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Carsten Schneider: Der Aufstiegsaspirant

Carsten Schneider war der jüngste Bundestagsabgeordnete aller Zeiten. Inzwischen hat sich der einstige Grünschnabel jedoch als Haushaltspolitiker etabliert und schmiedet große Pläne. Nach der Bundestagswahl will der 33-Jährige in der ersten Reihe Platz nehmen.

Latzhose und buntes Ringelhemd, das Lachen breit, fast schelmisch. So hat ihn der Karikaturist Dieter Hanitzsch im September 1998 gezeichnet: jung, noch fast grün hinter den Ohren.

Von Hanitzsch gezeichnet zu werden war damals, wenige Tage nach seinem überraschenden Einzug in den Bundestag, eine große Ehre für Carsten Schneider. Mit 22 Jahren war Schneider der jüngste Bundestagsabgeordnete aller Zeiten. Der Karikaturist hat wohl geahnt, dass aus dem Burschen noch mehr werden kann.

Heute ist Schneider das, was man als etabliert bezeichnet. Seit elf Jahren ist er Abgeordneter, zwei Mal haben ihn die Menschen in seinem Wahlkreis direkt wiedergewählt. Und die SPD-Fraktion hat ihn zu ihrem haushaltspolitischen Sprecher gemacht.

Mit 33 Jahren ist er kaum wiederzuerkennen. Das verschmitzte Grinsen ist zwar noch da. Aber er ist ernster geworden, reifer. Vorbei ist auch die Zeit der Igelfrisur und der etwas zu großen Sakkos. Heute sitzt Schneider selbstbewusst da, trägt zu Hemd und Jackett eine Jeans und braune Turnschuhe.

Schneider wirkt ruhig, nüchtern, zurückhaltend, pragmatisch. Man könnte dazu neigen, ihn zu unterschätzen - das aber wäre ein Fehler. Noch sitzt Schneider zwar in der zweiten Reihe - noch. Er darf aber immer häufiger ganz vorne Platz nehmen, und zwar immer dann, wenn es um Bad Bank oder Finanzmarktstabilisierung geht. Die wichtigen Themen in der Finanzkrise, da kennt er sich aus, da redet er mit.

Politik könne durchaus zur Sucht werden, hatte er zu Beginn seiner Karriere gefürchtet. Zwölf Jahre wolle er im Bundestag bleiben, auf keinen Fall länger. Ansonsten drohe man zu "verblöden", sagte er damals. Elf der zwölf Jahre sind nun vorbei. Auf die "Naivität eines 22-Jährigen", schiebt Schneider seine damalige Aussage. Heute denkt er keineswegs ans Aufhören. "Die Betriebsrente ist so attraktiv", scherzt er. Doch stattdessen hat Schneider große Pläne. "Anfangs bin ich hingegangen und wollte nichts sein außer einfacher Abgeordneter", sagt er. Das hat sich längst geändert. Welchen Posten er nach der Wahl am liebsten bekommen würde, das verrät er nicht. Dafür aber, was er nicht werden will: Vorsitzender des Haushaltsausschusses. Den stellt nämlich traditionell die größte Oppositionspartei.

Dieses Selbstbewusstsein und den Respekt der Älteren musste Schneider sich hart erarbeiten. Als junger Abgeordneter zog er erst einmal den Unmut der Etablierten auf sich, stand in der Kritik, die Arbeit nicht ernst zu nehmen, sondern als jüngstes Mitglied im Parlament nur den Medienrummel um seine Person zu genießen.

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