Klaus Zimmermann
„Wir stehen am Rande einer neuen Krise“

Nach Einschätzung des renommierten Wirtschaftsprofessors Klaus Zimmermann, drohen den USA weitere Ratingschocks. Das könnte auch für den Rest der Welt katastrophal enden, schreibt er in einem Gastbeitrag.
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Wie wir in der großen Wirtschaftskrise gesehen haben sind die Finanzmärkte mit ihren unzähligen, permanent Anlage suchenden Finanzmassen durchaus in der Lage, die Weltwirtschaft über Nacht durch erratische und übersensible Reaktionen zum Absturz zu bringen. Wir stehen jetzt ganz am Rande einer neuen Krise, zumal der internationale Wachstumsmotor inzwischen schon wieder schwächer wird. Insoweit ist höchste Aufmerksamkeit geboten.

Allerdings muss man auch feststellen, dass alle Probleme, die uns jetzt beschäftigen, seit langem zumindest in großen Zügen insbesondere den Finanzmärkten bekannt waren. Ich habe bereits am Ende der großen Wirtschaftskrise öffentlich auf die Notwendigkeit der raschen Vorlage langfristiger Sanierungspläne für die Staatshaushalte gedrängt. Denn diese Verschuldungsdebatte war vorgezeichnet, genauso wie die Gefahr, dass sich die Zentralbanken in eine Politik der wachsenden Inflation hineinziehen lassen. Auch die europäische Zentralbank unterstützt nun nach der amerikanischen Zentralbank die Verschuldungspolitik der Staaten, mit derzeit noch unübersehbaren Konsequenzen für die Inflation. Die strukturellen Probleme Griechenlands, der Vereinigten Staaten wie die auch anderer Länder sind längst bekannt.

Es ist die Evaluation der Finanzmärkte, wie Politik, Banken und Wirtschaft mit diesen Herausforderungen mittelfristig umzugehen gedenken, die die großen Unsicherheiten und die daraus resultierenden Instabilitäten generieren. Insoweit kommt es wieder auf einen abgestimmte, nachhaltige internationale Strategie zur Beruhigung an. Allerdings lassen die geringen Fortschritte bei den politischen Rahmenmaßnahmen in der Vergangenheit keine Zuversicht aufkommen, dass dies schon bald gelingen könnte.

Die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor's, die Bonität der USA erstmals um eine Stufe auf "AA+" herabzusetzen, ist ein dramatischer Weckruf, dass die USA ihre seit Jahren verschleppten strukturellen Haushaltsprobleme endlich nachhaltig angehen müssen. Ich hatte ja bereits beim amerikanischen Haushaltskompromiss vor einer Woche darauf hingewiesen, dass diese Lösung bestenfalls ein Zeitgewinn bis nach der Präsidentenwahl darstellt. Und bis dahin es zu Abstufungen kommen wird. Insoweit erwarte ich weitere Abstufungen, auch von anderen Ratingagenturen.

Kommentare zu " Klaus Zimmermann: „Wir stehen am Rande einer neuen Krise“"

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  • ... eine Währungsreform in den USA!

  • Sie glauben doch nicht im Ernst daran, dass S&P ein Rating
    für die USA abgeben, ohne von der Regierung das ok zu bekommen.
    Sie sollten mal lieber fragen, warum die USA Regierung das
    AA+ jetztbraucht. Fürde man die Maßstäbe anlegen, de man für Griechenland und Portugal angelegt hat, wäre ein Rating von B der Wahrheit näher gekommen.

  • zu "Die in der deutschen Verfassung kürzlich verankerte Schuldenbremse könnte deshalb auch für die USA ein interessanter Lösungsansatz sein." Glaubt Herr Zimmermann wirklich, unsere Politkaste würde diese Bremse berücksichtigen? die eingegangenen Verpflichtungen in der Transferunion haben diese Bremse ja bereits zur Farce gemacht... siehe auch Stabilitätskriterien... wer hat die denn eingehalten??

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