Kindesmisshandlungen
Familienministerin fordert „Frühwarnsystem“

Angesichts der jüngsten Kindesmisshandlungsfälle will die Bundesregierung jetzt handeln: Familienministerin Ursula von der Leyen kündigte an, ein Frühwarnsystem gegen Misshandlung und Verwahrlosung aufzubauen. Die Präventionsmaßnahmen sollen bereits während der Schwangerschaft starten.

HB BERLIN. Die Zahl der gemeldeten Kindesmisshandlungen ist nach einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ seit 1996 um rund 50 Prozent gestiegen. Dies gehe aus neuen Statistiken des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte dazu in der Zeitung politische Konsequenzen an.

„Der Staat muss sich auch besonders um die Kinder kümmern, die auf der Schattenseite des Lebens geboren werden“, sagte sie. Sie strebe eine Art „Frühwarnsystem“ an, um das Risiko, dass Kinder verwahrlosen oder misshandelt werden, zu verringern. In ihrem Etat seien zudem rund zehn Millionen Euro zur Stärkung der frühkindlichen Förderung ausgewiesen. Die vom Saarland geforderten regelmäßigen Pflichtuntersuchungen lehnt die Regierung aber derzeit ab.

Die Idee des Frühwarnsystems sei es, dass professionelle Familienhelfer und Hebammen bereits während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren zu Problemfamilien gingen, um vorbeugend und regelmäßig Hilfe anzubieten, sagte von der Leyen. Viele konventionelle Beratungsstellen seien dagegen in der Regel darauf angewiesen, dass die Eltern von sich aus kämen. Die größte Schwierigkeit sei es, die Risikofamilien herauszufiltern, räumte die Familienministerin ein. Hier stehe auch die Forschung erst am Anfang. Nach aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen könne zum Beispiel ein niedriges Geburtsgewicht des Kindes ein Indikator dafür sein, dass die Mutter schon während der Schwangerschaft starkem Stress ausgesetzt gewesen sei.

Eine Sprecherin des Familienministeriums erläuterte in Berlin, in den USA gebe es gute Erfahrungen mit Hilfsangeboten schon während der Schwangerschaft. Letztlich könne man Familien aber nicht zwingen, die Tür zu öffnen. Das Ministerium selbst habe keine Erkenntnisse, ob Fälle von Misshandlung oder Vernachlässigung zugenommen hätten. „Aber jeder Fall ist einer zu viel“, sagte die Sprecherin.

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