Klagen aus der Wirtschaft
Fachkräftemangel weitet sich dramatisch aus

Über 200.000 Ingenieure und Techniker fehlen in deutschen Unternehmen. Und die Lücke wird sich nach Ansicht von Forschern in den kommenden Jahren noch vergrößern. Das behindert auch das Wirtschaftswachstum.
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BerlinDer Fachkräftemangel in Deutschland nimmt ungeahnte Ausmaße an. Den deutschen Unternehmen fehlen 210.000 Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschafter und Techniker, wie Arbeitgeber und Industrie am Mittwoch in Berlin mitteilten. Die Zahl markiert einen Rekord. Mitte vorigen Jahres hatten die Verbände BDA und BDI die Lücke im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich - kurz MINT genannt - auf 150.000 taxiert. Besonders Ingenieure werden händeringend gesucht: Im April blieben mehr als 92.000 Stellen unbesetzt.

"Aktuell ist der Arbeitsmarkt in den MINT-Berufen deutlich angespannter als während der letzten konjunkturellen Hochphase im Jahr 2008", sagte IW-Direktor Michael Hüther, dessen Institut das Fachkräfteproblem halbjährlich in einem Gutachten unter die Lupe nimmt. Die Personalengpässe verringern nach Einschätzung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) die Wertschöpfung in den betroffenen Firmen und senken so das gesamtwirtschaftliche Wachstum.

Die deutsche Wirtschaft biete auf dem Weltmarkt derzeit zwar sehr erfolgreich "Problemlösungsmöglichkeiten" an. In dem rohstoffarmen Land seien jedoch Innovationen die "elementare Triebfeder für Wachstum". Ingenieure und Techniker seien daher unverzichtbar: "Im Kern des Geschäftsmodells des Industrielands Deutschland steht die Kompetenz MINT", betonte Hüther.

Die Fachkräfte-Lücke wird sich nach Ansicht der Forscher in den nächsten Jahren noch ausweiten. Einerseits steigt voraussichtlich der Bedarf im Zuge der technologischen Revolution - Stichwort Elektromobilität, Energiewende und IT-Ausbau. Andererseits kommt die Wirtschaft durch die demografische Entwicklung bei der Rekrutierung von Fachleuten in die Bredouille: "Die Bevölkerung altert und schrumpft. Dieser Prozess läuft in Zeiten steigenden Fachkräftebedarfs gegen uns", warnte Hüther.

2010 absolvierten knapp 100.000 angehende Akademiker ein MINT-Erststudium an deutschen Hochschulen: "Das ist ein gutes Signal, aber noch zu wenig", so der IW-Direktor. Obwohl die steigende Erstsemesterzahl in MINT-Fächern zu einer weiteren Zunahme der Absolventenzahlen führen dürfte, werde dies nicht ausreichen, die MINT-Lücke zu schließen. Dies auch, weil zu viele Bachelor-Studenten das Handtuch werfen: Nach Informationen des Industrieverbands BDA brechen in Elektrotechnik und Maschinenbau mehr als die Hälfte der Studenten ihr Bachelor-Studium ab.

Die durchschnittliche Abbrecher- und Wechselquote ist im MINT-Bereich allerdings insgesamt auf rund 26 Prozent gesunken. Sie lag 2008 noch bei fast 36 Prozent. "Das haben wir aber ausschließlich den praxisorientierten Fachhochschulen zu verdanken", sagte Thomas Sattelberger, Vorsitzender der von BDA und BDI getragenen Initiative "MINT Zukunft schaffen."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Klagen aus der Wirtschaft: Fachkräftemangel weitet sich dramatisch aus"

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  • @kvogeler

    es gibt keinen Hinweis auf Fachkräftemangel. Bundesweit bilden nur 22,5% der Firmen aus, gewerbliche Wirtschaft sind es ca. 11%. Mehr sind es nicht. Wenn es einen Bedarf geben würde, dann würde man wohl ausbilden.

    in einer anderen Statistik stand letztens, dass 48% der Ingenieursbachelorstudenten das Studium abbrechen oder wechseln. Allerdings ist Maschinenbau mittlerweile der zweitbeliebteste Studiengang und die Studentenzahlen sind aufgrund der Werbung gerade im Ing.Bereich extrem angestiegen.

    nicht das man nachher wieder in einen Schweinezyklus hineingerät- als ein Bekannter von mir Mitte der 1990er Jahre als Ing. fertig wurde, gab es keinen Bedarf und er hat nie in diesem Bereich gearbeitet.

    das IW Köln behauptet den Fachkräftemangel und geht von total unsinnigen Annahmen aus. Es rechnet mit einem großem Wirtschaftswachstum, so dass nicht nur Altersabgänge besetzt werden müssen, sondern zusätzliche MINTler gebraucht werden. Außerdem hat man dort Ing. in Europa mit DE verglichen und dabei übersehen, dass im Ausland oft ein Ing. ist, was hier eine Ausbildung hat -- im Ausland zählt oft der Zahntechniker und Orthopädiemechaniker mit zu den Ingenieuren. Das sind teilweise die "fehlenden Ings." hier.

    und zu den MINT-Fächern zählt auch die Biologie, die hoffnungslos überlaufen ist. Man lockt durch undifferenzierte Berichterstattung mehr Leute in die Biologie, die nachher arbeitslos werden. Dort gibt es schon seit 10-15 Jahren ein Überangebot.

  • Die regelmäßig wiederkehrende Mähr vom Fachkräftemangel

    Ich habe den Artikel ich mit großem Interesse gelesen. Allerdings gebietet es die journalistische Fairnis, hier auch einmal eine andere Meinung als die offiziell propagierte zu Wort kommen zu lassen. Diese Gegenmeinung inklusive einiger sehr interessanter Links habe ich in einem Bericht unter

    http://www.readers-edition.de/2012/05/24/fachkraftemangel-ein-aprilscherz-und-die-hintergrunde/#comments

    ausführlich dargelegt. Um nicht noch mehr junge Leute durch die vorschnelle Auswahl eines Studienfaches ins Unglück zu stürzen, welches sich später dann höchstens als Weg in die Arbeitslosigkeit oder in prekäre oder gar fachfremde Beschäftigungen erweist, möchte ich Sie bitten, Ihren Lesern auch diesen Bericht inklusive der dortigen Links und Fakten zugänglich zu machen.

    Dr. Jens Romba

  • "Anonymer Benutzer: Nachwuchs - Die Wirtschaft bildete jahrelang nicht aus" und genau das ist unser Hauptproblem, Betriebe die nicht ausbilden, weil sie meinen nur Abiturienten wäre die Richtigen und unsere UNI-Absolventen fahren Taxi.

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