Klage gegen Google Bettina Wulff geht gegen Verleumdungen vor

Bettina Wulff hat einen ersten Erfolg im Kampf um die Gerüchte, sie habe früher als Prostituierte gearbeitet, erzielt. Nachdem sie Klage gegen Günther Jauch eingereicht hatte, gab dieser eine Unterlassungserklärung ab.
Update: 08.09.2012 - 13:51 Uhr 36 Kommentare
Bettina Wulff wehrt sich gegen Vorwürfe im Internet. Quelle: AFP

Bettina Wulff wehrt sich gegen Vorwürfe im Internet.

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BerlinNachdem die Frau des frühen Bundespräsidenten, Bettina Wulff, Klage gegen ihn eingereicht hatte, hat Günther Jauch nun doch eine Unterlassungserklärung abgegeben. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ auf ihrer Internetseite. Der Moderator habe sich verpflichtet, die Gerüchte über Wulffs angebliches Vorleben als Prostituierte nicht weiterzuverbreiten.

Am Freitag hatte die 38-Jährige Klagen beim Hamburger Landgericht gegen den Fernsehmoderator Günther Jauch und gegen den Google-Konzern eingereicht. Grund dafür war, dass Jauch im Gegensatz zu anderen Medien keine Unterlassungserklärung abgegeben hatte. Das holte der Moderator jetzt nach. TV-Moderator Günther Jauch verteidigte sich jedoch gegen Vorwürfe, Ende 2011 in seiner Talksendung Gerüchte über das angebliche Vorleben der Ex-„First Lady“ verbreitet zu haben.

„Ich habe niemals über Frau Wulff eine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt, sondern lediglich aus einem Artikel der "Berliner Zeitung" zitiert“, sagte Jauch am Samstag in einer über seinen Anwalt Christian Schertz herausgegebenen Erklärung in Berlin. „Wer daraus eine Herabsetzung von Frau Wulff konstruiert, liegt daneben“, betonte Jauch im Rückblick auf die Sendung am 18. Dezember vorigen Jahres.

Er habe aber kein Interesse an einer Auseinandersetzung mit der Ehefrau von Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Schertz erläuterte, er habe Wulffs Anwalt Gernot Lehr mitgeteilt, dass ein Anspruch auf Unterlassung aber anerkannt werde. „Ich habe, um die Sache zu beenden, Herrn Lehr geschrieben, dass wir den Anspruch anerkennen – ohne ein Fehlverhalten damit einzuräumen“, sagte Schertz. Die Klage bleibt bestehen.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete in ihrer Samstagsausgabe, Bettina Wulff habe bei Gericht eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, wonach alle Behauptungen über ihr angebliches Vorleben als Prostituierte oder als Escort-Dame falsch seien. In den vergangenen Monaten hätten bereits 34 deutsche und ausländische Blogger und Medien Unterlassungserklärungen abgegeben. Mehrere Medienhäuser hätten Schmerzensgeld in fünfstelliger Höhe zahlen müssen.

Anwalt Lehr bestätigte, „dass in den vergangenen Monaten zahlreiche Verlage, Journalisten und Internet-Aktivisten Unterlassungserklärungen unverzüglich nach Aufforderung abgegeben haben, ohne auch nur zu versuchen, die falschen Darstellungen zu rechtfertigen“. Außerdem sei in einigen Fällen Schmerzensgeld durchgesetzt worden.

Auch gegen Google hat Bettina Wulff geklagt. Damit will sie verhindern, dass bei Eingabe ihres Namens automatisch Suchbegriffe wie „Rotlichtvergangenheit“ oder „Escort“ auftauchten. Der Internet-Konzern wies die Vorwürfe zurück. Google nehme keinen Einfluss auf die vorgeschlagenen Suchbegriffe, sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck am Samstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. „Die bei der Google-Autovervollständigung sichtbaren Suchbegriffe spiegeln die tatsächlichen Suchbegriffe aller Nutzer wider.“

Die angezeigten Begriffe seien das algorithmisch erzeugte Resultat mehrerer objektiver Faktoren, inklusive der Popularität der eingegebenen Suchbegriffe. „Google schlägt diese Begriffe nicht selbst vor – sämtliche in Autovervollständigung angezeigten Begriffe wurden zuvor von Google-Nutzern eingegeben“, betonte Oberbeck. Es sei keine Meinungsäußerung, sondern ein Spiegelbild bisheriger Suchanfragen.

