Kernenergie
Immer mehr wollen aus der Atomkraft raus

Der Widerstand wächst: Tausende Atomkraftgegner protestieren. Kirchliche Würdenträger äußern sich skeptisch. Aufsehen erregt die CDU - immer mehr setzen sich von der Kernkraft ab. Einer kämpft weiter dafür.
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Berlin

Offensichtlich wird die Wende im Denken, wenn man die Entwicklungen in der CDU verfolgt. Umweltminister Norbert Röttgen strebt einen neuen Energiekonsens mit Rot-Grün über den Atomausstieg an. Unions-Fraktionschef Kauder will so bald wie möglich aus der Kernkraft raus. Und in der Bevölkerung lebt der Widerstand wieder auf wie zu früheren Zeiten - am Samstag demonstrierten Tausende an mehreren Orten in Deutschland.

Die Entwicklungen passen dem RWE-Chef Jürgen Großmann gar nicht ins Konzept. Der Konzern klagt gegen die Stilllegung seines Meilers Biblis A und fordert einheitliche Standards für die Sicherheitsüberprüfungen.

Die vielschichtigen Entwicklungen im Einzelnen: Die Bundesregierung strebt als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Japan einen nationalen Energiekonsens mit Opposition und gesellschaftlichen Gruppen an. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte in der "Bild am Sonntag" Gespräche mit Vertretern von Kirchen, Umweltverbänden und Gewerkschaften an. Im Juni wolle sie zudem auch auf die im Bundestag vertretenen Fraktionen zugehen und mit ihnen verhandeln.

Zugleich räumte Merkel ein, ihre Haltung zur Atomkraft habe sich durch die Atomkatastrophe in Japan verändert. Auch CDU-Vizechefin Ursula von der Leyen gab Fehler zu: Ihre Partei habe die "volle Dringlichkeit der notwendigen Energiewende" nicht erkannt, sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Nach Einschätzung von Unions-Fraktionschef Volker Kauder wird möglicherweise keines der derzeit zur Überprüfung abgeschalteten Atomkraftwerke je wieder ans Netz gehen. "Wir müssen so schnell wie möglich auf Kernkraftwerke verzichten", sagte Kauder außerdem der FAZ-Sonntagszeitung.

Auch Umweltminister Norbert Röttgen plädierte für einen Konsens beim Atomausstieg: "Wir haben jetzt die Chance, binnen weniger Monate den Atomkampf zu beenden, der die Republik über Jahrzehnte gespalten hat", sagte er dem "Spiegel" in einem vorab veröffentlichten Interview. Die schwarz-gelbe Koalition sollte es schaffen, einen gemeinsamen Kurs mit SPD und Grünen zu finden, "im besten Fall sogar einen nationalen Energiekonsens".

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  • Das grüne Jobwunder ist nur ein Märchen
    Die Grünen zwischen Utopie und Wirklichkeit
    Das grüne Jobwunder ist nur ein Märchen
    Politiker verkaufen erneuerbare Energien als ''Jobmotor''. Dabei dürften Subventionen für Ökostrom mehr Arbeitsplätze vernichten als schaffen.
    Der designierte Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann (Grüne), hat immer auch die Wirtschaft und Arbeitsplätze seiner Heimat im Blick – selbst wenn es um so heikle Themen wie Atomkraft geht. „Was muss man da jetzt die alten Monopolisten stärken?'', fragte Kretschmann, nachdem sein Amtsvorgänger Stefan Mappus (CDU) für das Land Anteile am AKW-Betreiber EnBW gekauft hatte. „Die dynamischen Sektoren liegen ganz woanders'', kritisierte Kretschmann: „In dem Feld der erneuerbaren Energien liegen 300.000 Arbeitsplätze.''
    Mit seinem Glauben an das große Arbeitsmarktpotenzial der erneuerbaren Energien steht Kretschmann nicht allein. In dem an Landtagswahlen nicht armen Jahr 2011 vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Politiker das Lied vom „grünen Jobwunder'' anstimmt, das sich einstellen werde, wenn die Ökobranchen nur weiter genügend Fördergelder bekommen. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) etwa wird nicht müde, die erneuerbaren Energien zu einem „Jobmotor für Deutschland'' zu erklären.
    Klimaschutz und Versorgungssicherheit haben als Rechtfertigung für üppige Ökostrom-Subventionen ausgedient: Im Wahljahr 2011 mit seinen sieben Landtagswahlen kommen Politiker beim Bürger mit dem Arbeitsplatz-Argument offenbar besser an. Nur: Ist am grünen Jobwunder überhaupt etwas dran? ..........................

