Keine Spitzenkandidatin – Gerangel um die sicheren Listenplätze
Grüne ziehen nur mit Fischer in die Wahl

Ein Vorstoß in der Grünen-Bundestagsfraktion für eine Spitzenkandidatin neben Außenminister Joschka Fischer ist nach Zeitungsberichten erfolglos geblieben. Die Haushaltsexpertin der Fraktion, Anja Hajduk, habe die Forderung nach einer zweiten, weiblichen Führungsperson für die geplante vorgezogene Bundestagswahl im Herbst in der Fraktionssitzung am Dienstagabend erhoben.

HB/ms BERLIN. Hajduk argumentierte Berichten der "Berliner Zeitung" und der "Süddeutsche Zeitung" zufolge, die Grünen müssten der Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) eine weibliche Spitzenfigur entgegenstellen. In der Sitzung sei für diese Aufgabe der Name der Verbraucherschutzministerin Renate Künast gefallen. Diese habe Hajduks Forderung aber sofort abgelehnt. Dann habe auch Fischer gesagt, dass er eine alleinige Kandidatur bevorzuge. Es sei jedoch Sache der Partei, darüber zu entscheiden, sagte der Außenminister. Damit sei das Thema schließlich vom Tisch gewesen.

Nach der Bundestagswahl dürfte es in der Grünenfraktion zu einem größeren Stühlerücken kommen: Antje Vollmer, Bundestagsvizepräsidentin und Parteimitglied der ersten Stunde, hat ihren Rückzug angekündigt. Aufhören will auch Wirtschaftsstaatssekretär Rezzo Schlauch. Das Gleiche gilt für die Wohnungsbau-Expertin Franziska Eichstädt-Bohlig, die Umwelt-Staatssekretärin Simone Probst und das Paar Albert Schmidt und Michaele Hustedt.

Dafür kommen Neue – allen voran die heimliche Herrscherin der NRW-Grünen, Bärbel Höhn. Ihr Temperament wird in Berlin bei vielen mit gemischten Gefühlen erwartet. Ebenfalls mit guter Aussicht auf einen sicheren Listenplatz folgt Landesparteichefin Britta Haßelmann. Als stramme Linke gilt auch die baden-württembergische Landeschefin Sylvia Kotting-Uhl, die ebenfalls ihren Hut in den Ring geworfen hat.

Traditionell ist bei der Emanzipationspartei stets der erste Listenplatz einer Frau vorbehalten, die weiteren Listenplätze gehen alternierend an Männer und Frauen. Der Berliner Landesparteitag am 19. Juni wird vor allem für die Männer heikel. Dort konkurrieren drei starke Männer um die halbwegs sicheren Plätze zwei und vier: Der Ur-Linke Christian Ströbele, der einstige DDR-Bürgerrechtler Werner Schulz und der frühere Berliner Fraktionschef Wolfgang Wieland. Ströbele gilt als Favorit, auch Wieland werden gute Chancen eingeräumt. Bei den Damen wird neben Verbraucherministerin Künast die linke Berliner Fraktionsvorsitzende Sybill Klotz kandidieren.

Ende Juni klärt sich auf dem baden-württembergischen Landesparteitag, ob der einstige haushaltspolitische Sprecher und ökoliberale Quälgeist Oswald Metzger sein Comeback feiern kann. In Niedersachsen heizt eine Satzungsänderung die Spekulationen an: Dort muss jeder dritte Listenplatz an einen Neuling gehen. Gesetzt sind Jürgen Trittin und Thea Dückert. Als chancenreich gilt der Chef der Grünen Jugend, Stefan Schilling.

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