Kernkraft-Debatte
Grünen-Studie: Atommeiler erhöhen Krebsrisiko

Die wissenschaftlichen Hinweise verdichten sich: Wohnen in der Nähe eines Atomkraftwerks kann besonders für Kinder und Jugendliche gesundheitsschädlich sein. Rund um die Meiler ist das Krebsrisiko um fast ein Fünftel höher als anderswo.

HB BERLIN. So liegt das Blutkrebs-Erkrankungsrisiko für Kleinkinder bis vier Jahren laut einer von den Grünen in Auftrag gegebenen Studie um 19 Prozent über den Normalwerten. Für die Untersuchung wurden Werte von 80 Kernkraftwerken in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und den USA ausgewertet. Das sei eine breite Datenbasis, teilte der Arzt und Epidemiologe Eberhard Greiser von der atomkritischen Ärztevereinigung IPPNW mit.

Auch für Jugendliche sei das Krebsrisiko hoch. Im Umkreis von 20 bis 50 Kilometern um Atommeiler sei das Risiko bei Kindern unter 15 Jahren um 13 Prozent erhöht, berichtete Greiser. Grüne und atomkritische Ärzte forderten, endlich den Strahlenschutz für Bürger zu verbessern.

Laut IPPNW ist das Gutachten das bisher umfassendste seiner Art. „Es belegt, dass für alle betroffenen Altersgruppen bis 24 Jahre ein signifikant höheres Erkrankungsrisiko als in anderen Landesteilen besteht“, sagte IPPNW-Sprecherin Angelika Wilmen. „Wir wollen noch einmal wachrütteln“, mahnte die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast. Bisher sei trotz mehrerer Studien mit ähnlichen Ergebnissen zu wenig geschehen. Der Strahlenschutz müsse dringend verschärft werden.

Bereits 2007 hatte eine ähnliche Studie des Deutschen Kinderkrebsregisters bei Kindern bis fünf Jahre für Aufsehen gesorgt, welche die Rolle atomarer Strahlung als Krebsursache relativierte. Darin wurde vermutet, dass ein noch unentdeckter Risikofaktor dafür verantwortlich sein könnte, dass das Krebsrisiko mit zunehmender Entfernung vom nächstgelegenen Kernkraftwerk schrumpft.

Greiser wollte zwar aufgrund der Vielzahl von Risikofaktoren keine direkte Beziehung zwischen Krebserkrankungen und atomarer Strahlung herstellen. Allerdings könne ein derartiger Zusammenhang auch „keinesfalls ausgeschlossen werden“.

An diesem Samstag wollen in Berlin tausende Atomkraftgegner auf die Straße gehen und für einen Ausstieg aus der Kernenergie demonstrieren. Unter dem Motto „Mal richtig abschalten“ fahren auch niedersächsische Bauern mit rund 350 Traktoren durch die Hauptstadt zur Hauptkundgebung am Brandenburger Tor. Teilnehmen wollen unter anderem auch Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), die Grünen-Spitzenkandidaten Renate Künast und Jürgen Trittin sowie die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth.

Eine erste Gruppe von protestierenden Bauern war schon am vergangenen Samstag mit etwa 100 Traktoren im niedersächsischen Gorleben losgefahren. Auf ihrer Protest-Tour gegen Endlager für Atommüll kam es am Donnerstag vor dem Atommülllager Morsleben zu Ausschreitungen. Weitere 250 Traktoren starteten am Freitag im niedersächsischen Jeetzel und wollten Berlin am Abend erreichen.

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