Kirchenoberhaupt will christliche Traditionen in EU-Verfassung verankern
Rau dankt Papst für Mithilfe bei Einheit

Während seines dreitägigen Italien-Besuchs hat Bundespräsident Rau den Papst getroffen. Der gab ihm auf Deutsch gute Ratschläge mit auf den Weg.

HB BERLIN. Bundespräsident Johannes Rau hat am Samstag Papst Johannes Paul II. für seine Mithilfe bei der Einheit Deutschlands und Europas gedankt. Ohne den Papst und dessen Heimatland Polen hätte dieser Prozess viel länger gedauert, sagte Rau während einer 20-minütigen Privataudienz beim Papst im Vatikan. Als Gastgeschenk überreichte der Bundespräsident eine Nachbildung des Brandenburger Tors aus weißem Stein.

Der Papst würdigte im Gespräch mit Rau die herzlichen Beziehungen zwischen Deutschland und dem Vatikan. Er mahnte Deutschland zugleich, sein christliches Erbe zu bewahren und es in die europäische Diskussion einzubringen. Der Vatikan hofft auf die Verankerung der christlichen Traditionen in der europäischen Verfassung. «Zum gemeinsamen geistig-kulturellen Erbe des Kontinents gehört unbestreitbar das Christentum», sagte Johannes Paul II auf Deutsch. Und er fuhr fort: «Gerade die in der Politik engagierten Christen tragen dafür Mitverantwortung, dass dieses kostbare christliche Erbe weiterhin die Gesellschaft in Deutschland und ganz Europa befruchtet.»

Nach der Audienz zeichnete Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano den Bundespräsidenten mit dem von Papst Pius IX. gestifteten Pius-Orden aus.Rau erhielt den Orden für seinen Beitrag zur Gestaltung der guten Beziehungen zwischen Deutschland und dem Vatikan.

Am Freitag hatte Rau den italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi getroffen. Die beiden Staatsoberhäupter appellierten an ihre Länder, sich rasch im Streit über die europäische Verfassung zu einigen.

Ciampi sprach sich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Rau dagegen aus, den in Italien zu lebenslanger Haft verurteilten NS-Kriegsverbrechers Erich Priebke zu begnadigen. Auf die Frage eines deutschen Journalisten sagte er, eine Begnadigung setze die Vergebung seitens der Angehörigen der Opfer voraus, und er glaube nicht, dass dies der Fall sei.

Der heute 90-jährige frühere SS-Hauptsturmführer Priebke hatte am 24. März 1944 in der Nähe von Rom mitgeholfen, 335 italienische Zivilisten zu erschießen. Das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen war eine der brutalsten Gräueltaten der deutschen Wehrmacht in Italien. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Priebke sich in Argentinien versteckt, 1995 wurde er nach Italien ausgeliefert und 1997 als Kriegsverbrecher verurteilt.

Der scheidende Bundespräsident war am Freitag zu einem dreitägigen Besuch nach Italien gereist. Rau wird von seiner Ehefrau Christina begleitet. Am Sonntag kehren beide nach Berlin zurück.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%