Kinderkrebs-Studie
Budestag streitet über Strahlenrisiken

Eine Studie zu Krebs bei Kindern nahe Atommeilern hat für Streit im Bundestag gesorgt. Befürworter und Gegner der Atomkraft warfen sich gegenseitig vor, die Studie für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Jetzt sollen die Daten noch einmal überprüft werden.

HB BERLIN. Die Studie zu Krebsrisiken für Kleinkinder in der Nähe von Atommeilern hat im Bundestag für eine kontroverse Debatte gesorgt. In einer von den Grünen beantragten aktuellen Stunde warfen sich Befürworter und Gegner der Atomkraft vor, die Studie für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Alle sprachen sich indes dafür aus, die Erforschung des Zusammenhangs weiterzubetreiben.

Die Studie des Deutschen KinderKrebsregisters im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz hatte festgestellt, dass Kinder unter fünf Jahren, die in der Nähe von Atomkraftwerken aufwachsen, häufiger an Leukämie erkranken als andere. Eine Erklärung dafür lieferte sie nicht. Auch ein zufälliger Zusammenhang wurde nicht ausgeschlossen. Müller warnte, es dürfe keine Schwarz-Weiß-Debatte geführt werden. Zunächst müsse Ursachenforschung betrieben werden. Gleichzeitig betonte er: „Im Zweifelsfall muss das Vorsorgeprinzip gelten.“

Der Grünen-Abgeordnete Hans-Josef Fell forderte die Betreiber von Atomkraftwerken dazu auf, im Sinne des Verursacherprinzips nachzuweisen, dass die erhöhte Zahl von Krebsfällen nicht vom laufenden Betrieb der Kernreaktoren verursacht werde. „Sollten sie diesen Nachweis nicht erbringen, müssen sie aufgefordert werden, die Kernreaktoren stillzulegen, was mit einer Stromversorgung aus radioaktivitätsfreien erneuerbaren Energien möglich ist.“ Seine Parteifreundin Sylvia Kotting-Uhl sagte, die richtige Schlussfolgerung aus der Studie müsse lauten: „Im Zweifelsfall für die Opfer.“

Auch der Linksfraktionsabgeordnete Hans-Kurt Hill forderte, die Atomanlagen in Deutschland müssten ihren Betrieb schnellstmöglich einstellen. „Das verlangt das Vorsorgeprinzip und die Gefahrenabwehr.“

Die Unions-Abgeordnete Maria Flachsbarth warf Grünen und Linksfraktion vor, „unverantwortlich die Ängste der Menschen für eigene politische Zwecke zu missbrauchen“. Die erhöhte Zahl der Leukämiefälle könne unter Umständen mit anderen Faktoren oder mit Zufall erklärt werden. Zunächst müsse weiter Ursachenforschung betrieben werden. Die FDP-Abgeordnete Angelika Brunkhorst warf den Grünen vor, sie wollten die Debatte über die Atomkraft lediglich „am Kochen halten“. Die Studie beruhe auf einer geringen Fallzahl und sei in der Risikobewertung mit großen Unsicherheiten behaftet.

Auch der SPD-Abgeordnete Christoph Pries warf den Grünen Hysterie vor. Allerdings machte er auch Union und FDP den Vorwurf, sie wollten lediglich abwiegeln. Richtig sei es, weitere Auswertungen vorzunehmen. Unabhängig davon betonte er: „Die Atomenergie ist eine Risikotechnologie, die wir nicht mehr für zeitgemäß halten.“ Der Atomausstieg bleibe die richtige Entscheidung.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat die Strahlenschutzkommission mit einer umfassenden Bewertung der Studie beauftragt. Ergebnisse dazu erwartet das Ministerium im kommenden Jahr. Danach soll über das weitere Vorgehen entschieden werden.

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