Kieler Institut warnt: Deutschlands Infrastruktur vergammelt

Kieler Institut warnt
Deutschlands Infrastruktur vergammelt

Wegen der Schuldenbremse fehlt dem Staat das Geld für seine Schienen und Straßen. Die Infrastruktur wird in den kommenden Jahren stark an Wert verlieren. Der Ausweg aus der Misere könnten private Investoren sein.
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KielDie staatliche Infrastruktur in Deutschland wird in den kommenden Jahren rapide an Wert verlieren. Zu dieser Einschätzung kommt das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) in seiner neuesten Mittelfristprognose. Waren Deutschlands Straßen, Schienen und Amtsgebäude vor zehn Jahren noch mehr als 960 Milliarden Euro werten, so werden es 2017 nur noch rund 925 Milliarden sein.

Der Grund: Um die Schuldenbremse einhalten zu können, spart der Staat vor allem bei den Investitionen, nicht aber bei den Ausgaben für Soziales und Verwaltung. Da weder Steuererhöhungen, noch neue Schulden, noch Kürzungen beim Sozialstaat politisch denkbar seien, werde sich dieser Trend weiter fortsetzen, erwartet das IfW.

„Das deutsche Straßennetz wird von Jahr zu Jahr älter und älter“, kritisiert IfW-Forscher Stefan Kooths. Zehn Jahre lang reichten die staatlichen Investitionen schon nicht einmal mehr ausreichen, um den jährlichen Verschleiß zu beheben. Waren die Straßenbeläge in Deutschland Anfang der 1990er-Jahre im Schnitt 20 Jahre alt, so sind es heute bereits 26 Jahre. Bei den Schienen und Wasserstraßen ist es nicht weniger dramatisch.

Für die Unternehmen ist das ein großes Dilemma: „Die deutsche Wirtschaft ist mehr als andere von funktionierenden Verkehrsadern abhängig“, sagt Kooths – zum einen wegen der Lage im Zentrum Europas, zum anderen wegen des großen Industriesektors.

Da der Staat auf absehbare Zeit keine nennenswerten Infrastrukturinvestitionen tätigen werde, schlägt Kooths vor, verstärkt private Investoren für diesen Bereich zu gewinnen. Damit könnten gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Zum einen könne das viele frische Kapital, das aufgrund der lockeren Geldpolitik nach Deutschland ströme, auf diese Weise produktiv genutzt – und gleichzeitig daran gehindert werden, allein in den Immobilienmarkt zu fließen und dort eine Spekulationsblase zu entfachen.

Zum anderen könnte auf diese Weise der Bedarf der Privatwirtschaft nach einer leistungsfähigen Infrastruktur befriedigt werden, ohne die öffentliche Haushaltskonsolidierung abzubrechen. „Bisher hat der Staat bei der Wirtschaft Kredite aufgenommen und das Geld investiert“, sagt Kooths, „doch dieser Umweg ist jetzt verbaut.“ Dennoch hätten gerade Versicherungs- und Finanzkonzerne weiterhin ein großes Interesse an langfristigen Anlagemöglichkeiten: „Privat finanzierte Straßen- und Schienenprojekte, die dann Maut erheben, könnten da ein interessanter Weg sein“, sagt Kooths.

Das Kieler Institut rechnet für die kommenden Jahre mit einer durchaus robusten Konjunktur in Deutschland – und Wachstumsraten von 1,5 bis zwei Prozent zwischen 2015 und 2017. Getrieben werde der Aufschwung ausschließlich von der Binnenwirtschaft, schreiben die Forscher, also vom Konsum der privaten Haushalte und den Investitionen der Unternehmen in neue Produktionskapazitäten, die ab 2014 geradezu explodieren dürften. Gleichzeitig warnen die Forscher allerdings vor allzu großer Euphorie: Wegen der lockeren Geldpolitik könnte die Konjunktur geradezu überhitzen, meint IfW-Konjunkturchef Joachim Scheide. Die mögliche Folge: Eine umso härtere Rezession in den Jahren danach.

Kommentare zu "Deutschlands Infrastruktur vergammelt"

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  • http://www.griechenland-blog.gr/2012/07/erhoehung-der-mautgebuehren-auf-egnatia-autobahn-a2-in-griechenland/8727/8727/

    Das ist doch überall dieselbe finanzoligarchie, die da global abzockt. Wie lange wollen wir uns das eigentlich gefallen lassen?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsmonopolistischer_Kapitalismus

    hoffentlich kollabiert die Zone wenigstens bald, das sich das noch so hinzieht nervt nur noch.

    auch in DE kann man bei vielen nichts mehr abzocken.
    Das merken die nicht mal mehr, weil die schon so weltfremd sind.

    Die Finanzoligarchie muss gestoppt werden. Die Medien in DE sind genauso heruntergekommen bereits wie in der DDR, dieselbe propagandascheiße. Es ist nur noch zum Kotzen, was hier seit den 1990ern passiert.

    Wir sind wieder in der DDR - mitten in der EUDSSR - dieselbe Volksverblödung von allen Seiten.

  • http://de.euronews.com/2012/10/12/spanische-mautautobahnen-viele-betreiber-vor-dem-bankrott/

    Fassen wir zusammen: wenn die Privaten nicht genug Einnnahmen generieren und wieder Probleme haben schreien sie wieder nach den Staat, der dann selbstveständlich die Investoren und Betreiber wieder rettet. Wieso nicht, wir retten ja schon die ganze Zeit immmer mehr.

    und da die Leute wenig Geld haben, verzichten sie entweder auf Fahrten oder konsumieren weniger. Auch logisch soweit. Jemand der noch logisch denken kann und die Einkommens- und Kostenentwicklung kennt, der weiß das sofort. Aber diese Ökonomen meinen, das Wachstum kommt über den Binnenmarkt, obwohl dessen Entwicklung denen anderer Länder hinterherkommt = stagniert.

