Kernenergie
Siemens-Kooperation entfacht Streit über Atomausstieg

Das Engagement deutscher Konzerne für den Bau neuer Kernkraftwerke im europäischen Ausland hat den politischen Streit über den Atomausstieg neu angeheizt. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte dem Handelsblatt, die zwischen Eon, Siemens und Areva vereinbarte Kooperation sei ein gutes Signal für den Technologiestandort Deutschland.

BERLIN. "So kann das Wissen um die Kerntechnologie erhalten und weiterentwickelt werden, bis auch in Deutschland die falsche Entscheidung für einen Ausstieg aus der Kernenergie revidiert wird", sagte der Minister. Glos hat sich in den vergangenen Wochen immer wieder dafür ausgesprochen, die im Juni 2000 von der damaligen rot-grünen Bundesregierung mit der Branche geschlossene Ausstiegsvereinbarung zu revidieren.

Er plädiert dafür, die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern, um Spielraum für den Ausbau der erneuerbaren Energien zu gewinnen. Die SPD lehnt eine Laufzeitverlängerung jedoch vehement ab.

"Die Fragezeichen, die man hinter die Ausstiegsvereinbarung setzen muss, werden größer und größer", sagte Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Handelsblatt. "Schon heute verbrauchen wir Atomstrom aus Frankreich. Das Zusammenwachsen der europäischen Energiemärkte wird zur Folge haben, dass der grenzüberschreitende Stromaustausch zunimmt", sagte die DIW-Expertin. Ein deutscher Sonderweg mache daher keinen Sinn.

Kemfert plädiert ebenfalls dafür, über eine Verlängerung der Laufzeiten deutscher Reaktoren nachzudenken. "Langfristig brauchen wir andere Technologien. Zunächst aber kommen wir an der Kernkraft nicht vorbei", sagte Kemfert. Den Neubau von Kernkraftwerken lehnt Kemfert allerdings ab.

Unionsfraktonsvize Katherina Reiche (CDU) sagte dem Handelsblatt, die Kooperationsvereinbarung von Eon, Siemens und Areva weise in die richtige Richtung: "Für international aufgestellte Konzerne gibt es keine Alternative." Deutschland isoliere sich in der Frage der Kernenergie zunehmend und zwinge die Unternehmen, im Ausland nach Möglichkeiten für den Bau neuer Anlagen zu suchen. Der Ausstiegsbeschluss sei "reine Augenwischerei". Er verursache Lücken in der Versorgung, die Deutschland stärker von Stromimporten abhängig mache.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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