KIT-Präsident
Energiewende anspruchsvoller als Apollo-Flug

Die Dimension der Energiewende werde sträflich unterschätzt, warnt der Physiker Eberhard Umbach. Er hält die Aufgaben für „wesentlich anspruchsvoller als seinerzeit der Apollo-Flug zum Mond“.
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Karlsruhe„Beim Mondflug war die Technik schon vorhanden, sie musste nur noch umgesetzt werden. Für die Energiewende fehlen uns noch entscheidende wissenschaftliche Erkenntnisse“, sagte Umbach, der auch Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ist, der Nachrichtenagentur dpa.

Für den vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien müssten zwei große technische Fragen geklärt werden: Die Speicherung von Energie aus Sonnenkollektoren und Windkrafträdern sowie intelligente Netze. „In beiden Fällen stehen wir erst am Anfang“, sagte Umbach. Standorte für die allseits gepriesenen Pumpspeicherkraftwerke etwa seien in Deutschland nahezu ausgereizt. „Der Speicherbedarf ist um Größenordnungen höher als die vorhandene Kapazität. Das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein.“ Und bei der Entwicklung dezentraler, quasi autonomer Netze fehlten noch entscheidende Grundlagen. „Da müssen ganz neue Algorithmen entwickelt werden.“

Hinzu komme die gesellschaftliche Herausforderung, neue Techniken durchzusetzen. Das Einrichten Runder Tische habe sich nur bedingt als erfolgreich erwiesen, sagte Umbach. „Alle reden von der Schwarmintelligenz, aber niemand hat bislang untersucht, wo man sie findet und wie sie genutzt werden kann.“

Um die Energiewende voranzubringen, müssten Forscher viel stärker als bisher fächerübergreifend zusammenarbeiten. Sie müssten sehr komplexe Systeme und Szenarien entwickeln, um wirklich alle Folgen der Reform im Blick zu haben. Die Politik neige dazu, unliebsame Details auszublenden, sagte Umbach und nannte als Beispiel die Elektromobilität. „Je mehr E-Autos fahren, desto mehr Benzinsteuer wird dem Staat entgehen. Wenn er weiterhin im gleichen Maße am Verkehr mitverdienen will, müsste er die Stromsteuer erhöhen.“ Die E-Mobilität werde zudem dazu führen, dass der Stromverbrauch - anders als von der Politik gefordert - steige.

Trotz der großen Aufgaben appellierte Umbach an die Politik, nicht nur anwendungsorientierte Programme zu fördern. Die Wissenschaft benötige auch die Freiheit für unabhängige Forschung. „Oft liegen die Lösungen auf einem ganz anderen Feld als allgemein angenommen.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Mittelfristig war der Atomausstieg beschlossene Sache. Mit einer für eine Physikerin geradezu disqualifizierenden Begründung im Hauruck-Verfahren aus Gründen des Machterhalts derart kurzfristig und unvorbereitet aus der Atomenergie auszusteigen, war blanker Irrsinn! Nach 1jährigem Nichtstun offenbaren sich jetzt zunehmend die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der völlig unvorbereiteten "Energiewende", vor denen Experten schon im Vorfeld gewarnt haben. Seehofer strebt nun einen bayerischen Alleingang an. Er setzt dabei aber auf einen eher krankheitsanfälligen Gaul, nämlich auf dezentrale Bio-Energie, statt auf zentrale (Erd-)Gaskraftwerke. Hier liegt die Bayern-FDP richtiger als der "Horsti". Insgesamt sieht es mittelfristig für den Industriestandort D aber sehr düster aus. Daran werden auch Sonderstromtarife auf Dauer nichts ändern. Neben den Polen setzen viele deutsche Nachbarn weiter auf Atomenergie .. und D wird schon in naher Zukunft Atomstrom kaufen (müssen), der aber natürlich über AKW-freie Länder umgeleitet und dann als "grüner" Strom dem Bundesbürger verkauft werden wird. Das ist eben Merkel - live-.

  • Energiewende
    1. Jede KWh die man spart braucht man nicht produzieren. Ich glaube dort liegt groesseres Potential als bei der Energieerzeugung.
    2. Atomkraft wie sie heute in D/EU/Welt existiert ist gefaehrlich und unwirtschaftlich. Es gibt aber auch neue nuclear Technologien die wesentlich sicherer und wirtschaftlicher sind. (Stichworte, Kugelhaufen und Thorium, am besten selbst mal googlen)
    3. D lebt davon Technologie und technologische Produkte zu exportieren. Hier liegt eine grosse Chance eine Spitzenposition in einem zukunftstraechtigem Markt zu erobern.
    4. Solar und Wind sind durchaus wirtschaftlich und koennen im kleinen von Eigenheimbestizern installiert werden. Klar, mit Kohle oder alten Kernkraftweken kann man Strom billiger produzieren, hat aber andere Nachteile auch wenn einige das gerne leugnen.
    5. Es gibt auch noch andere Moeglichkeiten Energie zu sparen. Zum Beispiel Erdwaermetauscher als Heizung/Kuehlung fuer Eigenheime, Hybridantrieb fuer Kraftfahrzeuge, usw.
    Anstatt daurend Banken und marode Staaten zu retten waere das Geld besser angelegt neue Technologien zu erforschen und umzusetzen.

  • Dieser Vandale schreibt schon seit Jahren Unsinnn über den so "tollen" Vorteil von Atomenergie. Niemals hat er sich dazu bekannt, dass bei der Förderung von Uran sehr große Umweltschäden entstehen und unter unmenschlichen Bedigungen u.a. in Afrika abgebaut wird. Und die Lagerung von Atommüll wird zehntausene Jahre dauern. Wenn ich die Zivilisation vor zehntaund Jahre sehe, mag ich mir nicht vorstellen wie über hunderte von Generationen dieser Müll weitergegeben werden soll. Aber langfristig denken fällt ihm halt schwer.
    Außerdem wird hier für Deutschland der Grundstein für einen riesigen Zukunftsmarkt gelegt, der uns zudem unabhängiger macht von Uran- und Ölimporten.
    Natürlich ist der Status Quo noch nicht zufriedenstellend. Aber die Entwicklung geht ständig voran und die Effizienz der Energiegewinnung im Bereich der alternativen Energien ist in den letzten Jahren eindrucksvoll vorangeschritten.
    Von diesen fundamentalistischen Atomreligionsfanatiker höre ich immer deutlicher das Pfeifen im Walde.

    Viele Grüße an Vandale

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