Kirche zum Flüchtlingsdrama: Bischof vergleicht Transitzonen mit Konzentrationslagern

Kirche zum Flüchtlingsdrama
Bischof vergleicht Transitzonen mit Konzentrationslagern

Nach langem Hin und Her hat sich die Union auf Transitzonen für Flüchtlinge geeinigt, doch die SPD stellt sich quer. Mit Unterstützung eines Bischofs, der mit einem harten Vergleich die Union massiv verärgert.

BerlinFranz-Josef Overbeck, Bischof von Essen und Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz, hat sich mit scharfen Worten gegen die von der Union favorisierten Transitzonen für Flüchtlinge gewandt. Hier würden Menschen, die ihr Leib und Leben retten wollten, gefangen gehalten, sagte er am Dienstagabend in Mülheim an der Ruhr, wie die katholische Nachrichtenagentur KNA berichtet. Sie müssten sich dort vorkommen „wie in Konzentrationslagern“.

Der Ruhrbischof warnte vor „Zündeleien in den Parteipolitiken“ und forderte die konsequente Anwendung des Asylrechts. In Europa und vor allem in Deutschland dürfe man nicht wieder „von Mauerbau sprechen“. Overbeck äußerte sich bei einem Podiumsgespräch mit SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel. Dabei bekräftigte der SPD-Politiker sein Nein zu Transitzonen.

In der CDU hat der KZ-Vergleich des Bischofs große Empörung ausgelöst. Die Äußerungen seien „in jeder Hinsicht daneben“, sagte Thomas Bareiß, Bezirksvorsitzender der CDU Württemberg-Hohenzollern und Mitglied im Vorstand der Unions-Bundestagsfraktion. „Solch einen Vergleich darf man nicht einfach so stehen lassen. Ich widerspreche dem Bischof ganz entschieden.“

Bareiß, der auch dem konservativen Berliner Kreis in der Union angehört, forderte Oberbeck auf, seinen Vergleich zurückzunehmen und sich zu entschuldigen. „Transitzonen sind ein wichtiger Beitrag die Flüchtlingsströme zu steuern und zu begrenzen“, betonte der CDU-Politiker.

Overbeck tat dies auch am Mittwochabend: „Meine Wortwahl hat viele Irritationen und Verletzungen ausgelöst, die mich sehr nachdenklich und betroffen machen. Es war ein Fehler, einen Begriff aus der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte in den Zusammenhang der aktuellen politischen Diskussionen zu rücken. Mir ist bewusst geworden, dass dieser unangemessene Vergleich viele Menschen verletzt. Hierfür bitte ich um Entschuldigung“, sagte Overbeck laut einer Mitteilung des Bistums.

Es sei sein großes Anliegen, trotz des großen Flüchtlings-Zustroms und der damit verbundenen Herausforderungen, die Würde eines jeden Menschen zu schützen. „Gerade aufgrund der Geschichte tragen wir in Deutschland eine besondere Verantwortung, dass mit jedem Menschen unabhängig von seiner Nation und Religion würdevoll umgegangen wird. “

Scharfe Kritik kam zuvor auch aus der CSU. „Die vom europäischen Recht mit Billigung des Europäischen Parlaments vorgesehene Einrichtung von Transitzonen im Landgrenzen-Verfahren mit der Vernichtungsmaschinerie des Nazi-Regimes in Verbindung zu bringen, halte ich für vollkommen unangemessen“, sagte der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer, dem Handelsblatt. Empört zeigte sich auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich. „Wer von Kirchensteuer profitiert, hat eine Verpflichtung in Bezug auf eine sensible und wahrheitsgemäße Wortwahl“, erklärte Ullrich im Kurznachrichtendienst Twitter.

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