„Keine Vorstellung von Europa“
Ex-Kohl-Berater spricht Merkel jegliche Euro-Kompetenz ab

In der Diskussion über Auswege aus der Euro-Schuldenkrise gerät mehr und mehr Merkel ins Kreuzfeuer der Kritik. Nicht nur ein früherer Kanzlerberater zweifelt an ihrer Kompetenz, auch in der CDU wird Kritik laut.
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BerlinDer einstige außenpolitische Berater von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, Horst Teltschik, hat die Europapolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf kritisiert. Teltschik sagte dem Berliner „Tagesspiegel“ mit Blick auf Merkel: „Sie entwickelt keine Vorstellung von der Zukunft Europas, obwohl das gerade jetzt notwendig wäre. Auf die systemische Krise muss Europa eine systemische Antwort finden. Es ist doch offensichtlich, dass wir eine gemeinsame europäische Haushalts-, Schulden- und Finanzpolitik brauchen.“

Kohl selbst hatte am Wochenende einen Bericht dementiert, wonach er Merkels Europapolitik als „sehr gefährlich“ kritisiert haben soll. In der „Bild“-Zeitung sagte Kohl, richtig sei aber: „Ich bin - wie viele - besorgt über die Entwicklung in Europa und des Euro.“ Er sehe es aber als dringend notwendig an, dass die vermeintliche Euro-Krise nicht als Strukturkrise des Euro an sich verstanden werde, sondern als das, was sie sei: „Das Ergebnis hausgemachter Fehler und Herausforderungen für beide Seiten - Europa und die Nationalstaaten.“

Der CSU-Wirtschaftsexperte Erwin Huber verlangt von der Bundesregierung „klare Konzepte“ beim Vorgehen gegen die EU-Schuldenkrise. Huber kritisierte am Montag vor einer Sitzung des CSU-Vorstands in München, derzeit gebe es unterschiedliche Äußerungen von Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zum Ausmaß der Probleme. In dieser Woche müsse jedoch eine deutliche und nachhaltige Entscheidung fallen, „um den Euro zu retten“.

Das CSU-Präsidiumsmitglied Manfred Weber mahnte, die „gesamte Führungsspitze der Union“ müsse den Bürgern stärker als bisher erklären, warum ein stabiler gemeinsamer Währungsraum in Europa notwendig sei. Dabei sei auch die Kanzlerin gefordert.

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Seehofer stützt Merkel

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  • irgendwann läufts halt so. Das erste "Testland" wird Girechenland sein. Kommt der Eurobonds, wird Griechenland nicht mehr von griechischen Pseudodemokraten gelenkt, sondern von den Eurokraten in Brüssel (ja....genau dort, wo derzeit Burkaverbot herrscht). Übrigens überlegt sich die Türkei wieder, mit der EU nicht mehr weiter zu verhandleln. Warum? Sie mögen die Griechen auch nicht unbedingt (wegen der Zypern-Frage). Gibts bald einen gefährlichen Brandherd am Bosporus? Oder wurde der schon längst ausgelöst? Kann uns jemand sagen, ob es vielleicht ein Unfall auf Zypern war oder vieleicht Sabotage? Sehr seltsam, dass sich fast 2 Jahre lang leichtentzündliches Pulver neben einem wichtigen Energiewerk beunden hat und nun einfach mal so explodiert ist, das halb Zypern (griechische Seite) gelähmt hat. Was ist wirklich los? Gibts da vielleicht schon erste Hinweise, was das für uns bedeuten könnte?

  • wer kommt am freitag mit nach münchen? angeblich ist kohl dort zum begräbnis seines mäzen-amigos kirch dabei. dann spielen wir ml rolli-hockey (wäre schön, wenn schäuble auch dabei ist)

  • Herr Teltschick fordert im Kern eine EU-Wirtschaftsregierung (incl. Haushaltshoheit über die Haushalte aller EURO-Länder ??), die EURO-Schuldenagentur mit EURO-BONDS (Vergemeinschaftung der Schulden und Refinanzierung der EURO-Staaten nur noch über die EU-Schuldenagentur)
    und der Finanzausgleich soll durch eine Revitalisierung der Maastricht-Kriterien umgangen werden, obwohl diese Kriterien sich in der Vergangenheit nur als Placebo aber keine wirksame Medizin erwiesen haben.
    Diese Vorstellungen zur Lösung der EURO-Krise bringen die EU zwar näher hin zu einem Zentralstaat aber es ist schon jetzt absehbar, daß Deutschland durch indirekte Transfers die Rechnung wird bezahlen müssen, weil Sparkriterien aller Voraussicht nach und aufgrund der gemachten Erfahrungen niemals eingehalten werden.
    Die EUROkrisen-Lösung nach den Vorstellungen des Herrn Teltschick wird den Wählern zurecht nicht vermittelt werden können.
    Frau Merkel soll heute die Geburtsfehler des EURO beheben und die Herren Steinbrück, Steinmeier und Gabriel möchten dabei assistieren.
    Die Lösung der Krise mittels des Teltschick-Vorschlages verbietet sich wegen der horrenden Kosten, die Deutschland danach erwarten.
    Der Weg aus der Krise ist der Rückbau der EU zu einer europäischen Freihandelszone und die Rückkehr zu den Nationalwährungen.
    In Wirklichkeit geht es nur noch um die Frage, wer schlägt den letzten Nagel in den EURO/EU-Sarg.
    Frau Merkel möchte diese undankbare Aufgabe aus verständlichen Gründen nicht übernehmen und hofft auf die Tätigkeit eines geübten Handwerkers.
    Frau Merkel für Fehler zu "prügeln", die unter Kohl gemacht wurden, ist unfair.

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