
Wie wir in der großen Wirtschaftskrise gesehen haben sind die Finanzmärkte mit ihren unzähligen, permanent Anlage suchenden Finanzmassen durchaus in der Lage, die Weltwirtschaft über Nacht durch erratische und übersensible Reaktionen zum Absturz zu bringen. Wir stehen jetzt ganz am Rande einer neuen Krise, zumal der internationale Wachstumsmotor inzwischen schon wieder schwächer wird. Insoweit ist höchste Aufmerksamkeit geboten.
Allerdings muss man auch feststellen, dass alle Probleme, die uns jetzt beschäftigen, seit langem zumindest in großen Zügen insbesondere den Finanzmärkten bekannt waren. Ich habe bereits am Ende der großen Wirtschaftskrise öffentlich auf die Notwendigkeit der raschen Vorlage langfristiger Sanierungspläne für die Staatshaushalte gedrängt. Denn diese Verschuldungsdebatte war vorgezeichnet, genauso wie die Gefahr, dass sich die Zentralbanken in eine Politik der wachsenden Inflation hineinziehen lassen. Auch die europäische Zentralbank unterstützt nun nach der amerikanischen Zentralbank die Verschuldungspolitik der Staaten, mit derzeit noch unübersehbaren Konsequenzen für die Inflation. Die strukturellen Probleme Griechenlands, der Vereinigten Staaten wie die auch anderer Länder sind längst bekannt.
Es ist die Evaluation der Finanzmärkte, wie Politik, Banken und Wirtschaft mit diesen Herausforderungen mittelfristig umzugehen gedenken, die die großen Unsicherheiten und die daraus resultierenden Instabilitäten generieren. Insoweit kommt es wieder auf einen abgestimmte, nachhaltige internationale Strategie zur Beruhigung an. Allerdings lassen die geringen Fortschritte bei den politischen Rahmenmaßnahmen in der Vergangenheit keine Zuversicht aufkommen, dass dies schon bald gelingen könnte.
Die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor's, die Bonität der USA erstmals um eine Stufe auf "AA+" herabzusetzen, ist ein dramatischer Weckruf, dass die USA ihre seit Jahren verschleppten strukturellen Haushaltsprobleme endlich nachhaltig angehen müssen. Ich hatte ja bereits beim amerikanischen Haushaltskompromiss vor einer Woche darauf hingewiesen, dass diese Lösung bestenfalls ein Zeitgewinn bis nach der Präsidentenwahl darstellt. Und bis dahin es zu Abstufungen kommen wird. Insoweit erwarte ich weitere Abstufungen, auch von anderen Ratingagenturen.
S&P war unzufrieden mit den von der Regierung beschlossenen Sparmaßnahmen. Die Demokratische Partei von Präsident Barack Obama und die oppositionellen Republikaner hatten sich zuletzt zwar auf eine Anhebung der Schuldengrenze geeinigt, aber laut S&P keine ausreichenden Maßnahmen zur Begrenzung der Schuldenlast beschlossen. Während der Finanzkrise nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers unterstützte die US-Regierung die Wirtschaft mit milliardenschweren Hilfsprogrammen. Die Schuldenlast und die Defizite im Staatshaushalt sind daher deutlich gestiegen. Nun erschwert das schwache Wirtschaftswachstum die Reduzierung der Haushaltsdefizite. Der scharfe politische Streit zwischen Demokraten und Republikaner mache die US-Politik ineffektiv und unvorhersehbar, begründet S&P ihre Entscheidung. Während die Demokraten auch Steuern anheben wollen, lehnen die Republikaner dies kategorisch ab.
Vorerst mit Schweigen. Die USA äußern sich nicht direkt zu der Herabstufung, von der EU ist auch nichts zu hören. Auch Berlin gibt sich wortkarg. Hinter den Kulissen geht es aber kräftig zur Sache. Die Notenbankchefs wollten bei einer Telefonkonferenz beraten, wie sich die Herabstufung auf die Märkte auswirken wird. Angeblich wollten die G7-Finanzminister eine verbale Beruhigungspille für die Märkte ausarbeiten.
