Kinderbetreuung: „Die Rabenmutter ist Vokabular von gestern“

Kinderbetreuung
„Die Rabenmutter ist Vokabular von gestern“

In der CSU schwindet der Widerstand gegen den Ausbau der staatlichen Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder. Von einer „völlig überzogenen Diskussion“ ist jetzt die Rede. Die SPD nutzt das Verstummen vieler Kritiker, um aufs Tempo zu drücken. Noch in diesem Jahr sollen die Pläne der Familienministerin umgesetzt werden. Dabei sieht der DIHK vor allem die Unternehmen in der Verantwortung.

HB BERLIN. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, hat die Unternehmen zu größeren Anstrengungen bei der Kinderbetreuung aufgefordert. Wenn es den Betrieben gelinge, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, „werden sie als Arbeitgeber für Fachkräfte deutlich attraktiver“, sagte Braun der Chemnitzer „Freien Presse“.

Zum anderen sei die umlagefinanzierte soziale Sicherung Deutschlands geradezu auf Nachwuchs angewiesen, da sonst die Beiträge explodierten und mit ihnen die Lohnzusatzkosten. Braun verwies auf Studien, wonach sich Familienfreundlichkeit von Betrieben in Euro und Cent auszahle. So kehrten Mütter und Väter erheblich schneller aus der Elternzeit an ihren Arbeitsplatz zurück und auch Fehlzeiten verringerten sich. Kritik übte der DIHK-Präsident an den Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen. So hätten zwar 70 Prozent der Kitas vor 7.30 Uhr geöffnet, jedoch nur fünf Prozent nach 18.00 Uhr.

Vor allem die Union ringt derzeit um ihren Kurs in der Familienpolitik. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist mit ihren Plänen zum Ausbau der Kinderbetreuung auf Kritik aus der CSU gestoßen.

Die Behauptung der Ministerin, dass es „das Beste sei, die Kinder zwölf Monate nach der Geburt in professionelle Hände zu geben“, sende den Eltern falsche Signale, sagte Sachsens Kultusminister Steffen Flath (CDU) der „Sächsischen Zeitung“. Flath warnte die Eltern davor, die Verantwortung für die Erziehung der Kinder an den Staat abzuschieben. Das gelte sowohl für die Krippenbetreuung als auch für die Schulen.

Er fühle sich in der Debatte um die Familienpolitik erneut an die DDR erinnert, sagte Flath der Zeitung. „Kurz nach der Wende hätte ich nicht gedacht, dass wir uns noch im Jahr 2007 mit einer solchen großen Staatsgläubigkeit herumschlagen müssen.“

Die Ministerin will die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren bis 2013 auf rund 750 000 verdreifachen. Dann könnten bundesweit etwa 35 Prozent dieser Mädchen und Jungen in Kitas oder von Tagesmüttern betreut werden. Die Zusatzkosten beziffert die Bundesfamilienministerin auf jährlich drei Milliarden Euro.

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