    Was haben wir für schlaue Ökonomen. Und Finanzinvestoren wollen ja nicht zusätzlich eine fette Rendite für sich generieren, die der Fahrer/Bürger dann auch noch mitbezahlen muss. Selbst Bekannte von mir mit Handwerksfirmen werden sich nicht freuen, wenn sie ihre Preise dann exorbitant anheben müssen, weil sie das Geld wieder reinholen müssen, aber die Löhne sollen weiterhin in DE nicht steigen dürfen oder nur unterdurchschnittlich. Sonst gehts noch?

    DE braucht unbedingt andere Ökonomen, achnee, die heißen hier ja "Top-Ökonomen"

  • Kiel baut gerade einen sinnlosen Innenstadtkanal als Pissrinne und Rattenschwimmbecken! Für so nen Blödsinn ist seltsamerweise immer Geld da. Unnötig wie ein Kropf, da man direkt am Wasser liegt

  • Der witz ist doch der zeitgleiche Hinweise im Artikel, dass DE über Konsum wachsen wird. Wo soll der eigentlich noch herkommen? Die Leute sollen fürs Alter sparen, Steuern, Mauten, Gebühren und Abgaben steigen schneller als die Einkommen, oder wollen die Einkommen dann doch stärker anheben, damit die Leute die Mehrbelastung tragen können?

    Es gibt zu viele realitätsferne Leute in DE, die ihre eigenen Einkommens- und Vermögensverhältnisse als Maßstab ihrer Ideen nehmen. Das andere Wirtschaftsektoren darunter leiden könnten, das merken die nicht mal. Dafür müsste man über den eigenen Horizont hinausdenken können.

    Also gehen wir zurück ins Mittelalter: Wegezoll

    Dann privatisieren wir als nächstes noch die Feuerwehren und Polizei und nur der, der zahlt, wird dann gerettet, der andere verbrennt oder es wird nicht ermittelt. War früher in den USA mit Feuerwehren so: bei nichtbezahlten Rechnungen löschte man die Häuser nicht, sondern nur die vom Nachbarn der bezahlt hatte. Dahin zurück. Super Idee.

  • und mal ganz unter uns mein Freund: ich frag mich immer öfter, was für geistig Umnachtete in DE und anderswo Ökonomie studieren dürfen! Ich studier eine Naturwissenschaft, bin aber jedesmal über die ideologieverseuchte Wirtschaftswissenschaft erschrocken! Neoliberalismus halt

  • wenn ich mich recht entsinne, dann werden übrigens die privaten Autobahnen in Spanien auch vom Staat gerettet gerade. Ich erinner mich dunkel an so ne Geschichte von Lastenübernahme.

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/private-betreiber-vor-insolvenz-spaniens-maut-autobahnen-muessen-gerettet-werden-11798834.html

    das funktioniert mit Privaten Investoren nur, wenn leute noch Geld zum Autofahren haben! alles hängt eben doch an der finanziellen Leistungsfähigkeit der Abgezockten! auch in der BRDDR.

    hier wollen Ökonomen etwas neu erfinden, dass woanders schon scheitert

  • Die südländer sind doch selber alle Pleite! Dort gehen die privaten Autobahnen gerade in Insolvenz (in Spanien) weil die Spanier kein Geld mehr zum Autofahren haben! sind ja zu großen Teilen arbeitslos. Die Normalbürger werden im Endzeitkapitalismus ausgesaugt von allen Seiten, insb. dem Finanzmarktkapitalismus. Das System ist am Ende. Die Verschuldung bei zeitgleichen Finanzblasen exorbitant. Der Turm stürtzt noch ein. Auch in DE Nullwachstum, wenn die Leute immer größere Anteile in Moblilität an Finanzinvestoren abgeben müssen um Infrastruktur zu bezahlen, die sie mit Steuern schon finanziert haben. 80% des Einkommens gehen irgendwann so indirekt und direkt über Steuern, Mauten, Gebühren, Abgaben an den Staat und die Finanzoligarchie.
    man nennt das System in dem wir leben übrigens Stamokap! Die Gesellschaften sind in Wirklichkeit am Ende, es wird weiter bergabgehen.

  • Dies Vorschlag ist nichts neues, ist schon längst politisch so geplant. Die Leute werden das Geld, was sie dann in Maut stecken müssen beim Konsum und anderem sparen. Nebenbei verscherbelt man Volksvermögen, wozu auch Straßen gehören. Im übrigen: bei uns in den Landtagsdebatten will die Politik immer mit Absicht die Straßen verkommen lassen, als Anreiz damit weniger gefahren wird verrückterweise.

    Diese Parteien werden sicher diesen Konzepten zustimmen für Privatisierung und Wegezoll. Selbe haben mit Absicht aber weniger in Straßen investiert, um die Leute möglichst von der Straße zu kriegen. Da aber 80% der Fahrten Fahrten zur Arbeit sind, ein sinnloses unterfangen. So wurden in diesem Bundesland hier die Fernpendler wesentlich ausgedehnt, weil man nicht für jede befristete Stelle immer gleich umziehen und Familie verlassen kann z.b.

  • Vorbild SPANIEN:
    Wunderbare Autobahnen und Strassen ohne Verkehr von der EU bezahlt.
    Das sollte herr ramsauer sich zum Vorbild nehmen.

  • und nochwas: nicht nur straßen, brücken und schienen sind marode - neuerdings (?) auch schleusen....

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