Kinderbetreuung
Merkel contra Mixa

Der katholische Augsburger Bischof Walter Mixa muss sich wegen seines "Gebärmaschinen"-Vorwurfs beim Thema Kinderbetreuung immer mehr Widerspruch gefallen lassen. Evangelische Kollegen protestieren, aber auch CDU-Politiker. Jetzt stellt sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hinter ihre Familienministerin von der Leyen.

HB BERLIN. Mixa hatte die Regierungspläne zur Kinderbetreuung kritisiert, sie degradierten Frauen zu „Gebärmaschinen“. „Frau von der Leyen möchte das Programm der Union verwirklichen", verteidigte indes Merkel ihre Parteifreundin; "Mütter und Väter sollen bei der Erziehung der Kinder Wahlfreiheit haben, soweit das staatliche Rahmenbedingungen ermöglichen können“, sagte Merkel in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) will die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren bis 2013 auf rund 750 000 verdreifachen.

„Ich unterstütze Frau von der Leyen, wenn sie auf einen Ausbau der Kinderbetreuung dringt. Und was die Finanzierung angeht, so sage ich: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.“ Die Kanzlerin kündigte intensive Gespräche über das Thema zwischen Kommunen, Ländern und dem Bund an. Sie verwies darauf, dass es in den neuen Bundesländern für etwa 40 Prozent der Kinder im Alter von weniger als drei Jahren Betreuungsmöglichkeiten gebe. Das sei „nahezu bedarfsgerecht“. In den alten Bundesländern seien es durchschnittlich sieben Prozent – „weit entfernt von einem Zustand, in dem die, die ihre berufliche Tätigkeit fortsetzen wollen, das auch überall so können“, kritisierte Merkel.

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers sagte, die Ministerin habe völlig recht, dass die Kinderbetreuung für unter Dreijährige massiv ausgebaut werden müsse. In der „Bild am Sonntag“, wies er zudem Vorwürfe von Parteikollegen zurück, die Politik von der Leyens verwische das konservative Profil der Partei. Krippenplätze erleichterten die Entscheidung vieler Paare für Kinder, sagte er. Die Ministerin wurde auch von CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla in Schutz genommen. Die Äußerungen Mixas nannte er einen unglaublichen Vorwurf, der geschmacklos gegenüber von der Leyen „und vor allem geschmacklos ist gegenüber Millionen von Müttern in Deutschland“.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat die Kritik der katholischen Kirche am geplanten Ausbau der Kinderbetreuung als ungerechtfertigt zurückgewiesen. „Die Rolle von Mutter und Vater wird nicht dadurch geschmälert, dass sich zeitweilig auch andere um das Kind kümmern – auch schon in jungen Jahren“, sagte Wulff der Agentur dpa in Hannover. „Man sollte nicht in die leidige Diskussion der Vergangenheit zurückfallen, dass Mütter, die ihr Kind zeitweilig in Betreuungseinrichtungen geben, Rabenmütter sind.“

Mixa war für Wortwahl und Inhalt seiner Aussage zuvor bereits kritisiert worden. Der Augsburger Bischof hatte die Vorstellungen der Ministerin als „kinderfeindlich und ideologisch verblendet“ kritisiert. Er sprach davon, die Frau werde zur „Gebärmaschine“ degradiert. Wulff sagte: „Ich akzeptiere nicht die Kritik an Ursula von der Leyen, dass die Betreuung und Förderung von Kindern in Tagesmüttermodellen und Betreuungseinrichtungen eine schlechte Erfahrung ist.“ Diese könnten die „Erfahrungen von Kindern mit Mutter und Vater“ sinnvoll ergänzen. In die Entscheidung, inwieweit Familien Beruf und Kinder verbinden wollten, „hat sich niemand einzumischen“, sagte Wulff. „Die Politik hat nur die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Eltern tatsächlich Wahlfreiheit leben können.“

Mit seinen Angriffen auf von der Leyen stößt Mixa unterdessen auch in der eigenen Kirche auf Kritik. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans-Joachim Meyer, sagte der „Leipziger Volkszeitung“, er könne die Wortwahl nicht nachvollziehen. Dagegen hat sich die Junge Union vorsichtiger geäußert. „Wenn Bischof Mixa sagt, wir brauchen familiengerechte Arbeitsplätze, nicht arbeitsgerechte Familien, hat er durchaus Recht“, sagte JU-Chef Philipp Mißfelder der Tageszeitung „B.Z.“ (Sonntagausgabe) laut einer Vorabmeldung. Die Wirtschaft sei aufgefordert, etwa mit Betriebskindergärten mehr für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu tun. „Frauen brauchen in der heutigen Zeit wirkliche Wahlfreiheit.“ Mißfelder sagte zu den Angriffen gegen Mixa: „Ich bin gläubiger Katholik und finde es gut, wenn die Kirche ihre Meinung vertritt.“

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