Kinder als harter ökonomischer Standortfaktor
Familien sollen dem Standort Deutschland helfen

Als Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) 1998 sein erstes Schattenkabinett vorstellte, fiel ihm die richtige Bezeichnung nicht ein. „Ministerin für Familie und Gedöns“, stellte er die damalige Kandidatin Christine Bergmann (SPD) vor.

HB BERLIN. Das hat sich gründlich geändert. Inzwischen steht Familie ganz oben auf der Agenda des in dritter Ehe verheirateten Familienvaters. Am Mittwoch wird der ehemals bekennende Macho auf der zweiten von der Wirtschaft ausgerichteten familienpolitischen Tagung den Hauptvortrag halten. Neue politische Ankündigungen wird es nicht geben. Es bleibt beim von Bergmanns Nachfolgerin Renate Schmidt (SPD) entwickelten Dreiklang: Ausbau der Kinderbetreuung, Optimierung der Geldleistungen angesichts knapper öffentlicher Kassen und eben die Kooperation mit der Wirtschaft.

Neu ist allerdings die Gewichtung. Vom weichen Sozialklimbim, um den sich vor allem Kirchen und Wohlfahrtsverbände kümmerten, hat Schmidt in enger Kooperation mit dem Kanzleramt die Familienpolitik zum harten ökonomischen Standortfaktor gemacht. Einen vergleichbaren Bedeutungsgewinn hat nur die Bildungspolitik erlangt. Und Schröder hat diese Umgewichtung spätestens seit 2000 aktiv betrieben. Damals beauftragte er Schmidt damit, ein neues familienpolitisches Programm der SPD zu erarbeiten. Zwei Jahre später und holte er die zunächst widerstrebende Power-Frau in sein Kabinett.

Sie hat seither nicht alles, aber vieles anders gemacht, als ihre Vorgänger. Vor allem sandte sie der Wirtschaft von Anfang an das Signal, dass sie nicht daran denke, ihr Mittun bei der Umsetzung des Ziels einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit neuen Auflagen und Verboten zu erzwingen. „Statt auf Zwang haben wir auf Kooperation gesetzt und dieses Konzept ist aufgegangen“, sagt Malte Ristau vom Ministerium.

Über 1 200 Unternehmen und mehr als die Hälfte der 82 Industrie- und Handelskammern arbeiten inzwischen aktiv in den lokalen Bündnissen für Familie mit. Viele der Bündnisse gehen auf die Initiative ortsansässiger Unternehmen zurück. Die Spitzenverbände der Wirtschaft, allen voran der Chef des DIHK, Ludwig Georg Braun, werben aktiv für familienfreundliche Unternehmenspolitik. Die Checkliste zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die der DIHK herausgegeben hat, ist zur meist nachgefragten Broschüre des Verbands geworden.

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