Kieler Prognose
Haushaltsdefizit sinkt weiter kräftig

Finanzminister Schäuble kann sich auf noch bessere Einnahmen freuen als bislang erwartet. Das sagt zumindest der Finanzexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft voraus.
  • 22

BerlinDie Finanzlage des Bundes bessert sich dank der starken Konjunktur deutlich schneller als die Bundesregierung bisher in ihren Planungen unterstellt. Zu diesem Ergebnis kommen neue Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). „Nach 29 Milliarden Euro in diesem Jahr wird der Bund im Jahr 2012 nur etwa 19 Milliarden Euro Defizit machen“, sagte IfW-Finanzexperte Alfred Boss dem Handelsblatt (Montagausgabe). Das wären rund acht Milliarden Euro weniger als es der kürzlich vorgelegte Haushaltsentwurf von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für das kommende Jahr vorsieht.

Auch für die Finanzentwicklung der Bundesagentur für Arbeit (BA) kommt Boss zu nochmals günstigeren Ergebnissen als die Nürnberger Behörde selbst. Nach den Berechnungen des IfW-Forschers wird die BA in diesem Jahr ein Defizit von 1,5 Milliarden Euro einfahren und 2012 bereits einen Überschuss von 1,2 Milliarden Euro erzielen. Damit könnte sie das für 2011 notwendige Darlehen des Bundes bereits im Folgejahr beinahe vollständig tilgen. Die BA selbst hatte am Freitag eine neue Prognose vorgelegt, wonach sie für 2011 mit einem Defizit von 1,9 Milliarden Euro rechnet. Auch das ist bereits erheblich günstiger als ihre ursprüngliche Planung zu Jahresbeginn, die noch von einem fast dreimal so hohen Fehlbetrag ausgegangen war.

Hauptgrund der Verbesserungen ist Boss zufolge die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Lohnsumme, die von steigenden Löhnen und steigender Beschäftigung gleichermaßen nach oben getrieben wird. Im zweiten Quartal dürfte die Lohnsumme „mindestens so stark wie im ersten Quartal gestiegen sein“, sagte Boss. Von Januar bis März war die Lohnsumme bereits um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Kieler Prognose: Haushaltsdefizit sinkt weiter kräftig"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Hans,
    es geht mir nicht um eine Bewertung auf "Heller und Pfennig".
    Deutschland ist doch eine Replubik!
    Wenn ein Apfel viele faule Stellen hat, dann ist der Apfel kaum als einwandfrei anzusehen. Die vielen faulen Stellen sind aber höchst ansteckend.

  • 2009 klingt schon ganz anders.
    Nordrhein-Westfalen hat ja bereits 2005 mit der Konsolidierung begonnen. Andere Bundesländer folgten.
    Somit mögen Sie Recht haben, aber gilt das auch für das gesamt Deutschland? Nein!
    Also haben Sie damit eigentlich nichts Neues dazu beigetragen und mein Kommentar bleibt auch weiterhin unumstößlich. Sowohl der Artikel als auch mein Kommentar bezogen sich auf den Staat, nicht auch einzelne Bundesländer. Oder sind Sie nun in der Lage Deutschland zu bewerten, nur weil Ihnen die Daten einiger weniger Bundesländer zur Verfügung stehen? Sicherlich nicht!

  • Tut mir leid, aber dem kann ich nicht zustimmen.
    Ich bitte um eine Quelle + Nachweis über die Art der Erfassung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%