Kernkraftwerk Stade wird stillgelegt
Ausstieg aus der Atomenergie beginnt

Der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg beginnt am Freitag mit der Stilllegung des Kernkraftwerks Stade. Der Energiekonzern Eon will den 1972 in Betrieb genommenen Atommeiler herunterfahren und nicht wieder in Betrieb nehmen.

HB STADE. Der Abbruch des Druckwasserreaktors soll nach den Plänen von Eon im Jahr 2005 beginnen und zehn Jahre lang dauern.

Auch das älteste deutsche Atomkraftwerk in Obrigheim (Baden- Württemberg) könnte nach Einschätzung des Energiekonzerns EnBW schon früher als geplant vom Netz gehen. Sollte die genehmigte Reststrommenge vor dem 15. November 2005 aufgebraucht sein, sei eine vorzeitige Abschaltung möglich, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Die Grünen rechnen mit einer Abschaltung im Frühjahr 2005.

Bundesregierung und Stromindustrie hatten im Juni 2001 ein Abkommen „über die geordnete Beendigung der Kernenergie“ unterzeichnet. Dieser so genannte Energiekonsens war erst nach jahrelangen zähen Verhandlungen zu Stande gekommen. Er sieht für jedes der 19 deutschen Atomkraftwerke Restlaufzeiten vor. Auf der Basis einer Gesamtlaufzeit von 32 Kalenderjahren ist für jede Anlage festgelegt, wie viel Atomstrom sie noch produzieren darf. Ist die Gesamtstrommenge erreicht, erlischt die Betriebsgenehmigung.

Reststrommenge kann auf andere Kraftwerke übertragen werden

Im Dezember 2001 beschloss der Bundestag mit den Stimmen von SPD und Grünen eine Novelle des Atomgesetzes, in der diese Vereinbarung rechtlich festgeschrieben wurde. Danach wird der Ausstieg aus der kommerziellen Nutzung der Kernenergie in rund 20 Jahren abgeschlossen sein.

Für Stade sieht das Gesetz eine Reststrommenge von 23 Milliarden Kilowattstunden vor. Das Atomkraftwerk könnte damit nach Betreiberangaben noch bis Ende 2004 laufen. Das vorzeitige Abschalten begründet Eon mit wirtschaftlichen und nicht mit technischen oder politischen Gründen. Bei der Unterzeichnung des Energiekonsenses meinte der damalige Eon-Vorstandsvorsitzende Ulrich Hartmann, die Stromwirtschaft müsse das Ausstiegziel der Bundesregierung akzeptieren, stimme ihm aber nicht zu, weil sie es wegen der Endlichkeit der Energie-Ressourcen und der CO2-Problematik für falsch halte.

Der Stromkonzern kann die nicht mehr produzierte Reststrommenge auf andere Atomkraftwerke übertragen, die dadurch länger laufen können. Dies hatten Umweltverbände vorab kritisiert. Die Umweltorganisation Greenpeace wies darauf hin, dass der Atommeiler ein „gefährliches Erbe“ in Form von 550 Tonnen hoch radioaktiver Abfälle hinterlasse. Diese strahlten noch Hunderttausende von Jahren.

Demontage der Reaktoren in Lubmin

Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns genehmigte unterdessen die Demontage der 1990 stillgelegten Reaktoren im früheren Kernkraftwerk Nord in Lubmin bei Greifswald. Wie die Energiewerke Nord mitteilten, können nun die Reaktordruckbehälter von allen Leitungen getrennt werden. Die radioaktiv verstrahlten Bauteile sollen später an Ort und Stelle zerlegt werden. Ursprünglich wollten die Energiewerke Nord bereits im Frühjahr mit der weltweit ersten seriellen Demontage russischer Reaktoren beginnen. Das scheiterte aber an technischen Problemen. Der Rückbau des größten ostdeutschen Kernkraftwerkes soll 2010 beendet sein. Dafür stellt der Bund rund 3,2 Milliarden Euro bereit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%