KIT-Präsident

Energiewende birgt noch große Hürden

Die Dimension der Energiewende werde sträflich unterschätzt, warnt der Physiker Eberhard Umbach. Er hält die Aufgaben für „wesentlich anspruchsvoller als seinerzeit der Apollo-Flug zum Mond“.
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Bei der Energiewende spielen auch fossile, aber sauberere Energien noch eine Rolle. Insbesondere Erdgas wird in knapp 20 Jahren der wichtigste Energieträger in Deutschland sein. Quelle: dpa

Bei der Energiewende spielen auch fossile, aber sauberere Energien noch eine Rolle. Insbesondere Erdgas wird in knapp 20 Jahren der wichtigste Energieträger in Deutschland sein.

(Foto: dpa)

Karlsruhe„Beim Mondflug war die Technik schon vorhanden, sie musste nur noch umgesetzt werden. Für die Energiewende fehlen uns noch entscheidende wissenschaftliche Erkenntnisse“, sagte Umbach, der auch Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ist, der Nachrichtenagentur dpa.

Für den vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien müssten zwei große technische Fragen geklärt werden: Die Speicherung von Energie aus Sonnenkollektoren und Windkrafträdern sowie intelligente Netze. „In beiden Fällen stehen wir erst am Anfang“, sagte Umbach. Standorte für die allseits gepriesenen Pumpspeicherkraftwerke etwa seien in Deutschland nahezu ausgereizt. „Der Speicherbedarf ist um Größenordnungen höher als die vorhandene Kapazität. Das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein.“ Und bei der Entwicklung dezentraler, quasi autonomer Netze fehlten noch entscheidende Grundlagen. „Da müssen ganz neue Algorithmen entwickelt werden.“

Hinzu komme die gesellschaftliche Herausforderung, neue Techniken durchzusetzen. Das Einrichten Runder Tische habe sich nur bedingt als erfolgreich erwiesen, sagte Umbach. „Alle reden von der Schwarmintelligenz, aber niemand hat bislang untersucht, wo man sie findet und wie sie genutzt werden kann.“

Um die Energiewende voranzubringen, müssten Forscher viel stärker als bisher fächerübergreifend zusammenarbeiten. Sie müssten sehr komplexe Systeme und Szenarien entwickeln, um wirklich alle Folgen der Reform im Blick zu haben. Die Politik neige dazu, unliebsame Details auszublenden, sagte Umbach und nannte als Beispiel die Elektromobilität. „Je mehr E-Autos fahren, desto mehr Benzinsteuer wird dem Staat entgehen. Wenn er weiterhin im gleichen Maße am Verkehr mitverdienen will, müsste er die Stromsteuer erhöhen.“ Die E-Mobilität werde zudem dazu führen, dass der Stromverbrauch - anders als von der Politik gefordert - steige.

Trotz der großen Aufgaben appellierte Umbach an die Politik, nicht nur anwendungsorientierte Programme zu fördern. Die Wissenschaft benötige auch die Freiheit für unabhängige Forschung. „Oft liegen die Lösungen auf einem ganz anderen Feld als allgemein angenommen.“

  • dpa
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39 Kommentare zu "KIT-Präsident: Energiewende anspruchsvoller als Apollo-Flug"

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  • Mittelfristig war der Atomausstieg beschlossene Sache. Mit einer für eine Physikerin geradezu disqualifizierenden Begründung im Hauruck-Verfahren aus Gründen des Machterhalts derart kurzfristig und unvorbereitet aus der Atomenergie auszusteigen, war blanker Irrsinn! Nach 1jährigem Nichtstun offenbaren sich jetzt zunehmend die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der völlig unvorbereiteten "Energiewende", vor denen Experten schon im Vorfeld gewarnt haben. Seehofer strebt nun einen bayerischen Alleingang an. Er setzt dabei aber auf einen eher krankheitsanfälligen Gaul, nämlich auf dezentrale Bio-Energie, statt auf zentrale (Erd-)Gaskraftwerke. Hier liegt die Bayern-FDP richtiger als der "Horsti". Insgesamt sieht es mittelfristig für den Industriestandort D aber sehr düster aus. Daran werden auch Sonderstromtarife auf Dauer nichts ändern. Neben den Polen setzen viele deutsche Nachbarn weiter auf Atomenergie .. und D wird schon in naher Zukunft Atomstrom kaufen (müssen), der aber natürlich über AKW-freie Länder umgeleitet und dann als "grüner" Strom dem Bundesbürger verkauft werden wird. Das ist eben Merkel - live-.

