Kinderhilfswerk
Unicef-Vorstand kritisiert das „Problem Simonis“

Das Kinderhilfswerk Unicef steht weiter mit dem Rücken zur Wand. Mit Hilfe prominenter Unterstützung verteidigte sich jetzt der Vorstand der deutschen Sektion. Die gemachten Fehler seien kaum gravierend. Dennoch soll es Reformen geben. Das eigentliche Problem der letzten Tage sei Heide Simonis. Immer mehr andere Unicef-Botschafter sehen das anders.

HB BERLIN. Die in die Krise geratene Hilfsorganisation Unicef Deutschland hat Untreue-Vorwürfe zurückgewiesen und mehr Transparenz bei der Spendenwerbung angekündigt. „Zweifellos befindet sich das Deutsche Komitee von Unicef in einer Krise“, sagte der neue Vorsitzende Reinhard Schlagintweit während einer Pressekonferenz zu den Vorwürfen der letzten Tage gegen das Kinderhilfswerk. Die Vertrauenskrise sei entstanden, weil die verbreitete Praxis hochprofessioneller Spendenwerbung nicht ausreichend offen gelegt worden sei, sagte Schlagintweit.

Das Hauptziel, die Spendentätigkeit fortzusetzen, könne nur auf der Basis des Vertrauens erreicht werden. Der Vorsitzende kündigte „neue Konzepte der Kommunikation und der Erkenntnis“ an. Seiner Vorgängerin Heide Simonis, die am Wochenende zurückgetreten war, warf Schlangintweit vor, ihr habe die Fähigkeit gefehlt, sich in einer schwieriger Situation voll hinter das Komitee zu stellen. Schlangintweit sprach von „einem Problem Simonis“.

Unterstützung bekam die deutsche Unicef-Führung von TV-Moderatorin Sabine Christiansen, die sich seit Jahren als Botschafterin für das Kinderhilfswerk einsetzt. Sie sei, sagte Christiansen, mehr als traurig, weil begangene Fehler und die aktuelle Krise jahrzehntelange Arbeit beschädigt hätten. „Hier sind keine Spenden veruntreut worden“, versicherte sie. Im Krisenmanagement seien allerdings Fehler gemacht worden. Sie wolle sich nun noch stärker engagieren, kündigte Christiansen an.

Auch Vorstandsmitglied Rolf Seelmann-Eggebert verteidigte die aktuelle Unicef-Führung, forderte aber ebenfalls Änderungen. Die Eckpunkte für „nächste Schritte“ der Organisation sähen unter anderem vor, ein Leitbild für die Spendenwerbung zu erarbeiten. Außerdem solle die Transparenz und die Kontrolle der Finanzen verbessert werden. Es gehe darum, zwei Säulen der Spendenwerbung zu verbinden, nämlich die der 8000 Freiwilligen und die professioneller Spendensammler, die unentbehrlich seien. Für beides ein gemeinsames Fundament zu finden, sei schwierig, sagte Seelmann-Eggebert.

Andere prominenten Unicef-Botschafter dagegen sind kritischer. Der Teammanager der Fußball-Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, sagte der „Bild“-Zeitung: „Eine Organisation wie Unicef Deutschland, die rund 100 Millionen Euro im Jahr an Spenden einnimmt, muss professionell geführt werden.“ Die aktuelle Krise sei ärgerlich. Nötig sei nun mehr Offenheit zu internen Vorgängen. Ex-Nationaltorwart Toni Schumacher, der ebenfalls Unicef-Repräsentant ist, forderte sogar den Rücktritt der Geschäftsführung und des Vorstands des Trägervereins: „Die Verantwortlichen müssen den Kopf dafür hinhalten und zurücktreten.“

Die Sprecherin der Ehrenamtlichen im Vorstand, Carmen Creutz, wies den Eindruck zurück, die Engagierten vor Ort gingen scharensweise von der Stange. „Wir wollen alle weiter arbeiten für die Sache“, sagte sie. Simonis habe die Arbeit von Unicef beschädigt. „Die letzten Wochen waren für uns Ehrenamtliche ein Albtraum“, sagte Creutz.

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