Kinderpornografie-Affäre
Edathy zettelt Kampagne an

Lange hat Sebastian Edathy geschweigen. Nun hat er einen alten Kumpel verraten und das BKA ins Zwielicht gesetzt – kurz vor dem Untersuchungsausschuss. Wird er am Donnerstag prominente Genossen ans Messer liefern?
  • 0

Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy ist nach eigener Darstellung von seinem Parteifreund Michael Hartmann vor möglichen Kinderpornografie-Ermittlungen gewarnt worden. Das enthüllte Edathy im Gespräch mit dem „Stern“, wie das Hamburger Magazin am Samstag mitteilte. Der Fall hatte im Frühjahr der schwarz-roten Koalition den Start verhagelt, CSU-Minister Hans-Peter Friedrich trat zurück. An diesem Donnerstag will der 45-Jährige nach Berlin zurückkehren und vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss erscheinen.. Dort stieg er zum Jungstar der Sozialdemokraten auf. Machte sich als Vorsitzender des Bundestags-Ausschusses zu den rechtsextremen Morden der NSU-Bande einen Namen.

Dem „Stern“ erzählte er, Hartmann habe ihm am Rande des SPD-Parteitags in Leipzig im November 2013 in einem persönlichen Gespräch über die Erkenntnisse des Bundeskriminalamtes (BKA) informiert. Der rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Hartmann wiederum soll nach Angaben Edathys die Information angeblich vom damaligen BKA-Präsidenten Jörg Ziercke erhalten haben.Hartmann ist ein alter Kumpel von Edathy. Warum liefert der ihn jetzt ans Messer?

Dann tut sich jener Abgrund auf, in den auch die Karriere vom einstigen CSU-Innenminister Hans-Peter Friedrich gerissen wurde. Er erzählte der SPD-Spitze im Oktober 2013 (da wurde noch an der GroKo geschmiedet) von möglichen Ermittlungen gegen Edathy, der nach Überzeugung der Staatsanwälte Bilder oder Filme nackter Jungs über einen Bundestagsserver herunterlud, was dieser bestreitet. Seitdem bewegt eine Frage den Berliner Politikbetrieb: Wer wusste was wann von wem - und wer warnte Edathy, dass ihm das BKA mit Material aus Kanada auf der Spur ist? Monatelang müht sich der Edathy-Ausschuss ab, nur ein vager Hinweis aus einem Telefongespräch Edathys kam dabei heraus. Bis zu diesem Wochenende.

In der SPD-Fraktion wittern sie eine „Schmutzkampagne“, die Edathy anzetteln wolle. Auch die CDU reagierte zurückhaltend. Ihr Obmann im Bundestags-Untersuchungsausschuss, Armin Schuster, nannte Edathys Vorwürfe sehr ernst. Sie stünden aber im Widerspruch zu seinen bisherigen Erklärungen.

Was passiert, wenn dieser am Donnerstag vor der Presse - wo er nicht unter Eid steht - prominente Genossen mit reinzieht? Dabei kann weiterhin nicht ausgeschlossen werden, dass Edathy aus den Medien vom Auffliegen des Kinderporno-Anbieters in Kanada erfuhr, dessen Kundenliste dann beim BKA landete. Bei Facebook hat Edathy in den letzten Monaten eher zynisch und verbittert die eigene Affäre kommentiert. Man kann den Eindruck gewinnen, dass er versucht, sich zuallererst als Opfer zu sehen. Vorverurteilt, auch von den eigenen Leuten.

So schildert er am 7. Dezember einen Anruf bei einer großen Kreditkartenfirma. Seine Karte geht plötzlich nicht mehr. Er hört, dass sein Konto gelöscht wurde. „Ich bin seit 20 Jahren Kunde bei Ihnen“, erwidert Edathy. Er habe noch nicht mal eine Kündigung bekommen. „Das war ein Fehler, das stimmt. Aber Sie können gerne einen neuen Antrag stellen“, sagt die Stimme am anderen Ende der Leitung. Ein Wort echten Bedauerns ist von Edathy bisher nicht bekannt. Die „Stern“-Reporter, die sich mehrfach mit ihm treffen, wollen bei der Glaubwürdigkeit ihrer Quelle auf Nummer sicher gehen. Sie fordern, dass er seine Behauptungen an Eides Statt untermauert. Das tut er auch.

Aber liefert er irgendwann harte Beweise? Der frühere BKA-Präsident Jörg Ziercke dementiert Edathys Darstellung prompt. Er habe Hartmann nicht informiert. Dem Ex-SPD-Innenexperten Hartmann werden aber gute Kontakte zur Wiesbadener Behörde nachgesagt. Ende November 2013 spricht Hartmann dann seinen Fraktionschef Thomas Oppermann darauf an, dass es Edathy schlecht gehe.

Seite 1:

Edathy zettelt Kampagne an

Seite 2:

Edathy lebt wohl in Nordafrika

Kommentare zu " Kinderpornografie-Affäre: Edathy zettelt Kampagne an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%