Google führte in Deutschland bereits fünf ähnliche Verfahren und habe alle gewonnen, eines davon bereits auch in zweiter Instanz. Man sei mit Wulffs Anwälten schon länger im Gespräch über angezeigte Suchergebnisse gewesen – Google löscht auf Aufforderung Inhalte aus seinem Zwischenspeicher. Vor der Klage zur Autovervollständigung habe es jedoch keinen Antrag auf eine Einstweilige Verfügung gegeben.

Die Zeitung berichtete, die Gerüchte seien aus niedersächsischen CDU-Kreisen gestreut worden und hätten offenbar vor allem Christian Wulff treffen sollen, der damals noch CDU-Ministerpräsident in Niedersachsen war. Kurz vor dessen Wahl zum Bundespräsidenten seien sie durch eine FDP-Kommunalpolitikerin mit verbreitet worden.

Bettina Wulff will nun publizistisch in die Offensive gehen. Noch im September soll ein Buch über ihr Leben erscheinen. Wulff sehe sich gezwungen, dadurch der „Zerstörung ihres Ansehens in der Öffentlichkeit entgegenzuwirken“, zitiert die Zeitung ihr Umfeld.

  • dpa
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36 Kommentare zu "Klage gegen Google: Bettina Wulff geht gegen Rotlicht-Verleumdungen vor"

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  • finde ich schon komisch, dass genau jetzt mal wieder ein buch, das vorher eigentlich von den medien kaum beachtung gefunden hat, weil eigentlich langweilig, auf einmal zum kommenden bestseller hochgetitelt wird. man muss sich auch mal überlegen, dass diese frau es eigentlich nicht nötig hat, ein buch zu schreiben. schließlich hat sie nun eine pr-agentur. aber im heute-journal hat man sich ja schon ein wenig darüber lustig gemacht. die first-pr-lady halt. ganz schlimm finde ich zwar, das man aufgrund ihres tattoos auf ihre vermeintliche vergangenheit spekuliert, aber die nutzt diese sache nun gnadenlos aus, um den verkauf ihres buches zu pushen. somit begibt sie sich unfreiwilligerweise doch einer form der prostitution hin. nicht gemeint ist hier körperliche liebe, sondern sie will halt einen nutzen aus ihrem damaligen status als first lady und der ach so großen schmutzkampagne gegen sie ziehen. und der ehegatte sahnt mal schnell seine über 200.000 euro steuergeld pro jahr als ehrensold ab. wirklich clever.

  • 34 Medien haben die Unterlassungserklärung unterschrieben in den letzten Monaten. Man hat nichts davon gehört. Hätte auch Jauch unterschrieben, so wäre eine Klage nicht nötig gewesen und somit wäre auch in diesem Fall keine große Berichterstattung erfolgt.
    Nein, Bettina Wulff ist nicht auf Öffentlichkeit aus gewesen in diesem Fall. Sie wollte allein ihr Recht.
    Und sie hat es bekommen. Nun schon 35 mal, fehlt noch Google.
    Eine starke Frau! Christian Wulff ist ein glücklicher Mann.

  • 'Belzebub' hat Recht:
    Promotionshow für ihr Büchlein, das außer gähnender Leere nichts enthält. Nochmal absahnen, bevor man entgültig zum C- Promi absteigt, denn moralische Maßstäbe sind ja nicht gerade das, womit sich das Duo Wulff hervorgetan hat.

    Interessant dennoch, das Geschrei unserer Meinungsbildner über den bösen Mob im Internet, der die möglicherweise Tugendhafte befleckt hat: diesem Mob ist es in Wirklichkeit vollkommen egal, ob 'Tattoo- Betty' die Schnulze von 'Pretty Woman' aufführt oder nicht.
    Vielmehr ist entscheidend, daß man ihr dies zutraut, denn Prostitution findet nicht nur in der Rotlichtszene statt und jene speziell weibliche Art der Gunstgewährung gegen handfeste Vorteile ist so alt wie die Menschheit. Von der Hilfskraft an die Spitze von Großkonzernen ist nun mal gerade heute trotz aller Emanzipation verdächtig oft mit Beinebreit korreliert.

