Kieler Institut kritisiert mangelnde ökonomische Bildung
Volkswirte wollen Politiker fortbilden

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) plant regelmäßige Fortbildungen für Politiker in Ökonomie. Das bestätigte IfW-Präsident Dennis Snower dem Handelsblatt. Das Institut will eine so genannte Public Policy School erstmals frühestens im Herbst dieses Jahres veranstalten.

DÜSSELDORF. Hintergrund ist die mangelnde ökonomische Bildung der Politiker: „Ärzte können nur praktizieren, wenn sie ausgebildet sind und sich regelmäßig weiterbilden. Die Leute, die wirtschaftspolitische Maßnahmen ausführen, müssen dagegen nicht unbedingt notwendigerweise auf dem letzten Stand der Wissenschaft sein – das tut weh“, sagte Snower.

Um diesen Zustand zu verändern, plant Snower einen regelmäßigen interaktiven Dialog zwischen Politikern und Wissenschaftlern. Vorbilder für diese Idee gibt es in Snowers Heimat Amerika. Dort bereiten Schulen wie die John F. Kennedy School of Government Harvard-Studenten in Vorlesungen auf Laufbahnen in Ministerien vor. Statt einfach Vorlesungen zu halten oder Symposien zu veranstalten, will Snower indes eine „interessante Kombination aus beidem“. Diese Idee sei weltweit einmalig. Führende Ökonomen haben die mangelnde wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung deutscher Politiker in der Vergangenheit immer wieder kritisiert. Zuletzt hatte Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Hartz IV als ökonomisch „blanken Irrsinn“ bezeichnet. Der Grund dafür mag in einer Feststellung von Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), liegen: „Nur die wenigsten Politiker sind Ökonomen.“ Sinn hatte einst Helmut Kohl als Beispiel genannt: Der Alt-Bundeskanzler habe sich außenpolitisch große Verdienste erworben, für das Ökonomische gelte das aber nicht.

Zielgruppe der IfW-Initiative sind sowohl Bundespolitiker als auch Mitarbeiter in den Ministerien. „Viele Mitarbeiter der Ministerien haben ein großes Wissen über konkrete Probleme und institutionelle Zusammenhänge, aber nicht über alle wirtschaftlichen Zusammenhänge und langfristigen Folgen ökonomischer Maßnahmen. Darüber nachzudenken muss unsere gemeinsame Aufgabe sein“, stellte Snower fest. Die unterschiedlichen komparativen Vorteile von Ökonomen und Politikern müssten genutzt werden. „Bislang waren die Reaktionen aller Gesprächspartner in Berlin durchweg positiv“, sagte Snower. An wen genau sich die Idee richtet, wie hoch der Etat sein wird und wie häufig die Schulungen stattfinden sollen, verrät er noch nicht. Das IfW stehe erst am Planungsbeginn.

Der mangelnde Dialog zwischen Wissenschaftlern und Politikern ist nach Snowers Ansicht „ein besonders deutsches Problem“. In Dänemark, Großbritannien, den Niederlanden oder den Vereinigten Staaten finde dagegen ein regerer Austausch statt. So könne man sich viele Miseren ersparen.

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