Keine Kompromisse
Bahn vergibt neue Millionenaufträge für Stuttgart 21

Gegner und Befürworter diskutieren noch, die Deutsche Bahn schafft Fakten: Der Konzern beharrt auf seinem Baurecht und hat neue Aufträge in Höhe von mehr als 700 Millionen Euro vergeben.
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Berlin, StuttgartDie Deutsche Bahn schafft beim umstrittenen Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 trotz des neuen Kompromissvorschlags von Schlichter Heiner Geißler weiter Fakten. Der Konzern habe am Samstag Aufträge im Volumen von mehr als 700 Millionen Euro vergeben, sagte Infrastrukturvorstand Volker Kefer der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Damit seien 25 Prozent des Gesamtbauvolumens vergeben. „Um zu verdeutlichen, wie ernst es uns ist: Die Vergabe ist erfolgt“, bekräftigte Kefer. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer äußerte sich zudem skeptisch zu Geißlers Kompromissvorschlag, der eine Kombination des bestehenden Kopfbahnhofs mit einem verkleinerten Tiefbahnhof vorsieht.

Der Bau der ersten Tunnelbauwerke wurde an eine Bietergemeinschaft unter Federführung der österreichischen Porr-Gruppe vergeben. Das Unternehmen soll den 9,5 Kilometer langen Fildertunnel bauen, der den geplanten Tiefbahnhof mit dem Flughafen verbindet. Zudem erhielt sie den Zuschlag für den Bau der Tunnel nach Ober- und Untertürkheim.

Die Bahn will die für November geplante Volksabstimmung über Stuttgart 21 nicht abwarten und beharrt auf ihrem Baurecht. „Wir werden natürlich weiterbauen“, sagte Kefer. „Wir werden völlig unaufgeregt dieses Projekt fortführen, so wie es notwendig, sinnvoll und richtig ist.“ Damit droht eine weitere Verschärfung des Konflikts, der durch die Schlichtung von Geißler eigentlich befriedet werden sollte. Doch auch der von einem Schweizer Beratungsunternehmen überprüfte Stresstest brachte bei der Präsentation der Ergebnisse am Freitag keine Annäherung.

Zu dem von Geißler vorgelegten Kompromissvorschlag sagte Ramsauer, eine Kombination aus Kopf- und Tiefbahnhof sei wirklich neu. Es handle sich um eine uralte Variante, die vor vielen Jahren schon einmal verworfen worden sei, sagte der CSU-Politiker der „Passauer Neuen Presse“. Nach dem bestandenen Stresstest appellierte der Minister an alle Beteiligten: „Jeder ist aufgefordert, seiner vertraglich vereinbarten Projektförderungspflicht nachzukommen und das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 voranzutreiben.“ Das gelte für das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart, die Deutsche Bahn, den Regionalverband und die Flughafengesellschaft gleichermaßen. „Die gemeinsam festgelegten Spielregeln müssen eingehalten werden“, forderte Ramsauer. „Von einem neuen Stresstest halte ich nichts.“

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  • Ich gehöre zur Mehrheit der Bundesbürger, die mit dem PKW fahren und denen die Bahn egal ist. Wer nicht im Raum Stuttgart lebt, dürfte der Bahnhof auch egal sein. Doch als Autofahrer würde ich gerne schlaglochfreie Fahrbahnen und weniger verrottete Schulen haben. Soweit zu den "demokratischen" Mehrheitsverhältnissen.
    Vier Mal bin ich mit der Bahn gefahren und hatte damit nur Ärger und teuer war es obendrein.
    Massenverkehrsmittel sind hauptsächlich für kleine Einkommen gedacht. Bahnkunden legen wert auf pünktliche Ankunftszeiten, weniger Zumutungen und vor allem wollen sie billig reisen. Auch würden Bahnkunden lieber weniger Steuern bezahlen. Ein Schickimicki-Vorzeigebahnhof steht wohl bei den wenigsten auf der Agenda.

    So komme ich nun auf eine Minderheit von Großprotzen aus Politik und Wirtschaft, die allenfalls den Bahnhof zur protzigen Einweihung betreten werden und in keiner Weise an den Sparhaushalt dachten und ständig falsche Prioritäten setzen; bis zum Untergang!!!

  • Die ganzen linken Genossen, einschließlich ihrer "fachwissenden" Mitläufer, hatten schon immer Schwierigkeiten mit Mehrheitsentscheidungen.
    Notfalls mit Gewalt gegen Demokratie.

  • Verschüttete Milch

    Die DB schafft Tatsachen. Damit bringt sich die DB dem Tag der Wahrheit näher. Make or break wie der Engländer so schön sagt. Die Projekt-Kritiker und auch die Politik (solange die Grünen im Landtag sitzen) werden genau hinschauen wie sich die Geschichte entwickelt. Es dürfte der DB sehr schwer fallen Terminverzug und Kostenüberschreitung vor der Öffentlichkeit zu vertuschen. Mal sehen wie gut Kefer und Grube den Dauerstress des S21 Baus vertragen. Manchem Optimisten ist sein Optimismus schon im Halse stecken geblieben.

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