  • Energiewende
    1. Jede KWh die man spart braucht man nicht produzieren. Ich glaube dort liegt groesseres Potential als bei der Energieerzeugung.
    2. Atomkraft wie sie heute in D/EU/Welt existiert ist gefaehrlich und unwirtschaftlich. Es gibt aber auch neue nuclear Technologien die wesentlich sicherer und wirtschaftlicher sind. (Stichworte, Kugelhaufen und Thorium, am besten selbst mal googlen)
    3. D lebt davon Technologie und technologische Produkte zu exportieren. Hier liegt eine grosse Chance eine Spitzenposition in einem zukunftstraechtigem Markt zu erobern.
    4. Solar und Wind sind durchaus wirtschaftlich und koennen im kleinen von Eigenheimbestizern installiert werden. Klar, mit Kohle oder alten Kernkraftweken kann man Strom billiger produzieren, hat aber andere Nachteile auch wenn einige das gerne leugnen.
    5. Es gibt auch noch andere Moeglichkeiten Energie zu sparen. Zum Beispiel Erdwaermetauscher als Heizung/Kuehlung fuer Eigenheime, Hybridantrieb fuer Kraftfahrzeuge, usw.
    Anstatt daurend Banken und marode Staaten zu retten waere das Geld besser angelegt neue Technologien zu erforschen und umzusetzen.

  • Dieser Vandale schreibt schon seit Jahren Unsinnn über den so "tollen" Vorteil von Atomenergie. Niemals hat er sich dazu bekannt, dass bei der Förderung von Uran sehr große Umweltschäden entstehen und unter unmenschlichen Bedigungen u.a. in Afrika abgebaut wird. Und die Lagerung von Atommüll wird zehntausene Jahre dauern. Wenn ich die Zivilisation vor zehntaund Jahre sehe, mag ich mir nicht vorstellen wie über hunderte von Generationen dieser Müll weitergegeben werden soll. Aber langfristig denken fällt ihm halt schwer.
    Außerdem wird hier für Deutschland der Grundstein für einen riesigen Zukunftsmarkt gelegt, der uns zudem unabhängiger macht von Uran- und Ölimporten.
    Natürlich ist der Status Quo noch nicht zufriedenstellend. Aber die Entwicklung geht ständig voran und die Effizienz der Energiegewinnung im Bereich der alternativen Energien ist in den letzten Jahren eindrucksvoll vorangeschritten.
    Von diesen fundamentalistischen Atomreligionsfanatiker höre ich immer deutlicher das Pfeifen im Walde.

    Viele Grüße an Vandale

  • Da kennt sich einer sichtlich nicht aus. Intelligente Netze gibt's schon, noch nicht großflächig, aber doch. Z.B. als "intelligente" Verteiler, die nicht nur vom Hoch- zum Niederspannungsnetz transformieren können sondern ggf. auch umgekehrt. Und die Schwarmenergie hat auch schon mindestens einen Hersteller, namentlich Lichtblick, mit dem ZuhauseKraftwerk. Auch so ein Beispiel.

    Die Schwarm-Kreativität zeichnet sich dadurch aus, dass sie eben nicht zentral verordnet und auch nicht am Runden Tisch vereinbart wird, sondern einfach so irgendwie, irgendwo tätig wird. Da muss sich der Forscher ausnahmsweise einmal in der realen Welt umsehen statt immer nur seine "Theorien" zu wälzen, dann wird er schon fündig werden.

  • vandale,
    das haben Sie sich aber schön hingerechnet. Rechnen Sie doch mal mit 30% und rechnen Sie mit einem Nutzungsverbund der Art, daß die Fläche unterhalb der Solarfelder als Gewächshäuser dienen.
    Zusätzlich könnten Autobahnen überdeckt werden, wobei eine Wertschöpfungskette aus der Vermeidung von Wettereinflüssen und Unfällen entsteht.

