Kernenergie
Finale im Poker um den Atomausstieg

Der Abschied von der Kernenergie wird extrem teuer. Seit Monaten feilschen Staat und Konzerne um Milliardensummen. Heute stellen die Chefs der Regierungskommission nun ihren Plan zur Finanzierung vor.

BerlinEinen „Entsorgungskonsens“ zum Atomausstieg wollen die drei Chefs der Regierungskommission an diesem Mittwochnachmittag vorstellen – 30 Jahre nach dem GAU in Tschernobyl und fünf Jahre nach der Atom-Katastrophe in Fukushima. Eigentlich. Doch wenn sich in letzter Minute nicht noch etwas tut, wird es wohl vorerst nichts mit dem Konsens zwischen Staat und Stromriesen. Für die Steuerzahler und die vier Atom-Konzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall geht es um sehr viel Geld.

Was war der Auftrag der Kommission?

Die 19-köpfige Kommission unter Leitung von Jürgen Trittin (Grüne), Ole von Beust (CDU) und Matthias Platzeck (SPD) lotet seit dem Herbst im Auftrag der Bundesregierung aus, wie die Finanzierung des Atomausstiegs gelingen kann – ohne dass sich bei Stilllegung und Rückbau der Atommeiler sowie Zwischen- und Endlagerung des Atommülls die Verursacher aus der Verantwortung stehlen. Es sollen aber auch das „ökonomische Überleben“ der Konzerne gesichert und zugleich die Risiken für die Steuerzahler minimiert werden.

Was würden Stilllegung und Atommüll-Lagerung denn kosten?

Die Expertenkommission hat in ihren Beratungen Schätzungen von mindestens 48,8 Milliarden Euro unterstellt – berechnet zu Preisen von 2014. Ein Szenario kommt bis 2099 auf mögliche Gesamtkosten (mit Inflation und steigenden Kosten) von fast 170 Milliarden Euro.

Haben die vier Atomkonzerne dafür Vorsorge getroffen?

Ja, sie haben sogenannte Rückstellungen gebildet. Zu dieser finanziellen Absicherung sind sie verpflichtet. Bis Ende 2014 waren mehr als 38 Milliarden Euro für Abriss und Entsorgung zurückgestellt. Wegen der niedrigen Zinsen mussten die Unternehmen mehr beiseite legen – Ende 2015 knapp 40,1 Milliarden Euro. Die Milliarden liegen nicht auf Konten, sondern stecken in Kraftwerken, Stromnetzen oder Finanzanlagen. Ein Stresstest ergab, dass das Finanzpolster reicht. Aber: Wegen des Zinsrisikos könnten die Atom-Rückstellungen auf bis zu 70 Milliarden Euro steigen.

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