Das ist sehr schwer vorherzusagen. An den Märkten wurde eine Herabstufung durch S&P in den vergangenen Tagen schon erwartet - es gab eine Vorwarnung der Ratingagentur. Zudem haben die USA noch bei den beiden anderen Ratingagenturen Moody's und Fitch die Bestnote „AAA“. Niemand muss also US-Anleihen verkaufen. Zudem haben große Anleger wie China und Japan kaum eine wirkliche Alternative zum großen und liquiden US-Markt. „Den amerikanischen Anleihemarkt dürfte dies mittelfristig wenig beeindrucken“, erwartet Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Er verweist auf Japan, das mit einem schlechteren Rating und einem höheren Schuldenstand sich problemlos an den Märkten refinanzieren kann. „Aber natürlich ist dieser Schritt für die Anleihemärkte eine weitere Belastung.“ Tatsächlich könnte der Zeitpunkt aber kaum ungünstiger sein. Die doppelte Schuldenkrise in den USA und Europa hat an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen zu schweren Kurseinbrüchen geführt. Zudem signalisierten einige Konjunkturdaten, dass die USA in die Rezession zurückfallen könnte. Und was bedeutet das für die globale Konjunktur? Die Weltwirtschaft könnte belastet werden, falls nun die Zinsen in den USA merklich steigen würden. Dies könnte die sowieso schon schwächelnde US-Konjunktur belasten und die Weltwirtschaft unter Druck bringen. Allerdings dürfte die US-Notenbank in einem solchen Fall erneut massiv US-Anleihen kaufen, und so die Wirtschaft stützen. Ein Zusammenbruch der Kreditversorgung wird weder in den USA noch in Europa befürchtet. Die Notenbanken können aus ihren Erfahrungen aus der Lehman-Krise schöpfen und würden die Märkte ausreichend mit Liquidität versorgen. So hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken bereits am vergangenen Donnerstag zusätzliche Liquidität angeboten. Eine deutliche Abschwächung der Weltwirtschaft ist aber angesichts der hohen Unsicherheit nicht unwahrscheinlich. Dies würde einen Abbau der hohen Schulden erschweren.
Ja, sollte es nicht zu dem eher unwahrscheinlichen Zusammenbruch des Weltfinanzsystem kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt die Garantie der Regierung für alle Sparguthaben bestätigt. Allerdings dürfte jetzt die EZB bei einer Zuspitzung der Krise die Zinsen nicht mehr weiter anheben. Dies hätte beispielsweise auch Auswirkungen auf die Zinsen des Sparbuchs.
Nein, denn die USA erhielten auch damals schon Bestnoten für ihre Kreditwürdigkeit. Standard & Poors entstand 1941 aus den beiden Agenturen Standard Statistics und Poor’s Publishing. Beide Unternehmen hatten die USA zuvor stets mit ihren jeweiligen Bestnoten bewertet.
Bei der jüngsten Herabstufung auf AA+ handelt es sich also um ein wahrhaft historisches Ereignis: Noch nie zuvor haben die Vereinigten Staaten ihre Topbewertung verloren.
@ Popper:
Bei diesem nominellen Anspruch könnte man mehr erwarten:
Anfangs richtig gestartet, erfolgt dann ein irritierender "walk on the wild side".
Zwar kann "neoliberal" durchaus ein Schimpfwort sein, allerdings nur für den klassischen Liberalen, der damit sozialistische Abweichlerei geißelt.
Brüderle u.a. könnte man - nicht aber Sie - als neoliberal abkanzeln, wenn man die relativ dazu richtige Position hat. Haben Sie nicht.
Am Schluß dann wird es grenzwertig und kaum mehr kommentierbar bei Ihnen. So besehen beleidigen Sie den Namen, mit dem Sie hier so hemmungslos herumaasen. Popper kann sich ja nicht mehr dagegen wehren - müssen es halt andere tun.
Sie glauben doch nicht im Ernst daran, dass S&P ein Rating
für die USA abgeben, ohne von der Regierung das ok zu bekommen.
Sie sollten mal lieber fragen, warum die USA Regierung das
AA+ jetztbraucht. Fürde man die Maßstäbe anlegen, de man für Griechenland und Portugal angelegt hat, wäre ein Rating von B der Wahrheit näher gekommen.
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