Kind und Karriere
Wann ist ein Mann ein Mann?

Ist die Rolle des Vaters hier zu Lande unterentwickelt? Diese Frage lässt sich nur schwer beantworten, denn vom wissenschaftlichen Standpunkt her ist der Mann und erst recht der Vater ein weitgehend unbekanntes Wesen. Zwei neue Studien lüften erste Schleier um das Geheimnis der Männlichkeit.

HAMBURG. „Die berufstätige Mutter muss ein verlässliches Betreuungsangebot haben“, sagte der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber am Wochenende dem „Tagesspiegel“ zum Thema Kita-Plätze. Man dürfe aber nicht diejenigen abwerten und ausgrenzen, die wegen ihrer Kinder aus der Erwerbstätigkeit aussteigen. Und der berufstätige Vater? Der kommt im Streit über die Finanzierung der Familienpolitik nicht vor – nicht nur bei der CSU.

Groß war die Empörung, als Familienministerin Ursula von der Leyen vor kurzem in einem Interview den Männern eine Teilverantwortung für die demographische Krise gab. Deren Selbstverständnis hinke der Wirklichkeit hinterher, viele sähen ihre Bestimmung allein in der Karriere und übernähmen zu selten praktische Verantwortung in der Familie, kurz: Die Vaterrolle sei hier zu Lande unterentwickelt.

Von der Leyen verbreite ein „antiquiertes Männerbild“, schimpfte Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm. Sie halte Männer für „familienscheue Drückeberger“ und tue damit „Millionen von Männern Unrecht“. Was ist richtig? Schwer zu sagen, denn vom wissenschaftlichen Standpunkt ist der Mann und erst recht der Vater ein weitgehend unbekanntes Wesen.

Die Sozialforscher wissen bisher nicht einmal, wie viele Kinder der durchschnittliche deutsche Mann heute hat – und in welchem Alter er sie bekommt. Daten dazu gibt es nicht. Doch zwei neue Untersuchungen lüpfen zumindest erste Schleier um das Geheimnis der Männlichkeit. Das Ergebnis: Von der Leyen hat Recht. Schönbohm hat auch Recht. Und wahrscheinlich liegt genau da das Problem: Die Sache ist kompliziert.

1 500 Väter von Grundschulkindern befragten die Soziologen Andrea Bambey und Hans-Walter Gumbinger vom Frankfurter Institut für Sozialforschung. Sie stellten einen Katalog von 165 Fragen auf, um mehr über deren Lebensalltag und ihre Rollenmuster zu erfahren. Das wichtigste Ergebnis der Studie: Vater ist nicht gleich Vater. Die Wissenschaftler machten sechs verschiedene Vätertypen aus, die sich zum Teil deutlich voneinander unterscheiden.

Die größte Gruppe bildeten mit 28 Prozent die „egalitären Väter“: Sie sind ihren Kindern gegenüber engagiert und emotional zugewandt, die Erziehung verstehen sie als Projekt, das sie sich mit ihrer Partnerin ebenso wie die anstehenden Aufgaben teilen. Ihnen sehr ähnlich sind die partnerschaftlich-traditionellen Väter, die sechs Prozent der Befragten ausmachten. Sie beteiligen sich stark an der Erziehung und fühlen sich von ihrer Partnerin sehr akzeptiert. Allerdings sehen sie ihre Hauptaufgabe darin, den Unterhalt der Familie zu sichern. Dennoch: Geht es nach dieser Studie, liegt Schönbohm zu 34 Prozent richtig. Immerhin.

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