Kinderreport vom Deutschen Kinderhilfswerk: Mehr Mitsprache für die Kleinen

Kinderreport vom Deutschen Kinderhilfswerk
Mehr Mitsprache für die Kleinen

Kinder wollen mitreden und in der Politik Gehör finden. Das zeigt der Report 2015 des Kinderhilfswerks. Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland dabei vor allem in einem Punkt schlecht ab.
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Düsseldorf„Ich hab' ein Haus, ein kunterbuntes Haus, ein Äffchen und ein Pferd, die schauen dort zum Fenster raus.“ Pippi Langstrumpf macht sich die Welt, wie es ihr gefällt. Dass das nicht allen Kindern weltweit sowie in Deutschland so geht, zeigt der Kinderreport 2015 vom Deutschen Kinderhilfswerk (DKHW). Besonders schlecht abgeschnitten haben die Bereiche Mitbestimmung in der Gesellschaft und die allgemeine Rechtslage von Kindern. Es wurden mehr als 1000 Personen befragt, altersübergreifend. Die Bewertung erfolgte in Schulnoten, die für den Bericht in repräsentative Mittelwerte umgewandelt worden sind.

Die Noten zur Mitbestimmung von Kindern gehen weit auseinander: Während sie die Mitsprache in der Familie positiv sehen, fällt die Bewertung in der Schule, den Kommunen und im Wohnumfeld deutlich ab. Vor allem empfinden Kinder und Erwachsene Ignoranz von Seiten der Bundesregierung, was politische Entscheidungen angeht. Die Note 5,1 verdeutlicht: Hier fühlen sich Kinder missverstanden beziehungsweise nicht beachtet. Thomas Krüger, DKHW-Präsident meint, dass die Kompetenzen von jungen Menschen für eine selbstbestimmte Positionierung – auch bezüglich der Mediennutzung – gefördert werden müssten. „Denn nur so können Kinder ihr Recht auf demokratische Teilhabe an der Informationsgesellschaft wirklich in die Tat umsetzen.“

Kinderreport vom Deutschen Kinderhilfswerk

Wie stark bestimmen Kinder und Jugendliche in der Gesellschaft mit?

(Mittelwert)


Hier decken sich übrigens die Umfragewerte aus der Elternbefragung weitestgehend mit denen der Kinder, wobei die Eltern der Mitbestimmung in Familie und Politik geringfügig bessere Noten geben. Jetzt stellt sich die Frage: Welcher Eindruck stimmt? Stichwort Mitbestimmung.

Neben der generellen Betrachtung der Mitbestimmung, beleuchtet das Kinderhilfswerk auch die Maßnahmen, um dies zu verbessern. In dem Report heißt es, die Kinder in Deutschland hätten ein großes Bedürfnis, sich mehr zu beteiligen. Dafür sehen die Autoren mehrere Wege, das auch zu tun. Beispielsweise sollen Schülervertreter einen größeren Einfluss sowie mehr Unterstützung von Eltern und Lehrern erhalten. „Auch eine eher abstrakte Aktion wie die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz wird als Begünstigung der Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen gesehen.“ Bei Eltern hingegen existiere weniger Vorstellungsgabe bezüglich konkreter Veränderungen.

Krüger: „Kinderrechte sind kein Gedöns, sie gehören ins Zentrum der politischen Aufmerksamkeit.“ Damit meint er unter anderem, dass die Betrachtung von Kinderrechten im Grundgesetz verbessert werden sollte. Verabschiedet wurden die Rechte von Kindern und Jugendlichen nämlich von der Uno, der Organisation der Vereinten Nationen; im selben Zug wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte im Jahr 1948. In Deutschland richtungsgebend für Kinderrechte sind die entsprechenden Absätze im achten Sozialgesetzbuch (SGB VIII) und im Jugendgerichtsgesetz.

In der Politik angekommen, ist Krügers Tenor zumindest. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags Claudia Roth, folgert aus der Uno-Festlegung, dass Kinder in anderen Ländern mehr Rechte hätten als die in Deutschland. „Es muss unser Ziel sein, Kindern ein Recht auf Fürsorge, Bildung, bestmögliche Entwicklung und individuelle Förderung zu garantieren. Dafür brauchen Kinder eine starke Stimme. Es wird Zeit, dass sich der Bundestag in Gänze endlich als solche versteht.“ Der Schutz von Kinderrechten gehöre schließlich zur Nachhaltigkeitspolitik im „Wortsinne“, so die Grünen-Politikerin.

Für den Kinderreport 2015 wurden insgesamt 1.020 Personen gefragt. Darunter waren Kinder und Jugendliche zwischen 10 bis 17 Jahren sowie Eltern von Kindern des gleichen Alters. Abgesehen von Recht und Mitbestimmung standen noch die Themen Kinderarmut, Medien sowie Spiel und Freizeit auf der Agenda.

Annika Reinert
Laura Waßermann
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin

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