Klaus Schmidt entthront den Homo Oeconomicus - und macht sich damit nicht nur Freunde
Spielend in die Spitzenposition

Warum beschäftigt sich Deutschlands derzeit erfolgreichster Wirtschaftsforscher mit einem so unökonomischen Thema wie Fairness?

MÜNCHEN. Das will ich von Klaus Schmidt wissen, als er mich in seinem großzügigen Büro an der Münchner Universität empfängt. Er erzählt, wie er für ein Forschungssemester ein Haus in Stanford mietete. Als damals noch traditioneller Vertragstheoretiker, der nur den rationalen und ausschließlich auf den eigenen Vorteil bedachten Menschen im Blick hatte, hatte er die Situation schnell analysiert. Der Vermieter als Homo Oeconomicus würde den maximal möglichen Mietpreis nehmen, eine hohe Kaution fordern, und diese nachher einbehalten, weil Ausländer sie ohnehin nicht effektiv zurückfordern konnten. Als Homo Oeconomicus würde er das voraussehen und entsprechend schlecht mit der Mietsache umgehen.

Stattdessen machte ihm der Vermieter jedoch einen guten Preis und signalisierte damit, dass er kein Homo Oeconomicus war. Er verknüpfte das mit der Bitte, Möbel und Katzen gut zu behandeln. Das taten die Schmidts auch und bekamen anstandslos ihre Kaution zurück.

„Solches Verhalten gibt es im Wirtschaftsleben auf vielen Märkten“, erklärt Schmidt, warum sein Forschung so große Aufmerksamkeit unter den Ökonomen genießt. Ein wichtiges Anwendungsgebiet ist zum Beispiel der Arbeitsmarkt.

Gestützt auf die Spieltheorie und Laborexperimente mit Probanden entwickelte Schmidt zusammen mit dem Schweizer Ernst Fehr eine Theorie, die klärt, in welchen Kontexten der Mensch als Homo Oeconomicus agiert und in welchen Fairness und Reziprozität eine wichtige Rolle spielen. Vereinfacht lautet die Antwort: Nur auf anonymen und wettbewerbsintensiven Märkten geriert sich der Mensch als Homo Oeconomicus, weil er seine breiteren Präferenzen dort nicht effektiv zur Geltung bringen kann. Das Papier ging ab wie eine Rakete. Es wurde in den letzten drei Jahren annähernd 200 mal in Folgeaufsätzen zitiert.

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