Kirchhof trotzdem Finanzminister
Friedrich Merz vor möglichem Comeback

Angesichts sinkender Umfragewerte zieht Unionschefin Angela Merkel in den letzten Wahlkampftagen noch einen Joker und heizt Spekulationen um eine spektakuläre Rückholaktion an. Sie will den Finanzexperten Friedrich Merz nach einem Wahlsieg voraussichtlich wieder in die Führungsmannschaft der Union einbinden. Ihrem immer stärker in die Kritik rutschenden Finanzexperten Paul Kirchhoff stärkt sie dennoch den Rücken. Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete den früheren Verfassungsrichter dagegen als "Drohung für ganz viele Menschen".

HB BERLIN. Elf Monate nach seinem freiwilligen Rückzug aus der Fraktionsspitze lobte die CDU-Chefin Merz überraschend deutlich. "Ich freue mich, dass Friedrich Merz so engagiert Wahlkampf macht. Aber jetzt verteilen wir nicht das Fell des Bären, bevor er erlegt ist", sagte sie am Sonntag. Für das Amt des Finanzministers ist trotz der wachsenden Kritik auch aus der Union weiter der frühere Verfassungsrichter Paul Kirchhof vorgesehen.

"Jetzt wird noch eine Woche Wahlkampf gemacht und Friedrich Merz ist engagiert mit dabei", sagte Merkel. Der "Bild am Sonntag" hatte sie gesagt: "Friedrich Merz ist einer der talentiertesten Politiker. Deshalb habe ich es bedauert, dass er nicht mehr stellvertretender Fraktionschef sein wollte." Ihr Verhältnis galt nicht erst seitdem als getrübt. Merz hatte der CDU-Chefin übel genommen, dass sie ihn nach der Wahl 2002 vom Fraktionsvorsitz verdrängt hatte. In jüngster Zeit hatte sich Merz aber öfter bereit erklärt, sich wieder mehr einzubringen. "Ich will in Berlin mitarbeiten und auch eine Rolle spielen", zitierte ihn das Magazin "Focus".

Für eine Einbindung von Merz hatten sich bereits mehrere führende Unions-Politiker stark gemacht. Bei der Vorstellung ihres Wahlteams Mitte August hatte Merkel aber Kirchhof den Vorzug gegeben. Der Chef der Jungen Union, Philipp Missfelder, zeigte sich erfreut über die neue Annäherung zwischen Merkel und Merz. Der "Leipziger Volkszeitung" sagte Missfelder: "Frau Merkel hat Recht, vor der Wahl keine Posten zu vergeben. Klar ist allerdings auch, dass Friedrich Merz einer der beliebtesten und glaubwürdigsten Politiker in der Union ist und insbesondere bei der jüngeren Generation einen enormen Rückhalt besitzt." Merz ist auch in der Bevölkerung außerordentlich beliebt. Im jüngsten ZDF-Politbarometer lag er hinter Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) an zweiter Stelle.

Die CDU-Vorsitzende nahm Kirchhof am Sonntag gegen die harsche Kritik vor allem aus der SPD in Schutz. "Paul Kirchhof steht für ein gerechtes Steuersystem", sagte sie in einem Interview mit privaten Hörfunksendern. Dessen Vorschlag für einen einheitlichen Steuersatz von 25 %, unabhängig von der Einkommenshöhe sei jedoch "Zukunftsmusik" und stehe keinesfalls in der nächsten Wahlperiode an. Es müsse aber darüber gesprochen werden, wie man Kirchhofs Steuerpläne mit den Vorstellungen der Union zusammenbringen könne. "Ich habe Paul Kirchhof gewonnen, Finanzminister zu werden, um unser Konzept zu vertreten", betonte Merkel. Den Sozialdemokraten warf sie in diesem Zusammenhang "Verleumdung" vor.

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