm vorzunehmen. Dazu gehören sowohl neue Züge, neue Gleise aber auch neue Bahnhöfe.

    Der Weiterbau ist genau richtig. Die Bahn hat alle rechtlichen Hürden genommen und jetzt sollen ein paar Gegner, die sich nicht mal einig über ihre eigenen Ziele sind auch noch dies verhindern?

    Es wird gerne von Verstoß gegen die Demokratie geredet. Aber wir sind in einem Rechtsstaat. Und nur wenn alle sich einig sind, kann man auch nicht gegen Gesetze verstoßen. Sonnst finden sich schnell Steuergegner die demomkratisch gegen Steuern sind.

  • Damit hat sich die Bahn mit dem Schlichterspruch von gestern nicht etwa auseinander gesetzt.

    Auch ist keiner von der Bahn, wie Kefer es gestern formuliert hat, "in die Ferien" gegangen "nach der anstrengenden Zeit der Schlichtung", sondern die Bahn hat genau das weiter gemacht, was sie bisher schon immer praktiziert hat:

    Mit dem Knüppel gegen die Demokratie!


    Man denke nur an sowas entwürdigendes, wenn die Bundespolizei in den ICE einmarschiert, um Passagiere aus dem Zug zu werfen - mit Gewalt, wenn Gewalt sein muss.
    Wie kann jemand von den Betroffenen danach nur weiterhin Bahn fahren ???
    Diese Sorte Mensch ist wohl ohne jegliche Würde zur Welt gekommen - was nützt es da einem, dass die Würde im Grundgesetz geschützt ist.


    Mit Gewalt kann man Stuttgart 21 jedenfalls nicht stoppen und mit Gewalt wäre der Protest gegen Stuttgart 21 nie so weit gekommen, wo dieser heute ist. Deswegen gilt es weiter gegen Stuttgart 21 zu demonstrieren und heftigen Widerstand gegen das Projekt zu leisten, damit der Abriss des Südflügels verhindert wird.


    Die Bahn wird natürlich jetzt nicht etwa Ferien machen, sondern alles tun, damit bis zum Volksentscheid im Oktober möglichst alle wichtigen Denkmäler abgerissen sind und das kostbare Mineralwasser abgepumpt und vor die Säue geworfen wird.

  • Gestern gegen 11:30 h, Hauptbahnhof Bonn: Ein vollbesetzter IC bleibt liegen. Reisechaos in den folgenden Zügen. Stress, Ärger, versäumte Anschlussverbindungen, verpasste Termine.

    Der Bahn brechen ihre Lokomotiven und Waggons inzwischen unter dem A... zusammen. Doch statt das Material zu erneuern, vergräbt die Bahn Milliarden in einen nutzlosen Prestigebau. Ja glauben die denn, die Leute kommen zu ihnen, um Prunkbauten zu besichtigen? Die Reisenden brauchen doch vor allem eines, nämlich funktionsfähige Züge!

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