    http://www.welt.de/wirtschaft/article13049402/Das-gruene-Jobwunder-ist-nur-ein-Maerchen.html


    http://archiv.raid-rush.ws/t-777621.html

  • Hallo Herr Andre,

    die japanische Regierung erwägt gerade, TEPCOs 12 Mrd $ an Rückstellungen für die Atommüllendlagerung zu verwenden um "einen Teil der Entschädigungen" für die "Betriebsunterbrechung" in Fukushima zu finanzieren. Wenn die Kostenschätzungen sich im Zeitverlauf ungefähr mit den üblichen Steigerungsraten bei konventionellen Katastrophen verändern, landen wir vermutlich letztlich bei einem mindestens vierstelligen Milliardenbetrag.

    Klasse.

    Wenn Sie das weiterhin für zwei Milliarden hinbekommen, winkt ihnen weiterhin der Titel "Samurai ehrenhalber".

    Was ist eigentlich in diesem Fall mit TEPCOs Atommüll? Muss der dann gar nicht mehr entsorgt werden? Toll!

    Böse Zungen behaupten ja, das zahlt dann wie üblich der dumme Steuerzahler. Aber das sind ja nur böse Zungen. Bestimmt wird das von zukünftigen Generationen mit Kusshand "als wichtigste Energiequelle" verwendet.

    P.S.: Sie sollten auf weniger schlechte Science-Fiction-Literatur umsteigen. Sonst wird das mit der Ausbildung kritischen Denkvermögens nichts. Und das brauchen Sie, wenn Sie mal eine Dissertation verfassen möchten - glauben Sie mir.

  • Guten Tag!

    "Die erste Solarzelle hatte 1954 einen Wirkungsgrad von 5 Prozent.

    Die derzeit verbauten Amorphen Siliziumzellen haben einen Wirkungsgrad von 5 Prozent.

    Wir wirtschaftlich ist dann Fotovoltaik?"

    Dieser Argumentation kann ich nicht folgen, da der Wirkungsgrad nichts mit der Wirtschaftlichkeit zu tun hat.

    Dünnschichtmodule haben eine energetische Amortisation von 2-3 Jahren, Polykristaline Module etwa 3-6 Jahre. Bei einer Lebensdauer von > 20 Jahren kann hier also sehr wohl von Wirtchaftlichkeit gesprochen werden.

    Die 60% von Windanlagen sind höher als die < 40% eines typischen kalorischen Kraftwerks.
    Also damit ist Ihre Bemerkung Dampfmaschinen wären effizienter als Windanlagen wohl wiederlegt.

    Die Energetische Amortisation liegt bei unter einem Jahr.
    Also wo liegt jetzt das Problem bei der Verwendung dieser Technologien?
    Das es noch Lösungen für die Speicherung bzw für das Zusammenführen von Erzeugung und Verbrauch zu entwickeln gilt ist mit bewußt.
    Ferner ist es falsch alternative Energieerzeugung auf PV und Wind zu reduzieren.

    Das Werk von Carl Friedrich von Weizsäcker werde ich mir ansehen. Haben sie einen Link wo es zu finden ist.

    Und, ja ich glaube an die Zukunft regenerativer Energien. Ob mit oder ohne Förderung

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