    Die Angehörigen der politischen Kaste sollten indes aufhorchen über die Internet- Moritat von 'Tattoo- Betty':
    Sie bezeugt vor allem eines- den völligen Verlust an Reputation und Achtung im Volke. Zuverlässiges Menetekel jeder herannahenden Revolution.

  • Auch wenn es hier einige chauvinistische Foristen mit herablassender Ironie versuchen: Bettina Wulff hat recht.
    Selbst wenn Sie - als Nebeneffekt - ihr Bankkonto damit vermehrt.

    Schon allein dafür, dass sie einen Sieger in der perversen Heuchler-Olympiade - Günter Jauch - zur juristischen Abbitte zwingt, gehört ihr ein Orden.

    Dass ihr Rechtsbeistand ihr geraten hat, sich mit einem wirklichen Riesen anzulegen, der die erkämpften bürgerlichen Freiheiten mit Füßen tritt und sich hinter technischen Finessen versteckt, Google, ist hervorragend. In diesem Fall drücke ich ihr die Daumen - denn da wird sie es brauchen.

    Denn von unserem "Rechts-Staat" hat sie keine Hilfe zu erwarten.

  • Jauchs Sendung war am 18. Dezember 2011. Ist doch klar, daß B. Wulff primär die Verkaufszahlen ihres Buches erhöhen will. Ihre Zeit als First Lady interessiert doch keinen mehr.

  • Es ist das gute Recht von Frau Wulf, gegen Verleumdungen gerichtlich vorzugehen, aber es bleibt die Frage, warum
    nicht schon früher ?? als offen zutage lag, dass instrumentalisierte Medien gegen ihren Gatten und auch sie selbst "aus allen Rohren schoßen",
    um den Bundespräsidenten (wegen seiner Contra-Haltung zum EURO-Rettungsmechanismus) aus seinem Amt zu entfernen.
    Schon damals hätte sie gegen Verleumder vorgehen müssen, um so "Druck" von ihrem Mann wegzunehmen und - möglicherweise - die wahren Beweggründe der Verleumder zu entlarven.
    Jetzt bleibt nur ein schaler Beigeschmack und der Verdacht, evtl. durch ihr juristisches Vorgehen gegen die Verleumder und dem damit verbundenen medialen Echo die Auflage ihres Buches zu steigern.
    Wie sagte Gorbi zu Erich :"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" ---- nicht immer, aber ab und zu eben doch.

  • Das war überfällig. Für die erhobenen Behauptungen braucht man Beweise und keine Gerüchte aus den Weiten des www. Ist auch peinlich für die beteiligten Journalisten. Aber warum ausgerechnet Hamburg? Bei Internet-Delikten gilt der fliegende Gerichststand, aber das Landgericht Hamburg beugt den Persönlichkeitsschutz ins Extreme und ist entsprechend berüchtigt. Wenn man in Deutschland einen "Persönlichkeitsschutzprozess" führen möchte, kann man in Hamburg nicht verlieren und überhaupt nicht bei der Kanzlei die dahinter steht. München oder Köln wäre ein klares Signal gewesen, Hamburg hat immer einen schalen Beigeschmack......als wäre etwas dran....

  • stimmt, aber ist es nicht ein unterschied ob man sagt " die hat sich die haare gefärbt" oder "die ging früher anschaffen" ?

    bin zwar ein mann, aber letzteres empfinde ich als schlimmer. eine unterlassungsverfügung hierzu ist vernünftig. bei ersterem ist es kleinlich und peinlich.

  • Hallo, aber da haben wir doch ein tolles Geschäftsmodell für unsere jungen Mädchen. In jungen Jahren nuttet man etwas rum, später dann, nach der eidesstattlichen Versicherung, verklagt man alle, die so etwas behaupten und erwirtschaftet so die Summen (fünfstellige wohlgemerkt), die man wegen sinkender körperlicher Attraktivität nicht mehr verdienen kann. Schade, dass ich Mann bin und schon über 50.

  • Da liegt ein Missverständnis vor. Es war ihr Mann, der eine schnelle Nummer gegen Cash im Schloss Bellevue hatte.

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