Kirchenrechtler im Interview: „Seriöse Prognosen kann man nicht abgeben“

Kirchenrechtler im Interview
„Seriöse Prognosen kann man nicht abgeben“

Der angekündigte Rücktritt des Papstes schlägt hohe Wellen. Kirchenrechtler Stephan Haering spricht im Interview mit Handelsblatt Online über die Bilanz des Pontifikats und die menschliche neugierige Natur.
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DüsseldorfHandelsblatt Online: Was hat Papst Benedikt XVI. in seiner Amtszeit erreicht?
Stephan Haering: Es ist sicher viel zu früh, eine umfassende Bilanz dieses Pontifikats, das ja noch bis 28. Februar dauert, ziehen zu wollen; dazu braucht es einen größeren zeitlichen Abstand. Man wird aber festhalten dürfen, dass Papst Benedikt XVI. in seiner Amtszeit den Dialog mit anderen christlichen Konfessionen und anderen Religionen, insbesondere den monotheistischen Religionen Judentum und Islam, intensiv fortgeführt und vertieft hat. Der Beitrag der Religionen für ein friedliches Miteinander der Menschheitsfamilie ist ihm ein großes Anliegen.

Gleichzeitig hat er die Einzigartigkeit der Person Jesu Christi und deren Heilsbedeutung klar hervorgehoben. Das zentrale Anliegen Papst Benedikts war wohl, besonders im Hinblick auf die Entchristlichung und weitgehende religiöse Gleichgültigkeit in der westlichen Welt, den Menschen die Botschaft nahezubringen, dass ein Leben mit Gott dem Leben der Menschen einen geweiteten Horizont gibt und es reich macht.

Dabei hat er ganz deutlich dargelegt, dass der Gottesglaube nichts Unvernünftiges, sondern gegenüber der Leugnung Gottes sogar die plausiblere Alternative einer Sichtweise auf die Welt und die menschliche Existenz ist. Wie weit es ihm gelungen ist, damit die Menschen zu erreichen, ist schwer einzuschätzen.

Sieht das Kirchenrecht einen Papst-Rücktritt überhaupt vor?
Im Gesetzbuch der katholischen Kirche (Codex Iuris Canonici, CIC) ist die Möglichkeit eines päpstlichen Amtsverzichts ausdrücklich vorgesehen. In can. 332 § 2 CIC heißt es: „Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, daß der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, dass er von irgendwem angenommen wird.“

Von dieser ausdrücklich festgeschriebenen Möglichkeit macht Benedikt XVI. Gebrauch, wenn er am 28. Februar das Amt des Papstes aufgibt.

Wann gab es zuletzt einen freiwilligen Papst-Rücktritt und unter welchen Umständen?

Es gibt ein historisches Beispiel für den Rücktritt des Papstes. Im Jahr 1294 ist Papst Cölestin V. nach einem kurzen, nur wenige Monate dauernden Pontifikat, zurückgetreten. In seinem Fall hat zum Rücktrittsentschluss wohl vor allem beigetragen, dass er sich den Anforderungen des Amtes im Hinblick auf die umfassenden Aufgaben der Leitung der Gesamtkirche nicht gewachsen fühlte. Er war auf diese große Aufgabe zu wenig vorbereitet.

Wer sind die Favoriten für die Benedikt-Nachfolge?

Über „Favoriten“ der Nachfolge wird jetzt viel spekuliert. Das ist wohl auch angesichts der menschlichen Natur nicht weiter verwunderlich. Aber es bleibt letztlich Spekulation. Seriöse Einschätzungen und Prognosen kann man nicht abgeben.

Stephan Haering ist Professor für Kirchenrecht an der LMU München.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

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  • Sein Bruder hat es bei der Wahl wehmütig kundgetan.
    Er sagte:unsere Planung war dahingehend,die letzten
    verbliebenen Jahre zusammen zu ziehen und uns
    über Bücher und Schriften zu beugen.
    Ratzinger ist mehr der Akademiker,der Professor,
    der Lehrer als der Menschenfischer.
    Da hat es sein Vorgänger zum Kultstatus gebracht.
    Die verbleibende Zeit,sei ihm von Herzen gegönnt.

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