Kita-Ausbau
Städten fehlt Geld für Kinderbetreuung

Die Kommunen fordern von Bund und Ländern mehr Geld für den Ausbau der Kinderbetreuung. Sonst sei der ab 2013 geltende Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kinder ab dem ersten Geburtstag nicht einlösbar, warnte der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, nach einem Treffen der drei kommunalen Spitzenverbände.
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BERLIN. Derzeit reiche das Geld nur, um für jedes dritte Kind zwischen ein und drei Jahren einen Platz zu finanzieren, kritisierte der Chef des Städtetages, Stephan Articus. Bund und Länder bauten „potemkinsche Dörfer“ auf, denn der tatsächliche Bedarf sei nach einer für die Kommunen erstellten Forsa-Umfrage „rund doppelt so hoch“. Danach möchten zwei von drei Frauen, die sich ein Kind wünschen oder eines erwarten, einen Betreuungsplatz. Die überwiegende Mehrheit denkt dabei an eine Kindertageseinrichtung, lediglich sechs Prozent hätten lieber eine Tagesmutter. Die Politik hingegen geht davon aus, dass ein Drittel der Kinder von Tagesmüttern betreut werden. Unter dem Strich seien statt 750 000 neuer Plätze bis zu 1,4 Millionen nötig.

Die Frage der Kinderbetreuung hat unmittelbare Folgen für die Wirtschaft, die schon lange auf einen zügigen Ausbau drängt. Denn Mütter sollen künftig die Lücken an Facharbeitern füllen, die durch rückläufige Schulabgängerzahlen entstehen. „Deshalb fordern wir auch nicht, den Rechtsanspruch zu beschneiden oder die Fristen zu verlängern“, sagte Articus. Stattdessen müssten Bund und Länder finanziell „nachbessern und deutlich aufstocken“, heißt es in einer Erklärung der drei Spitzenverbände zu den Erwartungen an die neue Bundesregierung.

Je höher der Bildungsgrad, desto größer ist auch die potenzielle künftige Nachfrage nach Kinderbetreuung: Von den Frauen mit Abitur oder Studium geben sogar vier Fünftel an, dass sie für Kinder unter drei Jahren einen Platz brauchen.

Doch selbst die Mittel für den bereits vereinbarten Ausbau um 750 000 Plätze flössen nicht wie versprochen, klagen die Kommunen, sondern blieben an den sprichwörtlichen „klebrigen Händen“ der Ländern haften. Diese „geben in großem Umfang Mittel nicht weiter“, klagt Landsberg. Insgesamt geht es um je vier Mrd. Euro von Bund und Ländern. Nun müsse der Bund die Länder dazu bringen, ihren Anteil zu liefern, forderte die Präsidentin des Städtetages, Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth. Besonders groß sei das Problem im Westen, wo der Nachholbedarf an Plätzen für unter Dreijährige wesentlich höher ist als in Ostdeutschland.

Die fehlende Aussicht auf eine ausreichende Zahl von Betreuungsplätzen hat daneben auch eine familienpolitische Komponente: Nach der Forsa-Umfrage sagen elf Prozent der Frauen, die derzeit keine Kinder haben möchten, dass für diese Entscheidung auch der Mangel an Kitaplätzen ausschlaggebend war.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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