    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/202/2/

  • Das ist nicht kompliziert, das wird kompliziert gemacht. Bestimmte Gruppen wollen die Wende nicht, wie soviele Veränderungen eigentlich ganz schnell eingeführt werden könnten. Ist das Bauen von KITAs auch schwieriger als das APOLLO Programm ? Warum kriegen wir wohl das nicht hin? Schon mal gesehen zu was deutsche Firmen im Ausland fähig sind? Wenn RWE und Freunde bald so richtig ihre Konditionen durchgesetzt haben, dann geht das alles sehr schnell. Technisch viel einfacher machbar als politisch durchsetzbar. Man kann es den Unternehmen ja nicht für übel nehmen, die Politiker sind Hampelmänner. Erst was beschließen und dann feststellen "ist das schwierig". Es ist nicht schwieriger als APOLLO aber es wird teurer weil ja Alle erst einmal die Hand aufhalten.

  • ENDLICH spricht ein ernst zu nehmender Wissenschaftler das aus, was wir schon immer vermutet haben - aber uns nicht getraut haben zu sagen: die Energiewende ist (mindestens) so kompliziert wie Raketentechnologie - und damit ein mathematisch-naturwissenschaftliches Problem und nicht im Bereich der Religion der Klima-Jünger angesiedelt.

    Dass er auch pro domo - für sich spricht, um Drittmittel aus Fördertöpfen einzufordern - sei ihm zugestanden. Solange er das Geld nicht für die Ozonlochforschung verbraucht, ist das OK.

    Aber sarkastische Kommentare - so richtig sie auch sind - bringen uns nicht weiter.

    Auch die politische Variante: „Wenn Du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis“ -ist abzulehnen. Und Herr Umbach vom KIT in Karlsruhe hat das auch richtig erkannt. Denn außer rundem Tisch, gutem Essen, guter Stimmung und positiver Medienberichterstattung kommt da nichts raus.

    Was können wir vom Apollo-Programm lernen?

    1. Wir brauchen eine Vision. Der erste Glaubenssatz der Klimajünger: „Weg von der Kernkraft“ ist keine Vision, sondern ein inhaltsloser Kampfruf, wie „oben bleiben“ in Stuttgart. Sichere bezahlbare Energie für breite Bevölkerungsschichten auf globaler Ebene bis zum Jahr 2100 könnte eine sein.

    2. Wir brauchen einen Masterplan - ähnlich wie Leitplanken - wie das Ziel zu verwirklichen ist.

    3. Wir brauchen mathematisch fundierte Umsetzungspläne - keine Glaubensbekenntnisse
    Dass die meisten dieser Forderungen nur im Konsens zu erreichen sind ist klar. Aber mit Sicherheit nicht mit einer Strategie des Durchwurschtelns, wie sie Politiker bevorzugen. Wenn die Kosten so umgelegt werden, wie derzeit geplant, werden breite Bevölkerungsschichten und der kleine Mittelstand systematisch verarmen.

  • Ich jedenfalls freue mich schon auf die Zeit, zu der der Strom fehlen wird, um den teilweise unerträglichen Müll hier abzusondern.
    Wer sich betroffen fühlt, darf das.
    Werden eh wieder die Falschen sein ........

  • Och, in meinen Kopf geht so einiges :)
    Sicher ist die künstliche erzeugte, und der nicht kontrollierbare Austritt und Niederschlag der Radioaktivität natürlich nur lokal zu sehen. Sollen die Japaner oder die Russen doch sehen wie sie klar kommen, das bischen macht UNS nicht krank.
    DAS geht sicher nicht in Ihren lokalen Kopf, aber in meinen Weltbürgerkopf geht das ohne weiteres rein.

  • Hallo...netshadow..der Fisch ist in den Meeren etwa so radioaktiv wie vor 2000 Jahren.

    Die Weltmeere enthalten ca. 70 Mrd. to radioaktiver Stoffe. Jährlich werden einige 100 to flüssiger radioaktiver Abfälle eingebracht. Die Reaktorunfälle von Fukushima haben einige zig-Kg Cs137 ins Meer gespült. Aufgrund der Gammastrahlenspektrometrie lassen sich allerdings selbst kleinste Spuren radioaktiver Isotope nachweisen.

    Vielleicht sollten Sie zwischen Ihrem Atomstrahlenglauben und der Realität ein wenig differenziren.

    Vandale

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