Deutschland

_

Klage eingereicht: Berliner Genmais-Verbot verärgert Amerikaner

exklusivDer Streit über das deutsche Verbot des Anbaus von Genmais der Sorte MON810 zieht immer weitere Kreise: So hat die neue US-Regierung den deutschen Botschafter in Washington einbestellt und ihm seinen Unmut über die Entscheidung von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) mitgeteilt. Der US-Konzern Monsanto hat unterdessen Klage gegen das Anbauverbot eingereicht.

Umstritten: eine Genmaissorte von Monsanto. Quelle: dpa
Umstritten: eine Genmaissorte von Monsanto. Quelle: dpa

BERLIN. Das Thema droht damit nun auch die gerade beginnenden Gespräche über die transatlantische Wirtschaftsinitiative (TEC) zwischen den USA und der EU zu überschatten. Der US-Konzern Monsanto hat unterdessen vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig Klage gegen das Anbauverbot eingereicht und dringt auf eine Eilentscheidung.

Anzeige

Nach Informationen des Handelsblatts bat der neue US-Handelsbeauftragte Ron Kirk den deutschen Botschafter Klaus Scharioth unmittelbar nach der Entscheidung Aigners vergangene Woche zu einem Gespräch. Scharioth meldete die Kritik dann umgehend nach Berlin. Mit öffentlichen Angriffen hält sich die US-Regierung aber bewusst zurück. Das ändert nichts an der Verärgerung, weil man in Washington das Anbauverbot nicht als Einzelfall, sondern als typisches Verhalten der EU in strittigen Agrarfragen ansieht.

Im konkreten Fall hatte Brüssel die Genmaissorte von Monsanto zugelassen. Die EU-Staaten entscheiden aber individuell über ein Anbauverbot. Auch in anderen Streitfällen wie dem EU-Importverbot für gechlorte Hühnchen oder Hormonfleisch wirft Washington der EU vor, willkürlich Handelshemmnisse aufzubauen. Meist waren es EU-Staaten mit eigenen Agrarinteressen wie Frankreich, die auf eine restriktive Haltung der Union drangen. Umso größer ist nun offenbar die Enttäuschung über Deutschland.

Denn gerade Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die transatlantische Wirtschaftsinitiative angeregt, um eine stärkere wirtschaftspolitische Abstimmung und gemeinsame Standards auf beiden Seiten des Atlantiks zu erreichen. Der deutsche EU-Kommissar Günter Verheugen, der in der Brüsseler Kommission für die TEC zuständig ist, hatte zudem von einer transatlantischen Freihandelszone ohne Handelshemmnisse bis 2015 gesprochen.

  • Die aktuellen Top-Themen
Ukrainischer Außenminister: „Wir brauchen einen 'Marshall-Plan' für die Ukraine“

„Wir brauchen einen 'Marshall-Plan' für die Ukraine“

Der ukrainische Außenminister erwartet von der EU mehr Unterstützung – unter anderem durch technische und militärische Hilfe. Dabei zieht Klimkin einen Vergleich zum Irak und zur Situation nach dem Zweiten Weltkrieg.

US-Hedgefonds: Kritik an argentinischer Regierung als „Gesetzlose“

Kritik an argentinischer Regierung als „Gesetzlose“

Der Streit zwischen Argentinien und US-Hedgefonds wird immer schärfer: Einer der Fonds bezeichnete die argentinische Regierung als „Gesetzlose“. Kirchner hatte angekündigt, die Rückzahlung über Buenos Aires abzuwickeln.

Gaza-Konflikt: Uno-Sicherheitsrat fordert Rückkehr zu Gesprächen

Uno-Sicherheitsrat fordert Rückkehr zu Gesprächen

Die Feuerpause wurde bereits Stunden vor Ablauf gebrochen, die Menschen im Gaza-Streifen leben in Angst vor neuen Angriffen. Der Uno-Sicherheitsrat fordert beide Seiten zu schnellen Verhandlungen auf.