Kernkraft
Hendricks will Atommüll auf vier Bundesländer verteilen

Welche Bundesländer nehmen die noch ausstehenden Castoren-Behälter auf? Eine Stellungnahme aus dem Umweltministerium deutet auf eine Verteilung auf vier Bundesländer hin. Gesucht werden noch unionsgeführte Länder.
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BerlinDas Thema Atomkraft gehört nicht gerade zu den Lieblingsthemen von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Sie gehe das zwar mit „freudiger Pflichterfüllung“ an, aber „richtig Spaß machen tut das nicht“, bekannte sie auf der Handelsblatt-Energietagung in diesem Jahr.

Zur Pflichterfüllung gehört auch die Suche nach geeigneten Zwischenlagern für die noch im Ausland lagernden 26 Castor-Behälter mit deutschem Atommüll. „Auf Freiwilligkeit kann ich nicht länger setzen“, sagte die Ministerin im Februar und kündigte ein Konzept an, das eine Verteilung des gesamten noch im Ausland befindlichen Atommülls auf verschiedene Standorte vorsieht.

Das Konzept steht noch immer aus – ist aber jetzt offenbar kurz vor Fertigstellung. Die Arbeiten „sind weit fortgeschritten und sollen in Kürze abgeschlossen werden“, beantworte am Mittwoch Hendricks Staatssekretär Florian Pronold eine Frage der atompolitischen Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl.

Pronold bestätigte, dass das Konzept eine Verteilung der in Frankreich und Großbritannien befindlichen radioaktiven Abfälle auf verschiedene Standorte in einem bundesweit ausgewogenen Verhältnis vorsehen werde. „Das bedeutet, dass die in voraussichtlich vier Transportkampagnen zurückzuführenden radioaktiven Abfälle auf Zwischenlager in verschiedenen Bundesländern verteilt werden sollen“, so Pronold.

Zunächst war immer von drei Bundesländern die Rede gewesen. Bereits 2013 hatten sich das grün-rot-regierte Baden-Württemberg und das rot-grüne Schleswig-Holstein bereit erklärt, einen Teil der 26 Castor-Behälter zwischenzulagern, die derzeit noch in den Wiederaufbereitungsanlagen im französischen La Hague und im britischen Sellafield stehen. Voraussetzung: dass ein drittes Bundesland ebenfalls einen Teil nimmt.

Im Visier der Ministerin stehen die unionsgeführten Länder Hessen und Bayern; schließlich gehörten diese jahrzehntelang zu den wesentlichen Verursachern von Atommüll. Hessen erklärte zwischenzeitlich, grundsätzlich bereit zu sein, Atommüll aufzunehmen. Der Landesregierung lägen aber keine konkreten Anfragen aus Berlin vor.

„Das Bundesumweltministerium muss jetzt wirklich liefern“, sagte Kotting-Uhl dem Handelsblatt. „Das Problem wurde schon viel zu lange verschleppt. Und es darf bei der Problemlösung auch keine falsche Rücksicht mehr auf Bayern nehmen, das sich bislang in der Standortfrage unsolidarisch und rückgratlos aus der Verantwortung stiehlt.“

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Das ist, wie man sich leicht erschliessen kann, ein sehr peinliches, ökoreligiöses Spektakel. Mit 4 Zwischenlagern vervielfacht man die Kosten sinnlos.

    In der Vergangenheit hat man in D zunächst die Wiederaufbereitung (Recycling) des gebrauchten Kernbrennstoffs gesetzlich vorgeschrieben. Später hat man dies verboten um der Ökosaga der "ungelösten Endlagerfrage" den Weg zu ebnen. Paralell hat man die Endlagerung im Salz erfolgreich in Asse getestet. Später hat man dies ökoreligiös skandalisiert. Die DDR hat mit Morsleben gleichfalls ein als gut bewertetes Endlager erbaut. Später hat man dieses geschlossen. Man hat den Schacht Konrad für Leicht- und Mittelradioaktive Abfälle gebaut und bis heute nicht in Betrieb genommen. Man hat Gorleben als Standort für die Lagerung hoch radioaktiver Abfälle für 1,7 Mrd. € untersucht und gleichwohl kein sachlicher Grund vorliegt wiederum aufgegeben. Man hat Zwischenlager gebaut und später die Einlagerung verboten.

    Am meisten ist zu bedauern, dass die Gesellschaft dieses ökoreligiöse Spektakel bezahlen muss. Schön wäre es wenn die Verursacher, Politiker, Journalisten, Ökofunktionäre und die Ökogläubigen für dieses Spektakel aufkommen.

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